VN-Podcast: „Diskreditierungen haben neue Qualität erreicht“

Vorarlberg / 06.09.2019 • 08:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Aufzeichnung des Podcasts "VN-Woche" mit Kathrin Stainer-Hämmerle und Peter Bußjäger am VN-Stand in Halle drei stieß auf reges Interesse. VN/Paulitsch
Die Aufzeichnung des Podcasts „VN-Woche“ mit Kathrin Stainer-Hämmerle und Peter Bußjäger am VN-Stand in Halle drei stieß auf reges Interesse. VN/Paulitsch

Kathrin Stainer-Hämmerle und Peter Bußjäger sprechen über das Experten-Dasein.

Dornbirn Experten, Wissenschaftler und Kommentatoren haben es nicht leicht. Analysieren und kritisieren sie eine politische Begebenheit, werden sie von den Kritisierten nicht selten in ein parteipolitisches Eck gedrängt. VN-Kommentator Peter Bußjäger wurde kürzlich in den Sozialen Medien von roter Seite ein schwarzer Anstrich verpasst, weil ihm ein ÖVP-Posting gefallen hat. Die FPÖ Kärnten wiederum bezeichnete vor einigen Tagen VN-Kommentatorin Kathrin Stainer-Hämmerle in einem offenen Brief als „politisch genau zuordenbare Politologin“. Ein Einzelfall? „Nein“, erklärt sie in der aktuellen Folge des Podcasts „VN-Woche“, der am Donnerstag am VN-Stand der Dornbirner Messe aufgezeichnet wurde. Früher seien die Vorwürfe eher aus dem rechten Lager gekommen. Der Kärntner FPÖ- und spätere BZÖ-Frontmann Uwe Scheuch habe sie zum Beispiel in einer Radiosendung als „sogenannte Expertin“ und „Schreibtischtäterin“ bezeichnet.

Mittlerweile würden es die anderen Parteien auch machen, erklärt Politikwissenschaftlerin Stainer-Hämmerle. „Die Diskreditierungen haben eine neue Qualität erreicht“, fährt sie fort. Ihr seien Fälle bekannt, wonach Wissenschaftler für Aussagen von Parteien verklagt worden wären.

Umkreist von den Wahlkampfständen der Parteien in der Messehalle drei analysieren die Experten an diesem Tag aber hauptsächlich die Auswirkungen der Wahltermine. Am 29. September wird der Nationalrat gewählt, zwei Wochen später findet die Landtagswahl statt. „Landtagswahlen stehen immer im Schatten der Nationalratswahlen, was aus föderaler Sicht schade ist“, stellt Verfassungs- und Verwaltungsjurist Bußjäger fest. Heuer sei es für die Parteien besonders knifflig. „Ein Landeshauptmann muss die Interessen des Landes vertreten, auch wenn sie dem Bundesparteiobmann widersprechen. Das ist in einem Nationalratswahlkampf natürlich schwierig.“ Für Stainer-Hämmerle steht fest: „Inhaltlich liegen Wallner und Kurz oft auseinander.“ Im Nationalratswahlkampf könne er das aber nicht äußern. Sie relativiert: „70 Prozent aller Wähler kommen aus Niederösterreich, Wien, Steiermark und Oberösterreich. Vorarlberg spielt für das Ergebnis leider keine Rolle.“

Ein Zuschauer möchte von ihr wissen, ob die FPÖ ihrer Meinung nach für eine Koalition auf Kickl verzichten würde. Stainer-Hämmerle ist überzeugt, dass man für ihn sicher einen anderen maßgeblichen Platz finden würde. Ein anderer Besucher interessiert sich für die Ideologien der Parteien, die immer stärker verschwimmen würden. Die Experten geben ihm recht.

Der Podcast wird am Wochenende auf VN.at und den gängigen Plattformen abrufbar sein. Heute, Freitag, um 10.30 Uhr findet das nächste Gespräch am VN-Stand  statt. Neos-Gründer und Autor Matthias Strolz ist zu Gast. VN-JUL, MIP