Lukas Romen (17) reiste bis ans östliche Ende der Welt

Vorarlberg / 10.09.2019 • 11:03 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Im russischen Magadan endeten die Straßen. Fotos: Privat

Der 17-jährige Bregenzer Lukas Romen reiste so weit nach Osten wie möglich – und zwar ohne Flugzeug.

Bregenz Noch bevor die junge schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg ihre Reise nach New York angetreten ist, hat Lukas Romen ein ähnliches Abenteuer in Angriff genommen. Für den 17-jährigen Bregenzer ging es allerdings in die andere Himmelsrichtung, nämlich nach Osten. Und zwar ohne Segelboot, dafür mit Bus und Bahn. Lukas Romen reiste von seiner Heimatstadt Bregenz so weit in Richtung Osten wie möglich – und dies nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln. „Ich wollte etwas machen, das außergewöhnlich ist und sonst noch nicht oft gemacht wurde“, erklärt der Schüler, der von seinem Onkel auf der Reise begleitet wurde, seine Motive hinter dem speziellen Vorhaben.

Über Hamburg ging es weiter nach Kopenhagen bis nach Stockholm. Von dort nahm das Duo die Fähre nach Helsinki, ehe es nach Moskau ging. „Von da an wurde es abenteuerlich“, erinnert sich Romen. „Wir waren fünf Tage mit einem Bauernzug in Richtung Osten unterwegs. Es gab dort nicht einmal eine Dusche.“ Dass die Bregenzer mit Verkehrsmitteln unterwegs waren, die von Touristen sonst eher gemieden werden, bekamen sie am eigenen Leib zu spüren: „Da kamen zum Beispiel Einheimische extra aus anderen Waggons zu uns, weil sie wissen wollten, wie Österreicher denn ausschauen“, erzählt Romen mit einem Schmunzeln. „Der Schaffner sagte uns, dass noch nie Österreicher mit diesem Zug gereist seien.“ Nach einem Halt in Jakutsk, auch bekannt als kälteste Stadt der Welt, folgte ein Abstecher in die russische Polarhafenstadt Tiksi. Hier, weit im Norden, ans Ufer des Eismeeres, wagen sich nicht viele Reisende: „Viele Menschen, die wir im Zug getroffen haben, fragten uns, was wir dort denn zu suchen hätten. Uns wurde gesagt, dass die Stadt vier Mal im Jahr mit einem Schiff mit etwa 250 Leuten angefahren wird.“

Die ersten Österreicher

Kein Wunder, wird doch ein Spezialvisum benötigt, um in die eisige sibirische Stadt zu kommen: „Tiksi ist eine Militärstadt, wo heute neue Militärtechniken getestet werden“, weiß der junge Vorarlberger, der seit einem Jahr Russisch lernt. „Dorthin kommt man nur mit einem speziellen Fahrer. In unserem Fall war es ein Pensionist namens Valeri. Er hat gemeint, wir seien die ersten Österreicher überhaupt, die nach Tiksi gekommen sind.“

Belohnt wurden die beiden mit einem atemberaubenden Panorama. „Die Gegend ist komplett unberührt vom Tourismus.“ Ein Gefühl, das bei Romen einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

Knochenstraße

Über die sogenannte Knochenstraße sind Lukas Romen und sein Onkel Peter per Auto weitergereist. „Den Namen hat die Straße damals bekommen, weil sie unter Stalin von Gulag-Häftlingen erbaut wurde. Viele davon wurden dabei getötet“, erklärt der 17-Jährige und spricht dabei dunkle Kapitel der Vergangenheit an.

Rund 7600 Kilometer Luftlinie von seiner Heimatstadt Bregenz und acht Zeitzonen von Moskau entfernt, erreichten sie die russische Hafenstadt Magadan. Alle Straßen endeten hier: „Es hat sich tatsächlich wie das Ende der Welt angefühlt.“

Auf der Fahrt lauerten so manche Gefahren, erinnert er sich. „Auf der Straße waren alle paar hundert Meter Kreuze. Einmal sind wir zufällig an einem tödlichen Autounfall vorbeigekommen.“ Erlebt haben sie aber auch viel Gastfreundschaft: „Wir haben so viele Menschen kennengelernt, das hätte ich mir nie gedacht“, sagt Romen. „Einmal hatten wir keine Unterkunft und durften spontan bei einer Familie übernachten.“

Zurück in seine Heimat Vorarlberg kam der 17-Jährige mit jeder Menge bleibender Eindrücke. Insgesamt dauerte der Trip bis ans östliche Ende der Welt 40 Tage. „Es muss nicht mit dem Flugzeug sein, wenn man Fernreisen machen will“, resümiert Romen.