Preisdschungel: Was der Führerschein in Vorarlbergs Fahrschulen kostet

Vorarlberg / 02.09.2019 • 06:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Dass sich die Kosten für den Führerschein ganz schön läppern können, weiß auch Derya, die den Ausweis schon hat. VN/STEURER

Vorarlbergs Jugendliche zahlen oft mehr als erwartet für die Führerscheinausbildung. Kritik an fehlenden Preisinformationen im Internet.

Schwarzach Heuer absolvieren wie jedes Jahr zahlreiche junge Vorarlberger die Führerschein-Ausbildung. In Vorarlberg gibt es zwölf Fahrschulen. Bis die rosa Führerschein-Karte in den Händen gehalten werden kann, können allerdings einige Kosten anfallen.

Teures Vorarlberg

Die VN haben bei den Vorarlberger Fahrschulen Angebote eingeholt (siehe Grafik am Ende der Artikels), das günstigste Angebot für die Grundausbildung mit Theoriekurs, die gesetzlich vorgeschriebenen 18 Fahrstunden und Prüfungsgebühren liegt bei 1512 Euro, das teuerste bei 1743 Euro. Dies entspricht einer Differenz von 231 Euro. Ein Punkt, der Paul Rusching, Konsumentenschützer der Arbeiterkammer Vorarlberg, sauer aufstößt: „Dass die Preise gerade in den gleichen Bezirken so nah beieinander liegen, ist sehr auffällig.“

Außerdem seien in den vergangenen Jahren immer wieder Kostenvergleiche zwischen den Bundesländern gemacht worden. Für die einzelnen Teile der Kosten gibt es nämlich keine bundesweite, gesetzlich festgelegte Norm: „Vorarlberg war immer unter den Teuersten“, betont Rusching. Die Preisunterschiede für die klassische Führerscheinausbildung der Klasse B betrugen tatsächlich bereits in den 1970er-Jahren österreichweit bis zu 53 Prozent.

“ Dass die Preise gerade in den gleichen Bezirken so nah beieinander liegen, ist sehr auffällig.“

Paul Rusching, Konsumentenschützer

Reinold Drexel, stellvertretender Führerschein-Fachgruppenleiter der Wirtschaftskammer Vorarlberg, sieht die Sache naturgemäß anders: „Fahrschulen sind Dienstleistungsbetriebe. Die Gehaltskosten in Vorarlberg für Fahrlehrer sind wesentlich höher als in anderen Regionen Österreichs.“ Dies hänge laut Drexel unter anderem mit der Nähe zum Schweizer und Liechtensteiner Arbeitsmarkt zusammen, und auch mit höheren Lebenshaltungskosten und geringerer Arbeitslosigkeit.

„Die Fixkosten können je nach Anzahl der Fahrschüler unterschiedlich kalkuliert werden. Je größer die Fahrschule, wie etwa in Wien, desto weniger Fixkosten entfallen auf den einzelnen Fahrschüler“, begründet Drexel. „Kleinere Fahrschulen wie in Vorarlberg, die weniger Fahrschüler haben, bedingen gleichen Aufwand für Gebäude, Technik, Übungsplatz, Büropersonal, etc.“ Dem hält Konsumentenschützer Rusching entgegen: „Größere Fahrschulen müssen mehr Fahrlehrer und Übungsautos zur Verfügung stellen.“

„Camps“ in der Steiermark

Viele Vorarlberger Fahrschüler entscheiden sich jedenfalls aus Kostengründen dazu, die Pkw-Lenkberechtigung in einem anderen Bundesland zu absolvieren. Beliebt sind dabei sogenannte „Camps“ in der Südsteiermark. Zum Beispiel kann in der Fahrschule Thermenland der Führerschein samt Übernachtung und Verpflegung in nur 17 Tagen absolviert werden. Kostenpunkt: 1685 Euro.

Reinold Drexel rät von solchen Angeboten allerdings ab: „Die Fahrstunden können dort nur in einem genau definierten Zeitrahmen konsumiert werden“, erklärt Drexel. Wenn jemand die Theorieprüfung nicht besteht, könne er nicht zur Praxisprüfung antreten und müsse dann innerhalb kurzer Zeit wieder den weiten Weg in die Steiermark machen. Drexel empfiehlt zudem, die Ausbildung in einer vertrauten Umgebung zu absolvieren: „Die Verkehrsdichte im Ballungsraum Rheintal ist eine komplett andere als etwa in der weniger dicht besiedelten Südoststeiermark.“

Fehlende Onlinepreise in Vorarlberg

Das Vergleichen der Fahrschulpreise ist jedenfalls mit Aufwand verbunden: Zum einen variieren die Leistungen je nach Fahrschule, so sind bei manchen Preisen Lernmaterialien für zuhause inkludiert, bei anderen nicht. Zum anderen sind Angebote auf den Webseiten der Vorarlberger Fahrschulen online nicht angegeben.

Konsumentenschützer Rusching wirft den Vorarlberger Fahrschulen diesbezüglich mangelnde Transparenz vor. Die Fahrschulen sind zwar gesetzlich verpflichtet, Preisaushänge im Vorraum der Fahrschule anzubringen. „In Zeiten des Internets wäre es aber sinnvoll, dass die Kosten auch online auf den Webseiten ausgewiesen werden“, insistiert Konsumentenschützer Rusching.

„Haben die Schulen etwas zu verbergen?“

Zahlreiche innerösterreichische Fahrschulen praktizieren eine genau definierte Kostenausweisung im Internet, wie die VN-Recherche ergab (zum Beispiel in Innsbruck, in Wien oder in Niederösterreich). „Haben die Vorarlberger Fahrschulen etwas zu verbergen?“, fragt sich Rusching.

Drexel hingegen argumentiert, dass man die potenziellen Kunden nicht verwirren möchte: „Es gibt fünf Ausbildungsmodelle alleine für die Klasse B.“ Die Kosten seien somit im Internet nicht seriös darstellbar: „Dafür ist ein Beratungsgespräch vor Ort sinnvoll.“

Das Ergebnis der Angebotseinholung (Stand August 2019).

Zusätzliche Kosten:

» Erste-Hilfe-Kurs (ca. 50 Euro)

» Arztgutachten (ca. 35 Euro) und EU-Passfoto

» Fahrsicherheitstraining (ca. 230 Euro) und zwei Perfektionsfahrten innerhalb der Mehrphasenausbildung (in Vorarlberg jeweils zwischen 102 und 140 Euro)

» Behördengebühren für die Ausstellung der Lenkberechtigung (ca. 130 Euro).

» Zu Buche schlagen können außerdem etwaige zusätzliche Fahrstunden  

» Das Gesamtpaket inklusive aller Nebenkosten fällt dann oft deutlich höher als erwartet aus. Bei einem Durchschnittspreis der Grundausbildung in Vorarlberg von rund 1693 Euro belaufen sich die Gesamtkosten ohne zusätzliche Fahrstunden und sogenannte L-Tafel auf rund 2380 Euro.