Thomas Matt

Kommentar

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Noch viermal schlafen

Vorarlberg / 04.09.2019 • 10:59 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

„Noch viermal schlafen.“ Elterlicher Humor kann perfide sein. Klingt doch so lieb nach Weihnachten und Bratäpfeln…harmlos tröpfeln die Worte ins Gehirn, schleichen durch verwaiste Windungen, und nehmen erst schemenhaft ihre schreckliche Gestalt an. Gemeint ist „ausschlafen“. Und in vier Tagen kommt nicht das Christkind, sondern der Klassenvorstand.

Jeder Körper ist träge. Ein Kerl namens Newton kam drauf. Der Körper bleibt unbewegt, bis eine Kraft auf ihn wirkt. Schüler wissen das auch ohne den berühmten Briten. Die Kraft heißt Wecker. Viel mehr wissen sie nicht. Wie war das nochmal mit der Schwerkraft? Wann wurde der Westfälische Friede geschlossen? Herrgott, war alles mal da. Aber neun Wochen Ferien haben die Festplatte gelöscht. Zumindest werden sich viele Schüler so fühlen, wenn sie am Montag wieder die Klassen bevölkern.

Aber so wie das Leben sich nicht von der Arbeit trennen lässt, hatten bestimmt auch die Sommerferien nützliche Erfahrungen im Gepäck. Vielleicht die Einsicht, wie nützlich Fremdsprachen im Ausland sind? Oder dass sich beim Einkaufen in Ländern außerhalb der Eurozone Kopfrechnen bezahlt macht? Selbst die Erfahrung, dass es ohne Unterricht und Mitschüler auf Dauer langweilig wird, ist theoretisch denkbar.

Thomas Matt
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