Viele Scheine bis zum Schein

Vorarlberg / 01.09.2019 • 18:07 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Dass sich die Kosten für den Führerschein läppern können, weiß auch Derya, die die Fahrerlaubnis bereits hat. VN/Steurer
Dass sich die Kosten für den Führerschein läppern können, weiß auch Derya, die die Fahrerlaubnis bereits hat. VN/Steurer

Vorarlbergs Jugendliche zahlen oft mehr als erwartet für die Führerscheinausbildung.

Schwarzach Heuer absolvieren wie jedes Jahr zahlreiche junge Vorarlberger die Ausbildung zum Führerschein. In Vorarlberg gibt es zwölf Fahrschulen. Bis die rosa Führerscheinscheckkarte in den Händen gehalten werden kann, können allerdings einige Kosten anfallen.

Die VN haben bei den Vorarlberger Fahrschulen Angebote eingeholt (siehe Grafik); das günstigste Angebot für die Grundausbildung mit Theoriekurs, den gesetzlich vorgeschriebenen 18 Fahrstunden und Prüfungsgebühren liegt bei 1512 Euro, das teuerste bei 1743 Euro. Dies entspricht einer Differenz von 231 Euro. Ein Punkt, der Paul Rusching, Konsumentenschützer der Arbeiterkammer Vorarlberg, sauer aufstößt: „Dass die Preise gerade in den gleichen Bezirken so nah beieinander liegen, ist sehr auffällig.“

Teures Vorarlberg

Außerdem seien in den vergangenen Jahren immer wieder Kostenvergleiche zwischen den Bundesländern gemacht worden. Für die einzelnen Teile der Kosten gibt es nämlich keine bundesweite, gesetzlich festgelegte Norm: „Vorarlberg war immer unter den Teuersten“, betont Rusching. Die Preisunterschiede für die klassische Führerscheinausbildung der Klasse B betrugen bereits in den 1970er-Jahren österreichweit bis zu 53 Prozent.

Reinold Drexel, stellvertretender Führerschein-Fachgruppenleiter der Wirtschaftskammer Vorarlberg, sieht die Sache naturgemäß anders: „Fahrschulen sind Dienstleistungsbetriebe. Die Gehaltskosten in Vorarlberg für Fahrlehrer sind wesentlich höher als in anderen Regionen Österreichs.“ Dies würde laut Drexel unter anderem mit der Nähe zum Schweizer und Liechtensteiner Arbeitsmarkt zusammenhängen, als auch mit höheren Lebenshaltungskosten und geringerer Arbeitslosigkeit.

„Die Fixkosten können je nach Anzahl der Fahrschüler unterschiedlich kalkuliert werden. Je größer die Fahrschule, wie etwa in Wien, desto weniger Fixkosten entfallen auf den einzelnen Fahrschüler. Kleinere Fahrschulen in Vorarlberg müssen den gleichen Aufwand für Gebäude, Technik, Büropersonal, etc. leisten“, begründet Drexel. Dem hält Konsumentenschützer Rusching entgegen: „Größere Fahrschulen müssen mehr Fahrlehrer und Übungsautos zur Verfügung stellen.“

„Camps“ in der Steiermark

Viele Vorarlberger Fahrschüler entscheiden sich jedenfalls aus Kostengründen dazu, die Pkw-Lenkberechtigung in einem anderen Bundesland zu absolvieren. Beliebt sind dabei sogenannte „Camps“ in der Südsteiermark. Zum Beispiel kann in der Fahrschule Thermenland der Führerschein samt Übernachtung und Verpflegung in nur 17 Tagen absolviert werden. Kostenpunkt: 1685 Euro.

Reinold Drexel rät von solchen Angeboten allerdings ab: „Die Fahrstunden können dort nur in einem genau definierten Zeitrahmen konsumiert werden“, erklärt Drexel. Wenn jemand die Theorieprüfung nicht besteht, könne er nicht zur Praxisprüfung antreten und müsse dann innerhalb kurzer Zeit wieder den weiten Weg in die Steiermark antreten. Drexel empfiehlt zudem, die Ausbildung in einer vertrauten Umgebung zu machen: „Die Verkehrsdichte im Rheintal ist eine komplett andere wie etwa in der weniger dicht besiedelten Südoststeiermark.“

Fehlende Onlinepreise

Das Vergleichen der Fahrschulpreise ist jedenfalls mit Aufwand verbunden: Zum einen variieren die Leistungen je nach Fahrschule, so sind bei manchen Preisen Lernmaterialien für zuhause inkludiert, bei anderen nicht. Zum anderen sind Angebote auf den Webseiten der Vorarlberger Fahrschulen online nicht angegeben.

Konsumentenschützer Rusching wirft den Vorarlberger Fahrschulen diesbezüglich mangelnde Transparenz vor. Die Fahrschulen sind zwar gesetzlich verpflichtet, Preisaushänge im Vorraum der Schule anzubringen. „In Zeiten des Internets wäre es aber sinnvoll, dass die Kosten auch online auf den Webseiten ausgewiesen werden“, insistiert Konsumentenschützer Rusching.

Zahlreiche innerösterreichische Fahrschulen praktizieren eine genau definierte Kostenausweisung im Internet, wie die VN-Recherche ergab. „Haben die Vorarlberger Fahrschulen etwas zu verbergen?“ fragt sich Rusching.

Drexel hingegen argumentiert, dass man die potenziellen Kunden nicht verwirren möchte: „Es gibt fünf Ausbildungsmodelle alleine für die Klasse B.“ Die Kosten seien somit im Internet nicht seriös darstellbar: „Dafür ist ein Beratungsgespräch vor Ort sinnvoll.“

„Dass die Preise gerade in den gleichen Bezirken so nah beieinander liegen, ist sehr auffällig.“

Zusätzliche Kosten

» Erste-Hilfe-Kurs (ca. 50 Euro)

» Arztgutachten (ca. 35 Euro) und EU-Passfoto

» Fahrsicherheitstraining (ca. 230 Euro) und zwei Perfektionsfahrten innerhalb der Mehrphasenausbildung (in Vorarlberg jeweils zwischen 102 und 140 Euro)

» Behördengebühren für die Ausstellung der Lenkberechtigung (ca. 130 Euro).

» Zu Buche schlagen können außerdem etwaige zusätzliche Fahrstunden.

 

» Das Gesamtpaket inklusive aller Nebenkosten fällt dann oft deutlich höher aus als erwartet. Bei einem Durchschnittspreis der Grundausbildung in Vorarlberg von rund 1693 Euro belaufen sich die Gesamtkosten ohne zusätzliche Fahrstunden und sogenannte L-Tafel auf rund 2380 Euro.