Tödliche Gefahr für Rehkitze während der Mähzeit

Vorarlberg / 28.08.2019 • 08:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein gerettetes Rehkitz. In den ersten zwei Wochen ihres Lebens zeigen die Jungtiere den Duckreflex: Sie ducken sich bei Gefahr auf den Boden. Bei Mähmaschinen ist das tödlich. VN/HARTINGER

Hunderte Tiere fielen in Vorarlberg auch heuer den scharfen Mähmessern zum Opfer. Jetzt gibt es Gegenmaßnahmen.

Schwarzach Ende Mai, Anfang Juni. Das ist die gefährlichste Zeit für Tausende Rehkitze, die zu diesem Zeitpunkt meistens noch nicht 14 Tage alt sind. „In den ersten zwei Wochen ihres Lebens haben die Rehkitze den sogenannten Duckreflex. Sie ducken sich bei Gefahr an den Boden, sind geruchlos und durch ihr gepunktetes Fell gut getarnt. Daher werden sie von Räubern zumeist nicht bemerkt“, erklärt der Wildbiologe und Geschäftsführer der Vorarlberger Jägerschaft, Hernot Heigl (29). Dieses instinktive Verhalten wird den kleinen Geschöpfen bei der Mahd jedoch zum Verhängnis.

Erst nicht bemerkt

„Zwischen 30.000 und 50.000 Rehkitze fallen in Österreich jährlich den Mähmaschinen zum Opfer“, berichtet Heigl. In Vorarlberg ist die Zahl der getöteten Jungwildtiere im Verhältnis zu den Bundeszahlen wesentlich geringer. „Bei uns werden es einige Hundert sein“, schätzt der Jäger. Die Fahrer der Mähmaschinen haben ebenso wenig eine Chance, die tödliche Kollision zu vermeiden, wie das Jungtier die Chance hat, sich zu retten. „Oft bemerken die Mäher das nicht einmal – oder erst viel später“, weiß Heigl.

Gefahr für das Futter

Getötete Rehkitze lösen nicht nur beim Verursacher Betroffenheit aus, die Folgen sind auch aus praktischen Gründen für die Landwirtschaft negativ. „Das entstehende Leichengift an den Kadavern dringt in das Viehfutter und kann für die gefütterten Tiere tödliche Gefahren mit sich bringen“, erläutert Christian Meusburger (47), Leiter der Abteilung Pflanzenbau in der Landwirtschaftskammer, die Problematik.

Nun versuchen Landwirte und Jäger gemeinsam, das Problem anzugehen. Während in der Schweiz etwa Drohnen zur Sichtung von im Gras versteckten Rehkitzen verwendet werden, heißt in Vorarlberg das Zauberwort Kitzretter. Das ist ein Gerät, das Licht- und Tonsignale aussendet und dadurch Rehkitze aus den Mähflächen vertreiben soll. Das Gerät wird am Tag vor der Mahd mitten im Feld aufgestellt und soll die Kitze mit ihren Müttern von dort vertreiben. „Die Rehe reagieren auf die für sie unangenehmen Signale und schleppen sich und ihren Nachwuchs aus dem gefährlichen Feld“, beschreibt Heigl die erhofften Segnungen des Kitzretters.

„Die Rehe reagieren auf die unangenehmen Licht- und Tonsignale des Kitzretters.“

Skepsis bei Drohnen

Einen Kitzretter erhalten Landwirte bei Bedarf auch von den Jägern. „Die Bauern kündigen uns zuerst an, wann sie mähen wollen. Dann bekommen sie das Gerät.“ In der Schweiz werden zum Schutz der Rehkitze bei der Mahd auch Drohnen verwendet. In Vorarlberg ist man von dieser Methode noch nicht wirklich überzeugt. „Diese Methode ist sehr aufwendig in Bezug auf Personal und Material“, zeigt sich Heigl skeptisch. Auch Christoph Meusburger findet die Kitzretter praktikabler. „Meistens müssen die Landwirte alle gleichzeitig mähen. Und dann bräuchte es auch die Drohnen überall gleichzeitig. Das wäre wohl schwierig.“ Dennoch: Die Tiroler Jägerschaft erprobt derzeit Drohnen als Methode zur Entdeckung von Rehkitzen in Mähfeldern.