Wie Lieferschwierigkeiten Apotheken das Leben schwer machen

Vorarlberg / 25.08.2019 • 15:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mehr als 300 von 7000 Arnzeimitteln sind nicht oder nur verzögert lieferbar. REUTERS

Täglicher Kampf ums Medikament: Engpässe nun schon seit Monaten ein Problem.

Wolfurt Schon seit Monaten sorgt das Thema um Medikamentenengpässe für Diskussionsstoff. Mehr als 300 von 7000 Arzneimitteln sind nicht oder nur verzögert lieferbar. Die Konzentration auf wenige Produktionsstandorte in Asien sowie der Verkauf von Medikamenten an Länder, in denen sich mehr Geld verdienen lässt als in Österreich, bringen das System in eklatante Schwierigkeiten. Den Apotheken beschert es beinahe täglich einen Telefonmarathon mit Ärzten, um den Patienten auf ein anderes Arzneimittel umstellen zu können. „Wir sind die, die das Problem ausbügeln dürfen“, spricht Hubert Boor von der Hofsteig Apotheke in Wolfurt von unhaltbaren Zuständen. Sein Vorschlag bis zu einer Regelung: „Um schnell eine medizinisch vertretbare Lösung zu finden, sollen Ärzte auf dem Rezept gleich Alternativen angeben, dann würde zumindest das telefonische Hin und Her wegfallen.“

Langwierige Sache

Seit mehr als zwei Jahren arbeitet die Medizinmarktaufsicht der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) an diesem Thema (die VN berichteten). Forderungen nach einem gesetzlichen Exportverbot bei Engpässen und einer verbindlichen Meldepflicht der Pharmafirmen, wenn Lieferschwierigkeiten drohen, lagen zwar schon im Gesundheitsministerium, verschwanden nach dem Platzen der türkis-blauen Bundesregierung aber wieder von der Tagesordnung. Diese Woche will die Task Force neuerlich zusammentreffen, um über die weitere Vorgehensweise zu beraten. Das Land kann keinen Einfluss nehmen, wie Gesundheitslandesrat Christian Bernhard in einer Anfragebeantwortung an die FPÖ betont. Es handle sich um Angelegenheiten, die in die Zuständigkeit des Bundes fallen. In seiner außerparlamentarischen Anwort bestätigt Bernhard unter anderem jedoch, dass die Arzneimittelpreise in Österreich deutlich niedriger sind, der heimische Markt dadurch an Attraktivität einbüßt und Ausfälle deshalb rascher spürt.

Vertrauensverlust befürchtet

Der Gesundheitslandesrat will auf eine entsprechende Frage auch nicht ausschließen, wonach fehlende Medikamente die Gesundheit der Bevölkerung gefährden könnten. Er verweist aber darauf, dass die Apotheken in solchen Fällen mit dem behandelnden Arzt nach einem Ersatzmedikament suchen würden. In der Regel könnten die Probleme erledigt oder reduziert werden. „Diese Ersatzpräparate tragen genauso zum Therapieerfolg bei. Leider ist diese Vorgangsweise nicht immer möglich“, räumt Christian Bernhard ein. Hubert Boor kennt das. „Die Wirkung eines Generikums kann auch bei Wirkstoffgleichheit abweichen“, sagt er. Boor fürchtet, dass die Unsicherheit bei Patienten zu einem Vertrauensverlust führt, der wiederum die Therapiesicherheit beeinflusst. Er ärgert sich, dass die Hersteller eine Versorgungspflicht hätten, die entsprechende Verordnung dazu aber weder von der vorherigen noch der nachfolgenden Regierung umgesetzt wurde. „Unser Auftrag, Medikamente schnell verfügbar zu halten, ist derzeit schwer umzusetzen“, merkt Hubert Boor unzufrieden an. Er verlangt von der Politik, dass diese die Produktionsstandorte Österreich und Europa wieder attraktiver macht, um nicht gänzlich vom übrigen Ausland abhängig zu sein. „Auch die Bürokratie vertreibt die Hersteller“, gibt er zu bedenken.