Damit Konsumenten wissen, welches Fleisch auf dem Teller liegt

Vorarlberg / 12.09.2019 • 17:11 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Konsumenten müssen sich in Lokalen bei den Lebensmitteln auf die Qualitätsansprüche des Koches verlassen. APA
Konsumenten müssen sich in Lokalen bei den Lebensmitteln auf die Qualitätsansprüche des Koches verlassen. APA

Bregenz Die Initiative Tierschutzvolksbegehren hat ihre Forderung nach einer Kennzeichnung von Lebensmitteln über Herkunft sowie Tierwohl in Gastronomie und öffentlichen Küchen bekräftigt. „In der Gastronomie und in öffentlichen Küchen werden zwei Drittel aller tierischen Produkte konsumiert. Von einer bewussten Entscheidung kann nicht gesprochen werden, da der Konsument eigentlich nicht weiß, was er isst“, meinte Sebastian Bohrn Mena, Initiator der Initiative bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Nachvollziehbarkeit

Dieser Missstand führe dazu, dass viele Lebensmittel gegessen werden, deren Herstellung in Österreich bereits aus Tier- oder Umweltschutzgründen verboten wurde. Derzeit würden viel zu oft unerkannte Tierqual, aber auch der brandgerodete Regenwald in Form von Soja auf den Tellern landen, berichtete Bohrn Mena weiter. Und brachte auch gleich Beispiele. „Anlagen mit 10- bis 15.000 Tieren werden bei uns als Großbetriebe angesehen. In Deutschland werden zehnmal so viele Tiere gehalten und in Brasilien leben bis zu vier Millionen Tiere in einer Anlage. Oder: Kommt jemand auf die Idee, dass bei uns Schweine mit genmanipuliertem Sojafutter gefüttert werden, das aus dem Regenwald stammt? Der übrigens gerade für Soja niedergebrannt

wird.“ Dabei hätten Konsumenten ein Recht darauf zu wissen, was sie essen. Alleine der Umstand, dass darüber diskutiert werden müsse, sei absurd, zeigte sich der Initiator des Volksbegehrens überzeugt. Hier gehe es neben dem Konsumentenschutz auch um das Tierwohl. „Wir brauchen eine Kennzeichnung darüber, ob das Fleisch zu 100 Prozent aus dem angegebenen Land stammt oder nur dort verarbeitet wurde. Und es muss nachvollziehbar sein, unter welchen Umständen die Tiere gehalten werden“, forderte Landesvorsitzender Martin Staudinger, der mit der SPÖ das Tierschutzvolksbegehren unterstützt. Man müsse sich auch die Frage stellen, wie die Landwirtschaftsförderungen der EU verteilt werden, und in Vorarlberg müssten Initiativen zugunsten von Bauern gesetzt werden, so Staudinger.

Schweizer Vorbild

Ein Modell, das der tierischen Lebensmittelkennzeichnung in Österreich als Vorbild dienen könnte, ist über der Grenze zu finden. „In der Schweiz ist seit 1995 eine Deklaration vorgeschrieben“, wusste Bohrn Mena. So würden die Eidgenossen in ihren Restaurants publik machen, woher das Steak stammt, und sie würden bekanntgeben, wenn ein Produkt nicht den schweizerischen Standards entspricht.

Eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht der Lebensmittel für Gastronomen lehnt Andrew Nussbaumer, Obmann der Fachgruppe Gastronomie ab. „Eine freiwillige Kennzeichnung durch Gastronomen wäre allerdings wünschenswert und würde auch Wettbewerbsvorteile

schaffen.“ VN-PAG 

„Die österreichischen Konsumenten haben ein Recht darauf zu wissen, was sie essen.“