Sommer im Boot: das spezielle Leben in einem Jachthafen

Vorarlberg / 30.08.2019 • 08:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Drei Wochen Urlaub in ihrem Motorboot auf dem See: Darauf freuen sich Lydia Knobel und Joachim Scholz jedes Jahr. VN/STIPLOVSEK

Der Jachthafen Schwedenschanze ist im Sommer eine besondere Welt mit besonderen Menschen.

Fußach Die Wolken hängen tief über dem Bodensee. Für Eugen Pfefferkorn (55) ein Segen. „Das gibt uns die Möglichkeit, etwas zu verschnaufen“, sagt der Hafenmeister im Jachthafen Schwedenschanze an der Ortsgrenze zwischen Hard und Fußach. Tatsächlich ist es ruhig. Die vertäuten Boote wiegen sanft im kaum wellenden Wasser, der ganze Hafen scheint sich eine Auszeit von der hektischen Betriebsamkeit des Feriensommers zu nehmen. Ein Dauergast, der aus seinem mächtigen Motorboot steigt, um an Land ein Ersatzteil zu holen, winkt ab: „Ich will nicht reden. Ich will meine Ruhe.“ „Der lebt den ganzen Sommer im Boot und fährt nur nach Hause, wenn das Wetter wirklich schlecht ist“, erzählt Hafenmeister Pfefferkorn.

Sensible Reisende

Bei zweifelhaftem Wetter reagieren die Bodenseereisenden sensibel. „Es reicht schon eine schlechte Wetterprognose, dass sie nicht auf den See hinausgehen. Bei Schönwetter hingegen machen sich im Sommer sehr viele auf den Weg und landen dann auch bei uns“, berichtet Pfefferkorn. Während der Ferienzeit tuckern an schönen Tagen 30 bis 50 Boote – Motoryachten und Segler – in den Hafen der Schwedenschanze. An Wochenenden können es dann 70, manchmal sogar 100 sein.

„Bei Schlechtwetter fährt kaum einer ein, bei Schönwetter dafür umso mehr.“

Eugen Pfefferkorn, Hafenmeister

Inhaber eines Liegeplatzes müssen melden, wenn sie selbst nicht im Hafen sind. Dann werden ihre Plätze vermietet. Bei voller Auslastung liegen an der Schwedenschanze 300 Boote im Wasser, dazu kommen noch separate Plätze für Gäste. Reserviert werden kann ein Anlegeplatz von Gästen nicht. „Sie kommen herein, und dann schauen wir, wo sie anlegen können“, erklärt Ruth Pfferkorn, die Gattin des Hafenmeisters. Die wohnen während der Sommermonate in ihrem eigenen Boot, das im Hafen liegt.

Die perfekte Entspannung

In ihrem kleinen Motorboot leben derzeit auch die Eheleute Joachim Scholz und Lydia Knobel. Scholz schwärmt vom Bootsfahren auf dem See, mit allem was dazu gehört. „Ich bin von Beruf Fahrlehrer. Da erlebe ich viel Hektik. Der See ist für mich die perfekte Entspannung“, gesteht der Schwabe. Auf und in ihrem Boot haben er und seine Gattin alles, was sie brauchen. „Wir sind insgesamt drei Wochen unterwegs, und legen an, wo es uns gefällt“, beschreibt Scholz seine persönliche Interpretation von Freiheit, die es für ihn nur auf dem Bodensee gibt. 14 Euro zahlt er für den Anlegeplatz pro Nacht. Dafür steht im Hafen auch entsprechende Infrastruktur mit Sanitäranlagen zur Verfügung. „Und“, betont Pffefferkorn, „wir haben eine Tankstelle. Die einzige in einem Vorarlberger Hafen.“

Nicht nur an der Tankstelle ist Eugen Pfefferkorn im Hafen an der Schwedenschanze der Boss. Gemeinsam mit seiner Gattin Ruth schmeißt er dort den Laden. VN/Stiplovsek
Nicht nur an der Tankstelle ist Eugen Pfefferkorn im Hafen an der Schwedenschanze der Boss. Gemeinsam mit seiner Gattin Ruth schmeißt er dort den Laden. VN/Stiplovsek

Als alles anfing

Dass Eugen Pfefferkorn als Hafenmeister an der Schwedenschanze arbeitet, ist besonderen Umständen geschuldet. „Vor neun Jahren legte ich hier mit einem Motorschaden an. Die damalige Hafenmeisterin fragte mich, ob ich ihr für ein paar Stunden aushelfen könne. Das tat ich. Und als sie wenig später in Pension ging, meinte sie, ich könne diesen Job für sie übernehmen.“ Das tat der selbstständige Versicherungsvertreter auch. Bereut hat er es nie. „Weil unsere Kundschaften zu 99,9 Prozent entspannte und freundliche Menschen sind und einem die Arbeit erleichtern“, findet Eugen Pfefferkorn eine praktische Begründung. Während seine Gattin eine psychologische nachreicht: „Das Leben am Wasser beruhigt einfach. Das tut uns gut“, sagt Ruth.

Gut tut den beiden in Bludenz lebenden Eheleuten aber trotzdem auch das nahende Saisonende. „Am 13. Oktober ist es so weit. Dann überlassen wir den Hafen sich selbst.“