Vorarlberg bangt um Medizinernachwuchs

Vorarlberg / 02.09.2019 • 05:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Aufnahmetest zum Medizinstudium wird an den heimischen medizinischen Universitäten jedes Jahr zu einem Massenereignis. Nur ein Bruchteil der Bewerber erhält einen Studienplatz. APA

Bei den Aufnahmetests für die medizinischen Universitäten kündigt sich ein Debakel für Ländle-Kandidaten an.

Schwarzach Das Gymnasium Rebberggasse in Feldkirch gehört zu den besten Schulen im Land. Jahr für Jahr beweisen das die Maturanten mit hervorragenden Ergebnissen. Auch heuer war das nicht anders. In der 8a etwa bestanden alle 26 Schüler die Matura, 16 davon mit Auszeichnung, sechs mit gutem Erfolg.

Alle Türen stehen für diese Jugendlichen in der akademischen Welt weit offen. Sollte man meinen. Für ein Medizinstudium im eigenen Land tun sie das nicht. Acht der erfolgreichen Maturanten traten heuer beim Aufnahmetest für ein Medizinstudium in Österreich an, alle acht schafften die Aufnahmeprüfung nicht. In der Parallelklasse, der 8b, probierten es fünf. Auch von diesen schaffte keiner/keine den Eignungstest.

360 von 3000

Alexander Klapper, einer der gescheiterten Testkandidaten mit einem ausgezeichneten Maturazeugnis, ist zerknirscht. „Nach dem Vorbereitungskurs in Schloss Hofen war ich eigentlich optimistisch, aber der Test selbst war inhaltlich schon eigenartig. Da wurden Dinge verlangt, die ich nicht im Entferntesten mit dem Arztberuf in Verbindung bringen kann“, beschreibt der Rankweiler seine Eindrücke. Klapper war einer von knapp 3000 Kandidaten, die in Innsbruck angetreten sind, nur 360 wurden letztlich aufgenommen. 75 Prozent der Studienplätze sind für Österreicher reserviert. Klapper wird jetzt den Zivildienst absolvieren, und es nächstes Jahr noch einmal probieren.

„Da wurden Dinge verlangt, die man nicht mit dem Arztberuf in Verbindung bringen kann.

Alexander Klapper, Bewerber Medizinstudium

Die Enttäuschung

Auch Viktor Grotti hat die Matura heuer mit ausgezeichnetem Erfolg absolviert. Auch er ist zuversichtlich zum Medizinaufnahmetest nach Wien gereist. Auch er erlebte letztlich jedoch eine Enttäuschung. Und stellt Fragen. „Ich weiß nicht, was der kognitive Teil dieser Aufnahmeprüfung mit Medizin zu tun haben soll. Das war völlig sinnbefreit“, kritisiert Grotti. Ebenso unverständlich ist für ihn der emotional-soziale Teil des Tests. „Da waren Situationen zu beurteilen, die nicht einfach durch eine richtige und falsche Antwort in einem Multiple-Choice-Verfahren zu definieren sind“, schüttelt der Feldkircher den Kopf.

Vorbereitungskurse

Ein Gesamtergebnis aller Ländle-Teilnehmer an den medizinischen Universitäten Österreich liegt noch nicht vor, aber das sich andeutende Desaster für die Vorarlberger Testkandidaten bereitet auch Gesundheitslandesrat Christian Bernhard (55) Kopfzerbrechen. „Ich stehe diesem Test skeptisch gegenüber, vor allem im Hinblick auf die Überprüfung der Emotional- bzw. Sozialkompetenz. Ich denke, dass wir durch diese Reglementierung für die Zukunft viele gute Mediziner verlieren.“

Wir verlieren durch diese Reglementierung viele gute Mediziner.“

Christian Bernhard, Gesundheitslandesrat

Seit elf Jahren gibt es den Medizinaufnahmetest für Studienplatzbewerber. Seit mehreren Jahren bietet das Land für Vorarlberger Kandidaten Lehrgänge und Intensivkurse zur Vorbereitung auf den Test an. Heuer gab es 27 Lehrgangsbesucher und 50 Teilnehmer am Intensivkurs. Insgesamt 118 Personen absolvierten einen Probetest. Sie absolvieren in der Regel dann auch die Aufnahmeprüfung an den Unis.

Stichwort Eignungstest: Durchschnittlich besteht diesen nur jeder fünfte Vorarlberger Teilnehmer. Für das Studienjahr 2018/2019 gelang es 35 Kandidaten. Dass diese Zahl auch heuer erreicht wird, ist stark zu bezweifeln.