Für Schulsozialarbeiterin Desiree Schoder-Mark herrscht immer Hochbetrieb

Vorarlberg / 07.09.2019 • 10:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Schulsozialarbeiterin Desiree Schoder-Mark in ihrem Büro am Poly in Bludenz. Sie kann sich nicht über einen Mangel an Kundschaft beklagen. VN/Hämmerle
Schulsozialarbeiterin Desiree Schoder-Mark in ihrem Büro am Poly in Bludenz. Sie kann sich nicht über einen Mangel an Kundschaft beklagen. VN/Hämmerle

Jugendliche, Eltern und Lehrer beanspruchen die Dienste der Expertin in großem Umfang.

Bludenz Über die Streichung von Stellen in der Schulsozialarbeit durch den Bund kann Desiree Schoder-Mark (38) nur schmunzeln. “Also, wenn Sie mich fragen, dann kann ich nur sagen: Mir geht die Arbeit nicht aus. Im Gegenteil, sie wird immer mehr.”

Schoder-Mark hat ihr Büro an der Polytechnischen Schule in Bludenz. Zwei Vormittage zu je fünf Stunden ist sie dort und wartet auf Kundschaft. Was heißt warten: Die Klienten stürmen förmlich ihren etwas versteckten Raum. Sie alle suchen Hilfe bei verschiedensten Problemen. Es sind vorrangig Schüler, aber auch Lehrer und Eltern.

Immer mehr Wunden

Der studierten Psychologin erschließt sich in ihrer Tätigkeit das pralle Leben einer Gesellschaft, der im Spannungsfeld von Reizüberflutung und Leistungsdruck immer mehr Wunden gerissen werden. “Ich werde mit vielen Problemen konfrontiert. Sie reichen über psychische Gebrechen, über Panikzustände, Zukunftsängste, Beziehungsprobleme, Missbrauch, Folgen von Todesfällen bis hin zu Gewalt”, beschreibt die Montafonerin ihre Herausforderungen.

Wichtig für sie ist: “Alle, die mich brauchen, sollen mich spontan und problemlos aufsuchen können.” Das machen viele. Für Anregungen, Hinweise und Vorschläge an die Schulsozialarbeiterin steht auch ein Postkasten zur Verfügung. In diesen werfen die Ratsuchenden auf Papier ihre Sorgen. Schoder-Mark nimmt sich der Hilferufe an, sobald sie wieder im Büro ist.

“Alle, die mich brauchen, sollen mich problemlos aufsuchen können.”

Desiree Schoder-Mark, Schulsozialarbeiterin

Mediatorin

Der Postkasten ist vor allem für jene wichtig, die sich nicht trauen, im Schulgebäude für andere sichtbar zur Expertin zu marschieren. “Ich fahre auch zu den Schülern nach Hause, um Situationen zu erörtern und zu helfen. Das hat den Vorteil, dass ich auch mit den Eltern ins Gespräch komme.” Darüber hinaus versteht sich Schoder-Mark als verbindendes Glied zu Experten und Institutionen. Nicht selten tritt sie als Mediatorin in Erscheinung, wenn gravierende Probleme von Eltern, Schülern, Lehrern und womöglich anderen Einrichtungen diskutiert und analysiert werden müssen.

Erfolgserlebnisse

Dass sich die Zeiten ändern, registriert kaum jemand so genau wie Desiree Mark-Schoder. Als einen der Hauptgründe nennt die Psychologin die Tatsache, dass Eltern für ihre Kinder nicht mehr genug Zeit haben. Nicht umsonst erhöht sich die Zahl jener Schüler, die bei ihr Hilfe suchen, stetig. “Ein Viertel aller Schüler hier am Poly kommt im Verlauf des Jahres mindestens einmal zu mir.” Dass sich das Büro der Mutter zweier Töchter ausgerechnet am Poly Bludenz befindet, hat seinen Grund. “Die Schule hat vor sechs Jahren beim Land Bedarf für diese Einrichtung angemeldet. Das Ansuchen wurde genehmigt, seit diesem Zeitpunkt bin ich hier.” Vorher war Schoder-Mark als Sozialbetreuerin in einer Jungend-WG tätig.

Erfolgserlebnisse gibt es für sie trotz aller Problemfälle, mit denen sie konfrontiert ist, auch. “Unlängst hatte ich mit einem Mädchen zu tun, das sehr chaotisch war und dramatische Lernprobleme hatte. Die Jugendliche war verzweifelt, die Eltern ebenso. Ich ließ sie psychiatrisch abklären, und siehe da: Man entdeckte bei ihr eine psychische Krankheit. Wir konnten darauf reagieren, und seitdem geht es dem Mädchen besser. Das hat mich sehr gefreut.”

Zur Person:

Mag. Desiree Schoder-Mark

Desiree Schoder-Mark ist studierte Psychologin. Seit sechs Jahren arbeitet sie in der Schulsozialarbeit. Zuvor war sie als Betreuerin in einer Jugend-Wohngemeinschaft tätig. Desiree Schoder-Mark ist 38 Jahre alt. Sie lebt in St. Anton im Montafon. Sie ist verheiratet und Mutter zweier Töchter.

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