Die Highlights der 50. Russ-Preisverleihung zum Nachsehen

Vorarlberg / 03.09.2019 • 15:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mutter und Initiatorin Herlinde Marosch, Preisträgerin Susanne Marosch und Partner Andreas Wassner. Fotos: VN/Steurer, Paulitsch
Mutter und Initiatorin Herlinde Marosch, Preisträgerin Susanne Marosch und Partner Andreas Wassner. Fotos: VN/Steurer, Paulitsch

Für ihr Engagement um die Leukämiehilfe „Geben für Leben“ wurde Susanne Marosch mit dem Dr.-Toni-und-Rosa-Russ-Preis und -Ring ausgezeichnet.

Drei Montafonerinnen legten den Grundstein

Vor acht Jahren übernahm Susanne Marosch den Verein „Geben für Leben“ von ihrer Mutter Herlinde. Diese hatte ihn gemeinsam mit Dagmar Ganahl und Melitta Mair 1999 gegründet. Auslöser dafür war ein tragischer Krankheitsfall in der Familie: Die Cousine von Susanne Marosch war 1996 an Leukämie erkrankt. „Weil sich die drei Montafoner Frauen nicht mit der Erkrankung abfinden wollten, haben sie den Grundstein gelegt“, sagt Herausgeber Eugen A. Russ am Montagabend.

Die Nichte wurde behandelt und galt ein Jahr später als gesund. Die Krankheit kehrte zwei Jahre später zurück, sie brauchte Knochenmark von einem passenden Spender. Familie und Bekannte ließen sich typisieren, aber es fand sich kein Spender. Die Schrunser Frauen gaben nicht auf und organisierten erstmals Typisierungs-Aktionen in Vorarlberg. In Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des Stammzellregisters in Wien entstand eine fixe Einrichtung. Durch die globale Vernetzung der Datenbanken konnte schließlich eine passende Spenderin gefunden werden. Susanne Marosch baute den Verein zur österreichweiten Leukämiehilfe aus. Heute sind acht Mitarbeiter beschäftigt, die über die Spenderdatei finanziert werden. 70.000 Typisierungen wurden bislang durchgeführt.

 Die drei Gründerinnen: Melitta Mair, Herlinde Marosch und Dagmar Ganahl.
Die drei Gründerinnen: Melitta Mair, Herlinde Marosch und Dagmar Ganahl.

Laudatio von Doris Knecht: „Danke, Margret aus Wales!“

Es war die Leukämie-Erkrankung von Susanne Maroschs Cousine, die 1999 zur Gründung des Vereins „Geben für Leben“ führte. Doris Prieschnig heißt die Cousine, die bei der Tageszeitung Standard arbeitete und dort die Rankweiler Schriftstellerin und Kolumnistin Doris Knecht kennenlernte. Knecht selbst hat von Marosch erfahren, wer die Cousine war, wer die Einzelne war, die gerettet wurde, und so ein Gesicht bekommen hat. Doris Priesching traf ihre Stammzellen-Spenderin und schrieb 2009 darüber eine Geschichte, deren Titel „Danke, Margret“ lautete. „Und ich sage auch: Danke, Margret aus Wales. Denn ohne Margret gäbe es Doris Priesching vielleicht nicht mehr,“ betont Doris Knecht deshalb bei ihrer Laudation auf Susanne Marosch.

Margret sei eine von 72.159 Menschen, die durch ihre Spende für „Geben für Leben“ beweisen hätten, dass Einzelnen das Schicksal anderer Unbekannter, Fremder, nicht egal sei, ist die Schriftstellerin überzeugt. „Der Mensch hat es im Organismus, dass er an sein eigenes Überleben denkt.“ Schließlich könne man nicht den ganzen Tag Mitleid mit Fremden haben. „Man kann sagen: Was interessiert mich das? Dasselbe hätten die insgesamt 132 Spender von „Geben für Leben“ auch machen können“, gibt die Festrednerin zu bedenken.

Doris Knecht dankt nicht nur Margret, sondern auch Susanne Marosch und all jenen, die bei „Geben für Leben“ mitarbeiten. „Danke, dass du das Schicksal dieser Einzelnen als deine Lebensaufgabe empfindest, in die du dich mit Freude, Eloquenz, Begeisterung und einem unglaublichen Qualitätsbewusstsein verbeißt!“ Knecht richtet einen Appell an die Gäste: „Der Verein bekommt keine Unterstützung öffentlicher Stellen und finanziert sich über Spenden. Ich bin der Meinung, dass sich das ändern sollte. Soweit ich das sehe, sitzen hier Leute, die das ändern könnten.“ Die Angesprochenen applaudieren laut. Knecht fügt an: „Also, tuand epas!“

 Die musikalische Umrahmung stand ganz im Zeichen von Jazz und Blues.
Die musikalische Umrahmung stand ganz im Zeichen von Jazz und Blues.