„Von so kleinen Klassen sind wir weit entfernt“

Vorarlberg / 11.09.2019 • 20:44 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

OECD-Studie: Lehrergewerkschaft warnt vor „halber Wahrheit“.

Wien Kleinere Klassen, weniger Unterricht, mehr Gehalt. Dieses Bild, das sich für Österreichs Lehrer aus der OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“ ergebe, sei nur die halbe Wahrheit, sagt der Vorarlberger Pflichtschullehrergewerkschafter Gerhard Unterkofler: „Manche Aussagen müssen zurechtgerückt werden.“

Punkt eins: Laut OECD saßen in Österreich durchschnittlich weniger Schüler in einer Klasse als in den anderen Ländern; 18 in der Volksschule (OECD: 21) und 21 in der Unterstufe (OECD: 23). „In Ballungszentren ist man von so kleinen Klassen meist weit entfernt“, sagt Unterkofler. Die Zahl komme nur aufgrund der vielen Kleinschulen zustande.

Punkt zwei: Die OECD stellt fest, dass die Lehrer in Österreich weniger Stunden unterrichten als ihre Kollegen im Ausland; 779 Stunden in der Volksschule (OECD: 783) und 607 in der Unterstufe (OECD: 709). Unterkofler gibt  zu bedenken, dass die Arbeitszeit der Lehrer aber nicht nur aus Unterrichten bestehe. „Vergleicht man die Gesamtarbeitszeit mit den anderen Ländern, dann kommt auch die OECD-Studie zum Schluss, dass Österreich mit 1776 Jahresstunden weit über dem EU-Durchschnitt von 1593 Arbeitsstunden liegt.“ Im OECD-Schnitt liegt die Jahresarbeitszeit bei etwas mehr als 1600 Stunden.

Punkt drei: Österreichische Lehrer verdienen mehr. Im Vergleich zu anderen Hochschulabsolventen stehen sie laut Unterkofler aber schlechter da. Das zeigt auch die OECD-Studie. Unterrichten sie im Pflichtschulbereich, verdienen sie zwischen 74 und 87 Prozent dessen, was andere Hochschulabsolventen bekommen. Im OECD-Raum liegt der Wert bei 84 bis 88 Prozent. Außerdem hält der Lehrergewerkschafter fest: „Wir haben einen Lehrermangel, das Gehalt muss attraktiv sein.“ Unterkofler fordert ebenso mehr Unterstützungspersonal, ein Zweilehrersystem für Kleingruppen in Volksschulen und mehr Ganztagsbetreuung. VN-ebi

„Vergleicht man die Gesamtarbeitszeit, liegen wir weit über dem EU-Durchschnitt.“