Alt, aber nicht zu alt zum Autofahren

Vorarlberg / 11.09.2019 • 19:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Auch wenn ältere Kfz-Lenker in ihren Reaktionen nachlassen, sie machen das durch Erfahrung wett.

DORNBIRN Georg Seethaler wird im kommenden Februar 100 Jahre alt. Trotz seines biblischen Alters fährt der bewundernswert rüstige Dornbirner noch Auto. Stolz steht er vor seinem schwarzen VW-Polo und erzählt: „Ich fahre zum Einkaufen, zum Tanzen und zum Ausgangspunkt meiner Spaziergänge an die Ach. Einmal im Monat fahre ich zudem nach Koblach.“

Mit dem Auto zum Tanzen

Richtig gelesen. Georg Seethaler ist auch mit fast 100 nicht nur ein Autofahrer, sondern auch noch ein begeisterter Tänzer. „Jetzt war Sommerpause. Aber heute geht’s im Schwanen wieder los. Ich schau mal, wie fit ich noch bin.“

Selbst wenn er das Tanzen sein lassen sollte, das Autofahren sicher nicht. „Ich fahre zwar immer noch ein bisschen flott, aber trotzdem vorsichtig und bedacht“, versichert Seethaler, der die aufflammende Diskussion über die Fahrtauglichkeit von Senioren nach dem schrecklichen Unfall von Salzburg, wo ein 90-Jähriger ein kleines Mädchen zu Tode fuhr, auch mitverfolgte. „Immer wenn so etwas einem alten Menschen passiert, wird heftig diskutiert. Dabei bauen die Jungen viel eher Unfälle“, bemerkt Seethaler.

Wiederkehrende Diskussion

„Wir haben diese Diskussion jedes halbe Jahr“, bestätigt Jürgen Wagner (59), Sprecher des ÖAMTC Vorarlberg. Doch Wagner bricht eine Lanze für die betagten Führerscheinbesitzer. „Wir sehen keinen Zusammenhang von Alter und Fahrtauglichkeit, und es gibt auch keine Häufung von Unfällen bei alten Fahrzeuglenkern. Eher sind die Jungen unfallgefährdet“, macht Wagner deutlich. Der ÖAMTC-Experte spricht sich eindeutig gegen verpflichtende Tests für ältere Führerscheinbesitzer aus. „Oft verwechselt man Alter mit Krankheit, wenn es um die Unfallursachen im Zusammenhang mit älteren Verkehrsteilnehmern geht. Diese mögen anfälliger für Krankheiten sein. Oft sind es auch Medikamente, welche die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Dann darf man sich natürlich auch nicht ans Steuer setzen.“ Den Mangel an Sensorik würden ältere Lenker durch Erfahrung und Fahrdisziplin wettmachen.

In dieselbe Kerbe schlägt auch Martin Pfanner vom Kuratorium für Verkehrssicherheit. Dort bemüht man sich seit Jahren, durch verschiedene Maßnahmen bei älteren Menschen ein Bewusstsein für Fahrtauglichkeit zu schaffen. „Wir haben es zuerst mit Fahrtrainings und unverbindlichen Tests probiert. Aber zu diesen sind nur jene Senioren gekommen, die besonders gut sind und sich bestätigen wollten. Jetzt machen wir Worskshops mit Gesprächsrunden. Da können sich die älteren Menschen ohne Druck mit ihrer Fahrtauglichkeit auseinandersetzen“, erzählt Pfanner. Viel helfe bei diesen Informationen auch der Hinweis auf das Angebot im Öffentlichen Personennahverkehr. „Die Senioren wissen oft nicht, wie gut dieses Angebot mittlerweile ist“, weiß Pfanner.

Diskussionen über die Fahrtauglichkeit von älteren Menschen erreichen natürlich auch stets die Pensionistenorganisationen. Erich De Gasperi (75) vom SPÖ-nahen Pensionistenverband weiß um die Sensibilität des Themas. „Die Diskussion wird immer wieder aufgebauscht. Dabei sind sehr viele ältere Menschen sehr einsichtig und hören von sich aus auf mit dem Autofahren, wenn sie sich dazu nicht mehr imstande sehen. In der Stadt können sie dann leicht auf Öffis umsteigen. Das ist auf dem Land nicht so einfach.“ VN-HK

„Wir sehen keinen Zusammenhang zwischen Alter und Fahrtauglichkeit.“

Georg Seethaler wird im kommenden Februar 100 Jahre alt und fährt noch jeden Tag mit seinem Auto. VN/Paulitsch
Georg Seethaler wird im kommenden Februar 100 Jahre alt und fährt noch jeden Tag mit seinem Auto. VN/Paulitsch