Folter und Geiselnahme im Wald

Vorarlberg / 13.09.2019 • 22:27 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Gequält mit Elektroschocker, Stahlrute und Pistole: Das Martyrium eines Montafoners.

Gaschurn Es war ein brutales Verbrechen, begangen aus purer Eifersucht: Am 15. Dezember 2014 verschleppten drei Deutsche einen 26-jährigen Mann in einen Wald im Montafon und schlugen und quälten ihn psychisch und physisch.

Und das ausgerechnet am Tag, an dem das Opfer seine neue Arbeitsstelle antreten sollte. Norbert Schwendinger, damals Chef des Morddezernates, erzählt die Vorgeschichte, die ihren Anfang in Bonn nahm.

Verhängnisvolle Trennung

Dort befand sich eine 21-jährige Deutsche in einer schlimmen Krise. Die vielen Drohungen und das endlose Stalking ihres Lebensgefährten vermiesten ihr das Leben. Schließlich trennte sie sich von ihrem drei Jahre älteren Peiniger.

Und lernte dann auf irgendeine Weise den Mann aus Vorarlberg kennen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Im Dezember reiste die junge Frau ins Montafon und besuchte ihren neuen Freund. Doch ihr Verflossener hatte Wind von dieser Beziehung bekommen. Eifersucht brannte in seinem Herzen. Und Wut. Er reiste der 21-Jährigen nach. Mit zwei weiteren deutschen Kumpels im Auto. Rabiate Kumpels, wie sich schon bald zeigen sollte. So rabiat wie er selbst. Die Deutschen hatten zunächst den Vorarlberger im Visier. Als der 26-Jährige am Morgen an einer Haltestelle in Gortipohl auf den Bus wartete, näherte sich ihm der Pkw mit dem Trio aus Bonn. „Einer stieg aus und sprach den Ahnungslosen an. Er forderte ihn auf, in den Wagen zu steigen.“

„Gespräch unter Männern“

„Um ein Gespräch unter Männern zu führen, sagte er als Vorwand“, erzählt Schwendinger. „Doch dann, im Auto, kam es zu ersten Drohungen und Misshandlungen mit einem Elektroschocker. Sie wollten von ihrem Opfer wissen, wo das Mädchen ist. Der gequälte Vorarlberger hatte keine Wahl und verriet es ihnen.“ Gemeinsam suchte man anschließend die Mietwohnung des Opfers auf.

Dort erkannte das Mädchen mit Schrecken die ungebetenen Besucher aus Deutschland. Die Situation eskalierte erneut. Wieder wurde der Montafoner mit Schlägen und dem Elektroschocker malträtiert. Vor den Augen seiner Freundin. Doch damit war die Tortur für den 26-Jährigen noch nicht beendet. Denn der brutale Reigen barbarischer Misshandlungen sollte jetzt erst beginnen.

Nachdem sie dem 26-Jährigen noch Bargeld und ein Dekorationsschwert geraubt hatten, zerrten die Peiniger ihn und seine Geliebte in das Auto. Dort misshandelten sie den Mann erneut, schlugen unter anderem seinen Kopf gegen eine Seitenscheibe und fuhren in einen Waldweg.

Schwendinger: „Es ging ihnen darum, dem Mädchen zu zeigen, was bei einer neuen Beziehung zu erwarten ist. Im Wald hielt der 24-jährige Haupttäter dem Opfer eine Gaspistole in den Mund, schlug den Mann, quälte ihn am ganzen Körper mit dem Elektroschocker und prügelte ihn mit einem abgebrochenen Ast.“

Sich selbst nach Hause geschleppt

Dann entführten die Täter das Mädchen. Ihr schwerverletztes Opfer ließen sie im Wald liegen. Doch der 26-Jährige rappelte sich auf und schleppte sich mit letzter Kraft zu einem Freund im Heimatort. Die Polizei wurde alarmiert. Schwendinger erinnert sich: „Wir konnten ermitteln, dass die Kidnapper ihr Auto in Bludenz getankt hatten. Es waren dann auch Bilder der Überwachungskamera der Tankstelle vorhanden, auf denen die Täter später genau identifiziert werden konnten.“ Eine internationale Kooperation der Polizei begann.

Nachdem die Deutschen mit dem entführten Mädchen in Bonn angekommen waren, währte es nicht mehr lange bis zu ihrer Festnahme. Und auch nicht bis zum Prozess. Der Haupttäter wurde zu sieben Jahren, der Zweitbeteiligte zu sechs Jahren und der Dritte zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. 

Zur Person

Norbert Schwendinger

Pensionierter Chef­ermittler in 28 vollendeten und 60 versuchten Mordfällen in Vorarlberg, seit dem 1. August in Pension

Geboren 5. Dezember 1958

Familie in Lebensgemeinschaft,
zwei Kinder

Lesen Sie im nächsten Teil: Schüsse vor einem Table-Dance-Lokal in Lustenau.