Der grenzenlose Campus

Vorarlberg / 11.09.2019 • 18:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Europäische Hochschulinitiative könnte auch dem Land Perspektiven eröffnen.

Bregenz Was hat Emmanuel Macron mit Vorarlberg gemeinsam? Nicht viel, aber vielleicht bald etwas mehr. Am 26. September 2017 hielt der französische Staatspräsident eine Rede über die Zukunft Europas. Er schlug vor, dass sich bis 2024 mindestens 20 Europäische Universitäten gegründet haben sollen; also Netzwerke von Universitäten aus mehreren Ländern. Aus diesem Vorschlag entstand die europäische Hochschulinitiative. Auch Vorarlberg könnte profitieren, am Ende könnte das Land gar um einen Hochschulcampus reicher sein.

Vorarlberg und die Unidiskussion verbindet eine lange Geschichte. Vor 50 Jahren entfachte sich eine politische Debatte über einen Hochschulstandort. Nach Salzburg, Linz und Klagenfurt sollte auch Vorarlberg seine Uni bekommen, forderte die SPÖ 1972. Es war die ÖVP, die sich dagegen wehrte. Das Land gründete hingegen die Landesbibliothek und das Franz-Michael-Felder-Archiv. Wenig später eröffnete die Uni Innsbruck eine Außenstelle in Dornbirn, 1989 gründete sich die Fachhochschule. Mit dem Landeskonservatorium und der Pädagogischen Hochschule verfügt Vorarlberg mittlerweile über drei Hochschulen – aber keine Universität.

Politisch war das Thema nie tot. Die Neos forcieren es regelmäßig, kürzlich forderten die Grünen eine Uni auf Vorarlberger Boden. Wenige Tage darauf gab Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) in den VN bekannt, dass das Land, die FH und Wirtschaftsvertreter mit der HSG St. Gallen über eine Filiale in Dornbirn verhandeln. Am Dienstag wiederum trafen sich die Bildungssprecher des Landtags, Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP) und die Vorsitzende der Wirtschaftsabteilung, Gabriela Dür, mit Markus Rhomberg.

Signale aus Deutschland

Rhomberg ist Geschäftsführer der Internationale Bodenseehochschulen (IBH) und vernetzt als solcher die 30 Universitäten um den See. Rhomberg sollte den Abgeordneten die IBH erklären, allerdings wurde ebenso über die Universität gesprochen. Das hat auch mit Baden-Württemberg zu tun. Denn am Montag war Ministerpräsident Winfried Kretschmann in Vorarlberg und sprach das Thema an. Auf VN-Anfrage bekräftigt er: „Ich begrüße die Idee einer europäischen Universität im Bodenseeraum.“

Bei der europäischen Hochschulinitiative können sich Hochschulen für Kooperationsprojekte bewerben und werden fünf Jahre gefördert. Am Ende dieser Periode muss ein Ziel stehen; zum Beispiel ein europäischer Campus, der in Vorarlberg stehen könnte. „Das ist eine sehr visionäre Idee, aber ich weiß noch nicht genau, was der Mehrwert wäre“, betont Landesrätin Schöbi-Fink. ÖVP-Bildungssprecher Roland Frühstück ergänzt: „Man muss sich solchen Dingen immer offen zeigen.“ Sein Grüner Kollege Daniel Zadra fordert Tempo: „Nach dem Bekenntnis von Baden-Württemberg sollte Vorarlberg sofort die Gespräche suchen.“ In der IBH arbeitet man derzeit an einem Strategiepapier, in dem auch die Möglichkeit einer europäischen Hochschule geprüft wird. Da geht es auch um die Schweiz? Sie ist nicht Teil des EU-Projekts, sehr wohl aber der IBH und verfügt etwa in Zürich über eine exzellente Universität.

Es sind viele Fragen offen, in der Politik hat sich das Thema aber festgesetzt. Auch dank Macron.

„Das ist eine sehr visionäre Idee, aber ich weiß noch nicht genau, was der Mehrwert wäre.“

„Ich begrüße die Idee einer europäischen Universität im Bodenseeraum.“