Sie trotzt den Herausforderungen des Lebens

Vorarlberg / 10.09.2019 • 08:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ingrid Gassner mit der personifizierten Lebensfreude auf dem Arm.BI

Die Bludenzerin Ingrid Gassner ist eine echte Kämpfernatur und überwand mit Hilfe ihres Hundes die dunkelste Zeit in ihrem Leben.

Bludenz Sie kam wohl schon mit einer Portion Kampfgeist auf die Welt. Ein Kampfgeist, der sich dann auch in ihrer Berufswahl spiegelte. Für Ingrid Gassner war ihr Vater ein großes Vorbild, ein renommierter Bludenzer Rechtsanwalt. Das Studium der Rechtswissenschaften schloss sie in kürzester Zeit ab. Ab 1984 war sie dann selber als Anwältin tätig und übernahm die sehr erfolgreiche Kanzlei ihres Vaters.

Privat gilt eine ihrer vielen Vorlieben seit jeher der Literatur. So gründete die belesene Rechtsexpertin kurzerhand einen Literaturzirkel, bei dem sich rund 15 Teilnehmer über Jahre regelmäßig beteiligten. „Es ging uns dabei um Austausch und ein aktives Lesen miteinander. Wir haben auch einmal ‚Die Ermittlung‘ von Peter Weiss mit verteilten Rollen direkt im Verhandlungssaal gelesen“, erinnert sie sich. Das geschriebene Wort bildete immer schon ihre Existenzgrundlage – ob als Anwältin oder auch als Übersetzerin von Rechtstexten in die niederländische Sprache. Ganz nebenher ist sie auch noch schriftstellerisch tätig. Nach einem Kriminalroman warten weitere literarische Projekte auf ihre Verwirklichung.

Schwere Erkrankung

Schwere Einbußen in ihrer Lebensgestaltung erfuhr sie allerdings durch eine schwere Erkrankung: eine Depression. Diese kam schleichend. „Ich wollte das anfangs nicht wahrhaben. Es ging mir immer schlechter, ich konnte und wollte mir das jedoch nicht eingestehen. Nach einem Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik kam ich zu dem Entschluss, meine Berufstätigkeit zu beenden. Das fiel mir sehr schwer“, erklärt sie. Es folgte eine längere Auszeit, in der es ihr gelang, sich neu auszurichten: „Meine Familie hat mich immer sehr unterstützt, aber im Grunde genommen kämpft man den Kampf allein.“ Es gehe darum, das eigene Leben nicht als Scheitern zu betrachten, sondern aufzustehen und einen Neuanfang zu wagen. „Man muss bereit sein, das eigene Leben völlig auf den Kopf zu stellen. Es braucht Zeit und Kraft“, betont sie. Psychische Erkrankungen dauern lang und führen zu einer Veränderung auf seelischer und geistiger Ebene, deren Behandlung sei ein mühsamer Prozess.

Aber Ingrid Gassner hat es geschafft. Ihr damaliger Hund sei ihre Therapie gewesen: „So war ich gezwungen, jeden Tag hinauszugehen. Und ein Hund ist einfach die personifizierte Lebensfreude.“ Mittlerweile ist sie auch beruflich wieder aktiv, neben den Übersetzungen gibt sie Lernhilfe für Kinder und Jugendliche. Dabei achtet sie darauf, das vorhandene Potenzial der Lernenden zu fördern. Auch ihr kreatives Spektrum erweitert sich permanent. Nachdem sie Klavier, Blockflöte, Kontrabass und Klarinette gelernt hatte, nimmt sie seit acht Jahren Saxofon-Unterricht. Neuerdings tritt die Kämpferin auch mit der neu gegründeten Jazz-Combo von Ulrich Sparr auf der Bühne auf – mit viel Talent und ansteckender Lebensfreude. BI