Lerncafé: Rosa Maria Deutscher will ihre Freizeit sinnvoll gestalten

Vorarlberg / 05.09.2019 • 09:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Rosa Maria Deutscher wiederholt mit Tura (l.) und Berna englische Grammatik, damit sie für das neue Schuljahr gerüstet sind. kum
Rosa Maria Deutscher wiederholt mit Tura (l.) und Berna englische Grammatik, damit sie für das neue Schuljahr gerüstet sind. kum

Rosa Maria Deutscher paukt mit Schülern im Caritas-Lerncafé in Dornbirn.

Dornbirn Tura (9) und Berna (9) üben mit Rosa Maria Deutscher (65) englische Grammatik im Caritas-Lerncafé in Dornbirn. Hier wird bereits zwei Wochen vor Schulbeginn ins neue Schuljahr gestartet.

Im Jahre 2011 eröffnete die Caritas in Vorarlberg das erste Lerncafé. Inzwischen gibt es neun im Ländle. Dort geben ehrenamtliche HelferInnen während des Schuljahres ein- bis zweimal in der Woche Schülern im Alter zwischen 8 und 14 Jahren Nachhilfe und machen mit ihnen Hausaufgaben. Die Lerncafés stehen ausschließlich Kindern und Jugendlichen offen, die aus sozial benachteiligten Familien stammen. Für die Familien ist das Angebot kostenlos. Finanziert werden die Einrichtungen über Spenden.

Großer Andrang auf Lerncafés

Der Bedarf nach kostenloser Nachhilfe und Lernunterstützung ist groß. „Allein in Dornbirn warten 30 Schüler auf einen Platz. Wir haben derzeit eine Wartezeit von einem Jahr“, berichtet Bea Bröll, die für alle Lerncafés der Caritas zuständig ist. Von den 250 Schülern, die bisher im Land begleitet wurden, schafften die meisten den Aufstieg in die nächste Klasse. „Wir haben eine Erfolgsquote von 95 Prozent“, freut sich Bröll. Das dürfte vor allem auch am Engagement der 72 freiwilligen HelferInnen liegen, jenen also, die mit den Schülern regelmäßig pauken.

„Bei Kindern geht mir das Herz auf.“

Rosa Maria Deutscher, freiwillige Helferin

Eine davon ist Rosa Maria Deutscher. Die gelernte Zahnärztin verließ vor 15 Jahren ihre Heimatstadt Bonn und zog wegen eines Jobs nach Vorarlberg. Die Deutsche blieb im Land, auch nach ihrer Pensionierung vor sechs Jahren. Denn: „Die Natur in Vorarlberg ist paradiesisch schön.“ Kaum drei Monate in Rente, langweilte sie sich aber. Deshalb suchte sie nach einer ehrenamtlichen Tätigkeit. „Ich wollte in meiner Freizeit etwas Sinnvolles tun.“ Es ist kein Zufall, dass sie sich heute für ganz junge Menschen engagiert. „Ich finde Kinder herrlich und süß. Sie sind so unschuldig und ehrlich. Bei ihnen geht mir das Herz auf.“

Seit sechs Jahren lernt Deutscher nun schon mit den Schülern. Ans Aufhören denkt sie nicht. „Solange ich gesund bin, mache ich es. Denn der Kontakt mit den Kindern macht mir Freude. Außerdem lerne ich selber noch etwas dabei.“

„Ich möchte etwas zurückgeben“

Deutscher engagiert sich seit 2015 auch für Flüchtlinge. „Ich gebe einmal in der Woche Deutschunterricht.“ Weil sie sehr gläubig ist, setzt sie sich auch für die Kirche ein und bereitet unter anderem Gottesdienste vor. „Ich brauche meinen Glauben wie die Luft zum Atmen. Er gibt mir viel Kraft und Hoffnung.“ Ihr soziales Engagement begründet sie so: „Ich habe viel Gutes erfahren in meinem Leben. Deshalb möchte ich etwas zurückgeben.“

Käme sie nach ihrem Tod noch einmal auf die Welt, würde sie nicht mehr Zahnärztin werden, sondern Sozialpädagogin. „Als solche hätte ich Kontakt zu Menschen und könnte viel Gutes tun.“

Die 65-Jährige freut sich riesig, wenn ihre Zöglinge das Klassenziel erreichen. Dann war ihre Arbeit nicht umsonst. Dann kann sie darauf hoffen, dass ihre Schützlinge später einmal eine Lehre beginnen oder sogar eine weiterführende Schule besuchen und damit mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt und im Leben haben.

Rosa Maria Deutscher

Geboren 13. November 1953 in Bonn

Ausbildung Zahnärztin

Familie ledig

Hobbies Natur, klassische Musik