Im Herzen immer ein Älpler

Vorarlberg / 06.09.2019 • 19:02 Uhr / 8 Minuten Lesezeit

Wolfgang Salzgeber verbrachte 20 Sommer als Hirte auf der Alpe. Einmal überlebte er nur knapp einen Blitzschlag.

St. Gallenkirch Im Herzen ist er immer noch Älpler. Obwohl er längst wieder im Tal lebt und dem Alpleben bereits im Jahre 1998 aus familiären Gründen den Rücken kehrte. Wolfgang Salzgeber (59) ist der Sohn eines Mannes, der 40 Jahre auf die Alpe ging. „Als ich acht war, durfte ich zum ersten Mal den ganzen Sommer beim Däta auf der Alpe bleiben“, erinnert er sich.

Die geheimen Zeichen der Natur

Von seinem Däta lernte Wolfgang nicht nur das Hüten, Melken und Brösel (Anm.: Riebel) machen, sondern auch die geheimen Zeichen der Natur zu lesen. „Mir sagt die Natur, wie das Wetter wird.“ Als der Montafoner noch als Alphirte arbeitete, orientierte er sich immer an der Sonne, am Mond und am Vieh. „Wenn die Sonne am Morgen blass ist, kommt ein Gewitter. Wenn der Mond einen ,Hof‘ hat, also eine Korona, ist das Wetter in spätestens drei Tagen schlecht“, gibt er eine Kostprobe seines Wissens. Auch das Verhalten des Viehs war dem Alphirten immer ein Wegweiser. „Wenn die Rinder husten, kommt Schnee. Wenn sie ruhig sind und das Wetter genießen, dann schlägt das Wetter um.“ Sohn Markus, ein Landwirt, vertraut seinem Vater voll. „Ich frage meinen Däta oft, wie das Wetter wird. Er täuscht sich nie.“

Wolfgang kam auf der Alpe nicht nur ohne Wetterbericht, sondern auch ohne Uhr aus. „Ich orientierte mich an der Sonne und wusste immer, wie spät es ungefähr ist. Wenn ich falsch lag, dann höchstens um eine halbe Stunde.“ Auf der Alpe lernte er auch aus primitivsten Mitteln etwas zu machen. „Aus Erlenzweigen machte ich Besen, aus Tannenzweigen Reinigungsbürsten für die Pfannen.“

Überhaupt war das Alpleben zu seiner Zeit noch sehr einfach. Auf der Alpe Vergalden, wo er zwölf Sommer lang als Hirte arbeitete, gab es weder eine Toilette noch eine Dusche. „Einmal in der Woche wanderten meine zwei Kleinhirten und ich auf die tiefer gelegene Alpe, um dort zu duschen und uns frisch anzuziehen.“ Auch Strom gab es keinen auf der Hütte. „Wir hatten eine Gaslampe. Aber wir brauchten sie nicht, da wir ins Bett gingen, wenn es dunkel wurde.“

Die Arbeit des Hirten war zu Wolfgangs Zeiten herausfordernder als heute. Denn: „Damals war das Vieh noch nicht eingezäunt.“ Wolfgang und seine zwei Kleinhirten mussten auf 200 Stück Vieh aufpassen und mit ihm von Weide zu Weide ziehen. „Wir waren den ganzen Tag bei den Tieren, auch bei Regen und Kälte“, zeigt er die harte Seite des Alplebens auf. Bei Gewitter, Schneefall und Hagel mussten die Hirten besonders achtsam sein. „Dann bestand die Gefahr, dass die Tiere abstürzen.“ Wolfgang verlor in all den 20 Jahren, in denen er Hirte war, nicht mehr als fünf Rinder durch Absturz, Krankheit oder Blitzschlag.

Apropos Blitzschlag: Als Neunjähriger wäre Wolfgang beinahe von einem Blitz getötet worden. Er war mit seinem Vater und seinem Bruder in der Alphütte, als ein Blitz einschlug. „Das Letzte, an das ich mich erinnern kann ist, dass ich vor dem Herd kniete, um zu schauen, ob das Feuer noch brennt.“ Er kam erst wieder im Bett zu sich, in das ihn sein Vater gelegt hatte. Der Arzt, der ihn später untersuchte, entdeckte eine Brandwunde an seiner Leiste und rote Striemen an seinem Rücken. „Mir hatte sich der Nylon-Pullover eingebrannt. Der Doktor meinte, ich hätte großes Glück gehabt, dass ich überlebt hätte. Er meinte, dass wir alle tot sein hätten können, so wie unsere Kuh, die bei der Hütte stand und vom Blitz erschlagen wurde.“

„Natur lehrte mich Zufriedenheit“

Seither hat der Montafoner Respekt vor der Natur. „Sie hat uns im Griff. Wir werden sie nie beherrschen.“ Die Natur war für ihn der größte Lehrmeister.

