Bodensee gerät in Atemnot

Vorarlberg / 10.09.2019 • 18:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hochwasser werden vermehrt auftreten, der Bodensee verliert Sauerstoff.  

Hochwasser werden vermehrt auftreten, der Bodensee verliert Sauerstoff.  

Längere Hitzeperioden, mehr Starkregen: Klimawandel hat Auswirkungen auf Gewässer.

Bregenz Der Klimawandel und die damit verbundenen Temperaturerhöhungen machen auch vor Vorarlbergs Bächen, Flüssen und Seen nicht Halt. Erhöhte Wassertemperaturen und veränderte Abflussverhältnisse in Fließgewässern sind erste direkte Auswirkungen. Dass Wildbäche wie die Frödisch oder Frutz immer wieder trockenliegen, ist allerdings keine unmittelbare Folge des Klimawandels, relativiert Thomas Blank, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft im Land: „Das ist absolut normal und in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder vorgekommen, weil gerade Wildbäche oft wenig Wasser führen und bei hohen Temperaturen austrocknen.“ Das sehr warme Jahr 2018 sei ein Ausreißer gewesen, sagt Blank. Damals hatten die extremen Wetterverhältnisse ebenfalls das Austrocknen einiger Flüsse und Bäche zur Folge.

Steigende Wassertemperaturen

Tatsächlich lässt sich aber ein Anstieg der Wassertemperaturen in Vorarlbergs Flüssen feststellen: Seit den 1980er-Jahren sind diese um ca. 1,5 Grad im Sommer und 0,7 Grad im Winter gestiegen, auch im Grundwasser konnte eine erhöhte Temperatur gemessen werden, wie aus der Klimawandel-Anpassungsstrategie Vorarlberg hervorgeht. Zudem ergibt sich durch die höhere Lufttemperatur eine höhere Verdunstungsrate.

Zwar verändert sich die Niederschlagssumme pro Jahr kaum. Aber: Die Art und Weise verändert sich. Die Niederschlagsverteilung verschiebt sich immer mehr vom Sommer auf den Winter. „Im Sommer sind längere Hitze- und Trockenperioden zu erwarten. Wenn es allerdings regnet, dann stärker und intensiver, so wie wir es auch im vergangenen Sommer erleben konnten.“

Das heißt: Vorarlberger müssen sich auf eine Zunahme von lokalen Starkniederschlägen gefasst machen. Dadurch könnten Kanalisationsnetze und Regenrückhaltebecken überlastet werden. Innerstädtische Hochwasser, verursacht durch Rückstau aus Kanalisationen, Grundwasseranstieg oder erhöhter Oberflächenabfluss würden dann häufiger auftreten. Und auch die Winter werden wärmer: „Dadurch verschiebt sich die Schneefallgrenze in die Höhe, es gibt also weniger Niederschlag in Form von Schnee, stattdessen wird es mehr regnen“, erklärt Blank. Dadurch ist eine Zunahme des Wasserbedarfs für die Beschneiung zu erwarten, während die Niedgrigwassersituation ins Positive geht. Gleichzeitig schrumpfen die Gletscher immer weiter.

Besonders die wärmeren Winter als direkte Folge des Klimawandels machen dem Bodensee, Trinkwasserquelle für vier Millionen Menschen und größter Trinkwasserspeicher Europas, zu schaffen. Die Temperatur des Sees ist in den letzten 50 Jahren um ein Grad gestiegen. „Der Bodensee lebt davon, dass er im Winter auf vier Grad Celsius abkühlt, damit er umwälzen kann. Die Oberflächenwasserschichten gelangen in die Tiefe, somit kann Sauerstoff nach unten gelangen. Das ist wichtig für Ökosystem und Umwelt“, erklärt Blank. Wenn die Winter wärmer werden, gelangt kein Sauerstoff in die Tiefen. „Jahrelang hatten wir zudem das Problem, dass der See überdüngt war und zu viele Nährstoffe im See waren. Der Sauerstoff ist in der Tiefe eingebrochen und dadurch verfaulte der Fischlaich.“ Mittlerweile sei man beim Gewässerschutz allerdings auf hohem Niveau.

Trinkwasser gesichert

Was die Sicherung der Wasserversorgung betrifft, beruhigt der Experte: „Diese ist unter den Bedingungen des Klimawandels gesichert.“ Selbst in Zeiten extremer Hitzewellen, wie etwa 2003, gab es kaum Engpässe. Durch das Trinkwasservorsorgekonzept des Landes wurden von Wasserdefizit gefährdete Gemeinden durch Verbundsysteme oder durch die Erschließung eines zweiten Vorkommens gegen Trockenperioden abgesichert.