Peter Platzer bietet Beratungen für Angehörige von Demenzkranken an

Vorarlberg / 30.08.2019 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Für Peter Platzer ist wertschätzende Kommunikation ein wichtiges Thema. BI

Ein Nüziger im Porträt.

NÜZIDERS Soziale Themenfelder prägen Peter Platzers Lebensweg. Nach einer Lehre als Einzelhandelskaufmann entschied er sich für eine Umschulung zum Altenpfleger. In dieser Funktion war er mehrere Jahre im Sozialzentrum Bürs tätig. Seit rund 16 Jahren arbeitet er in der Fachbereichsstelle Assistenz und Teilhabe der Caritas. Außerdem sammelte der engagierte Sozialfachmann Erfahrungen in der Schubhaftbetreuung und betreut als Ski-Alpintrainer bei den Special Olympics junge Sportler mit Beeinträchtigung. In all seinen Arbeitsbereichen kommt ihm seine offene und kommunikative Art zugute. Die weitläufigen Erfahrungen im sozialen Bereich, insbesondere bei der Altenpflege, kommen ihm auch in seiner Funktion als Tandem-Begleiter für den Raum Oberland zugute.

Definition Tandem

Tandem ist ein Arbeitsauftrag des Landes Vorarlberg an das Bildungshaus Batschuns für den Bereich „Rund um Pflege daheim“, welcher von Esther Schnetzer geleitet wird. Die Zielsetzung dieses Projekts ist es, Hilfe für Angehörige und Begleitpersonen von Menschen mit Demenz zu bieten. Dabei werden Einzelpersonen, Familien oder Kleingruppen spezifisch unterstützt. Hintergrundwissen über Symptome und veränderte Verhaltensweisen bei Demenz wird vermittelt, aber auch der Umgang mit Stresssituationen wird thematisiert.

So funktioniert es

Der Kontakt mit Angehörigen erfolgt über das Büro in Batschuns. Beim Erstgespräch wird der Ist-Stand erhoben. Gemeinsam wird eruiert, welche Hilfe tatsächlich benötigt wird. Um die zeitlichen Herausforderungen der pflegenden Angehörigen nicht noch mehr zu beanspruchen, findet die Beratung zu deren Wunschtermin und am bevorzugten Ort statt. Die Beratung ist kostenlos und gestaltet sich immer sehr individuell, denn jeder Mensch ist unterschiedlich, auch in Bezug auf die Belastungsgrenze.

„Es ist für Angehörige sehr wichtig, dass sie ihre reelle Situation erkennen und sich bei Überforderung rechtzeitig Hilfe holen. Niemand kann und muss seine Probleme allein lösen. Der Umgang mit bestimmten Situationen, wie etwa der Veränderung in der Eigenständigkeit der betreuten Person, kann sehr fordernd sein. Oftmals reicht jedoch schon ein Einzelgespräch, damit sich die Situation entspannen kann“, erklärt Peter Platzer. In diesem Zusammenhang ist es ihm wichtig festzuhalten: „Wir sind keine Ärzte und keine Rechtsanwälte, unsere Tätigkeit erstreckt sich ausschließlich auf die Beratung.“

Ein immer wiederkehrendes Thema ist das Für und Wider einer Heimunterbringung. „Ich gebe keine Entscheidung oder Empfehlung vor, sondern liste die unterschiedlichen Möglichkeiten der Entlastung auf. Indem der Tagesablauf der erkrankten Person genau analysiert wird, kann erwogen werden, welche Netzwerke als Unterstützung infrage kommen. Die Entscheidung für oder gegen eine Unterbringung liegt schlussendlich jedoch immer bei den Angehörigen“, betont Platzer.

Im Umgang mit Demenzkranken solle vor allem auf die Kommunikation geachtet werden: „Es gilt auch in absurden Situationen, der Person zu signalisieren, dass sie ernst genommen und wertgeschätzt wird. Fehler im Umgang mit Betroffenen dürfen allerdings passieren,weil die Realität einer Tag- und Nachtpflege einer demenzkranken Person oft anders ausschaut, als in Büchern beschrieben.“ BI