Laufen so weit das Auge reicht

Vorarlberg / 12.09.2019 • 14:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Jodok Dietrich hat den Trailrunning Club Vorarlberg mitgegründet und den Ifen Loop als Segment der Lauf-App „Strava“ eingerichtet. Bis zum 21. September können sich dort Laufbegeisterte messen. VN/MAIER-ORTNER

Der Vorarlberger Hauben-Koch Jodok Dietrich erklimmt mit dem Trailrunning Club Vorarlberg heimische Gipfel.

Bettina Maier-Ortner

Dornbirn Sie laufen abseits der klassischen Joggingstrecken und erstürmen die heimischen Berge – Trailrunning boomt hier in Vorarlberg. Der aus Fußach stammende Koch Jodok Dietrich (35) ist Gründungsmitglied des Trailrunning Clubs Vorarlberg (TRCV) und organisiert wöchentliche Lauftreffs für Sportbegeisterte in Dornbirn und Bregenz. Mit ihrem „Ifen Loop“ Segment der Strava-App können sich Laufbegeisterte jetzt bis zum 21. September „tracken“ lassen und mit anderen Trailrunnern messen. Die geplante Ifen-Loop-Laufveranstaltung musste der TRCV für heuer absagen. „Laufen war nie meine Sportart. Nur Mittel zum Zweck. Wir sind als Kinder viel gewandert, besonders in der Ferienzeit, in der wir mehrere Wochen in Schönenbach verbracht haben. Da ist man den Bergen nah, da muss man geradezu rauf, vor allem war der Ifen immer im Blick und lockte selbstverständlich“, blickt er zurück. Zum Laufsport und Trailrun kam er über Umwege. Nach der Matura hat er ein Wirtschaftsstudium in Wien begonnen, aber „gemerkt, dass meine Passion das Kochen ist“ und eine Lehre bei Engelbert Kaufmann im Restaurant Adler in Schwarzenberg gestartet. „Essen hatte einen hohen Stellenwert in unserer Familie. Meine Mama ist eine super Köchin und mein Papa war eine frankophiler und italophiler Genießer.“

Nach dem Lehrabschluss wechselte der talentierte Koch zum Schweizer 3-Sterne-Koch Andreas Caminada. „Das waren vom Arbeitsinput zwei anstrengende Jahre, aber das Team war super – auch die Wertschätzung unserer Leistung von Andreas Caminada.“ Zurück in Vorarlberg baute er erfolgreich mit Siegi Innauer das Dornbirner Restaurant Innauer auf. In München folgte als Dietrichs nächste Station das Restaurant „Buffet Kull“. „Ich wollte etwas Verantwortung abgeben und mich mehr auf das Kochen konzentrieren. Nach gut einem Jahr war ich Küchenchef. Was mich am Beruf reizt, sind Kreativität und jeden Tag eine neue Chance zu haben. Es fängt jeder Tag bei null an, was hohe Konzentration erfordert. In dieser Zeit startete ich zum Ausgleich mit dem Rollski und trainierte bis zu fünfmal in der Woche entlang der Isar.“ Um diese Fitness über den Winter nicht zu verlieren, hat er mit dem Joggen begonnen.

Großer Einschnitt im Leben

„Durch den plötzlichen Herzinfarkt-Tod meines Papas bin ich nicht mehr zum Sport gekommen. Meinen Job als Küchenchef im Kull habe ich gekündigt und mir eine Auszeit daheim genommen. Ich brauchte ein ‚Break‘, es war immer mein Traum, eine lange Strecke zu Fuß zu gehen“, reflektiert er. Sein Vater Jakob ist ein Stück des Jakobswegs gegangen und so war es für Dietrich eine logische Entscheidung, den Jakobsweg für seinen Vater symbolisch zu Ende zu gehen. „Ich startete in Nordfrankreich in Mont-Staint-Michel.“ Es ging über Bordeaux bis zum Atlantik – ohne Bücher, Handy oder Musik. Man müsse, so der Dornbirner, aufpassen, dass man es bei den Etappen nicht übertreibt. Das lasse einen der Körper gleich spüren, etwa in Form einer überstrapazierten Achillessehne. Nach dem menschenleeren Pilgermonat in Frankreich waren entlang der Jakobsmuschel in Spanien viel mehr Pilger unterwegs. „Ich bin mit den Menschen ins Gespräch gekommen, die aus allen Teilen der Welt kamen – inklusive spannender Geschichten.“ Die letzten 128 Kilometer bis Santiago de Compostella schaffte ich in zwei Tagen. Auf der Wanderschaft reifte die Entscheidung, in München die Zelte abzubrechen und zurück nach Vorarlberg zu kommen. „Unglaublich, wie weit man kommt. Man sieht auf einer Anhöhe weit entfernte Punkte, an denen man im Laufe des Tages ankommt“, ist er beeindruckt.

Ende der Wanderzeit

Beruflich arbeitete er u. a. in Dornbirn an der Konzeptionierung der Bar „10Zimmer“, die der junge Vater einer Tochter weiterhin unterstützt und gründete mit dem Bregenzer Dominik Schwarz den TRCV. „Wir wohnen in einer tollen Landschaft, die sich ideal zum Trainieren eignet. Die Verbindung von Anstrengung und schnellem Abschalten in der Natur beim Trailrunning ist befreiend und man benötigt kaum Ausrüstung.“ Um den kostenlosen Lauftreff mit Know-how zu unterstützen, absolviert Jodok Dietrich derzeit die Ausbildung zum Laufgruppenleiter. „Technik ist wichtig, mit kleinen Stellschrauben kann man viel bewirken.“

Infos zum Trailrunning-Lauftreff auf www.trcv.org oder via Facebook und Instagram auf „Trailrunning Club Vorarlberg“.

Jodok Dietrich

Geboren: 25 Juli 1984

Wohnort: Dornbirn

Werdegang: Matura, Kochlehre

Hobbys: Kochen, Laufen

Familie: „Bin dankbar für meine Familie.“