Horrornacht in Bregenz: 85 Messerstiche im Drogenrausch

Vorarlberg / 24.08.2019 • 07:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Norbert Schwendinger über den brutalen Mord an einer 65-jährigen Drogenhändlerin in Bregenz. VN/PAULITSCH/VOL.AT PLETSCH

VN-Serie Teil 7: Der Leiter der Mordkommission erzählt.

Bregenz Es war ein Kriminalfall mit mehreren Besonderheiten. Unter anderem wegen seiner Brutalität, zum anderen wegen des Alters des Opfers aus dem Drogenmilieu und einer skurrilen Anekdote. Demnach hatte der Tatverdächtige – ohne seinen Namen zu nennen – selbst einen Notruf bei der Polizei abgesetzt mit den Worten: „Grüß Gott, ich möchte einen Mord melden.“ Der achtfach Vorbestrafte teilte dann mit, dass er und seine 65-jährige Bekannte in Bregenz überfallen worden seien und ein Unbekannter die Frau erstochen habe.

Doch die Ermittlungen von Morddezernatsleiter Norbert Schwendinger und seinen Kollegen ergaben einen völlig anderen Sachverhalt. Es begann am späten Nachmittag des 6. Februar 2017 mit einem Brandalarm in einem Mehrparteienhaus in der Bregenzer Arlbergstraße. In der Wohnung, in der sich der Brandherd befand, machten die Feuerwehrleute eine schreckliche Entdeckung: Sie stießen auf den leblosen Körper einer 65-jährigen Frau. „Eine herbeigezogene Notärztin stellte fest, dass die Frau bereits verstorben war“, erinnert sich Schwendinger. Der Körper war übersät mit Stichverletzungen, eine von der Staatsanwaltschaft angeordnete Obduktion führte zur erschreckenden Feststellung, dass es sich um 85 Einstiche handelte. „Bisher die Rekordzahl an Messerstichen“, bemerkt der Chef der Mordkommission. Es lag aber nahe, dass das Opfer durch Erwürgen gestorben war.

Der mutmaßliche Täter war noch am selben Tag ermittelt. Er sowie das Opfer waren der Polizei schon länger aus dem Drogenmilieu bekannt, die Erhebungen konzentrierten sich sogleich auf das entsprechende Umfeld. Schwendinger: „Es gingen Hinweise und auch Namenssplitter ein, die uns sofort in die Richtung eines Tatverdächtigen wiesen.“

„Notwehr“

Es sollte ein Volltreffer werden. Beamte des Landeskriminalamts, des Einsatzkommandos Cobra und der Polizeiinspektion Bregenz nahmen kurz darauf und nur wenige Hundert Meter vom Tatort entfernt einen 34-jährigen Mann fest. „Bei seiner Einvernahme redete sich der Beschuldigte darauf hiaus, er sei von der Frau angegriffen worden und habe aus Notwehr handeln müssen“, so Schwendinger.

Fest steht, dass der Mann an jenem Tag bereits einmal bei seinem Opfer zu Besuch war. Er hatte bei ihr Drogen gekauft, sie konsumiert und – dadurch schwer beeinträchtigt – die Frau am Nachmittag ein weiteres Mal aufgesucht. „Offenbar verlangte er von ihr weiteres Suchtgift auf Kredit, weil er kein Geld mehr hatte. Doch das wurde von der 65-Jährigen abgelehnt, weshalb es zu einem Streit gekommen sein dürfte.“  

Strafe erhöht

In der späteren Anklage wurde dem Beschuldigten neben Mord auch Brandstiftung vorgeworfen. Er soll das Feuer gelegt haben, um Spuren zu vernichten. Womit er auch weitere Bewohner des Hauses gefährdete. Er wurde im Sinne der Anklage verurteilt und erstinstanzlich zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt. Zu wenig für die Staatsanwaltschaft. Sie berief, das Oberlandesgericht Innsbruck gab der Berufung Folge und erhöhte die Haftstrafe auf insgesamt 22 Jahre und neun Monate.