„Sie lehrte mich Zufriedenheit.“ Auch von ihrer Schönheit ist er fasziniert. In den Alpsommern zeigte sie sich ihm von ihrer schönsten Seite. „Sie bot mir jeden Tag ein anderes Bild. Ich habe vieles gesehen, was andere nicht sehen, zum Beispiel wunderschöne Sonnenauf- und -untergänge.“ Wolfgang genoss auch die Ruhe auf den Bergen. Das ging so weit, dass er im Tal keine Menschenansammlungen mehr ertrug. Auch das Vieh machte dem tierlieben Mann Freude. „Es kannte mich. Wenn ich es rief, kam es.“ Manchmal sehnt er sich nach dem Leben am Berg. „Dann wandere ich nach Vergalden. Dort hat mein Sohn sein Vieh.“

Das große Foto zeigt Wolfgang Salzgeber als Hirte auf der Alpe Grasjoch. Kleines Foto: Wolfgang Salzgeber heute. kum
Das große Foto zeigt Wolfgang Salzgeber als Hirte auf der Alpe Grasjoch. Kleines Foto: Wolfgang Salzgeber heute. kum

Alpabtriebe

BREGENZERWALD

Samstag, 7. September

Mellau Die Alpen Vordersuttis, Lindach und Alpe Untergünterstall ziehen zwischen 8.30 und 11 Uhr aus dem Berggebiet ins Ortszentrum.

Damüls Die Alpe Oberdamüls trifft gegen 14 Uhr beim Uga-Parkplatz ein.

Schnepfau-Hirschau Die Alpe Weissenbach zieht durch Hirschau.

Bizau Die Alpen Althornbach, Breitenalpe und Derren treffen zwischen 11 und 13 Uhr auf dem Dorfplatz Bizau ein.

Freitag, 13. September
Schwarzenberg Zwischen 9 und 17 Uhr treffen zehn Alpen mit rund 900 Stück Vieh auf dem Dorfplatz ein.

Mellau Sechs große Alpen ziehen auf ihrem Weg nach Schwarzenberg beim großen Alptag durchs Mellauer Ortszentrum.

Samstag, 14. September

Schwarzenberger Markt Von 8 bis 18 Uhr läuft die Marktmeile im Ortszentrum. Ein Fixpunkt ist dabei die Käseprämierung im Angelika-Kauffmann-Saal.

Egg Den Vormittag über erfolgt der Durchzug der Alpen Ifer und Halden.

Alberschwende Um die Mittagszeit trifft das Vieh der Alpen Ifer und Halden auf dem Dorfplatz ein.

Lingenau Die Alpe Rubach (Sibratsgfäll) treibt ihr Vieh nach Lingenau auf die Wiese nahe der St. Anna Kapelle. Ankunft der Älpler ist gegen 11 Uhr.

Andelsbuch Die Alpe Pisi trifft gegen Mittag im Dorfzentrum Andelsbuch ein,

Schnepfau-Mellau Die Alpe Wöster zieht am Freitag bis nach Schnepfau und nächtigt dort. Am Samstag erfolgt frühmorgens der Abmarsch bis nach Mellau.

Samstag, 21. September

Schoppernau Schaufschod beim Gemeindezentrum, ab 11 Uhr Eintreffen der rund 1000 Schafe von der Alpe Schadona.

MONTAFON

Samstag, 7. September:

St. Gallenkirch Mittags trifft das Vieh bei Alpe Nova bei der Talstation der Garfreschabahn ein.

Gargellen Ab 10.30 Uhr erfolgt die Ankunft der Alpe Vergalden bei der Talstation der Bergbahnen.

Bartholomäberg Eintreffen der Alpe Latons gegen 11.30 Uhr am Kirchplatz.

Samstag, 14. September

Vandans Ankunft der Alpe Lün um zirka 13 Uhr beim Bauhof.

Tschagguns Der Tschaggunser Bauernmarkt
zum Alpabtrieb von den Alpen Tilisuna,
Spora, Vollspora, Hora und Latschätz beginnt um 9 Uhr.

Samstag, 28. September

Gaschurn Schafscheide Garnera, 8 bis 11 Uhr, Bargaplatz Trantrauas

KLOSTERTAL

Samstag, 7. September

Dalaas Dorfmarkt zum Alpabtrieb ab 11 Uhr am Vorplatz vor der Schule, am Nachmittag in Braz

GROSSWALSERTAL

Sonntag, 8. September

Sonntag-Buchboden Älplertreff und Patrozinium ab 10.30 Uhr Dorfplatz und Kirche.

BRANDNERTAL

Bürserberg Alpabtrieb Alpe Rona, 14 Uhr Ankunft beim Gemeindeamt.

WALGAU

Samstag, 21. September

Nenzing Alpabtrieb Gamp, Gamperdona, Parfienz, Gemeindeamtplatz ab 9.30 Uhr

DORNBIRN
7. September

Ebniter-Gütlestraße/Parkplatz Waldbad Enz:
14 Uhr, Alpe Ilgenwald;
15 Uhr, Alpe Jägerwald.
14. September
13 Uhr, Alpe Gschwendt.
21. September
Gunzmoos-Obermörzel, 12.30 Uhr, Unterfluh-Altenhof, 14 Uhr.
28. September
11.30 Uhr, Bocksberg; 12 Uhr,
Alpe Wöster (Hasengerach/Laubach).