Das Geheimnis der Wichteltür

Vorarlberg / 15.09.2019 • 11:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ninette und Thomas Schatzmann mit Louis freuen sich über Post von Hardy. M. Hofer
Ninette und Thomas Schatzmann mit Louis freuen sich über Post von Hardy. M. Hofer

Familie Schatzmann bitten um Post in Namen von Hardy .

Feldkirch In der Wohnung von Familie Schatzmann gibt es einige Türen. Sechs an der Zahl und noch eine ganz große, die ins Wohnzimmer führt. Es ist jedoch die kleinste, die im Moment für ganz viel Aufsehen sorgt. Kaugummikugel-rot und nur maximal 15 Zentimeter hoch, vermag sie es dennoch, eine ganze Welt hinter sich zu verbergen. Eine magische, ganz bezaubernde Welt, wie sie nur in Bilderbüchern und Märchen existiert. Eine waschechte Fantasiewelt eben.

Herzkranke Tochter

Erdacht hat sie die dreifache Mama Ninette Schatzmann, um ihren Kindern Jerome, Amelie und Louis ein Leuchten in die Augen zu zaubern. Denn sowohl die Kids als auch die Eltern haben es oft nicht leicht. Die sechsjährige Amelie leidet an einem schweren Herzfehler, einem sogenannten univentrikulären Herz. Sie hat in ihrem kurzen Leben bereits fünf schwere Herzoperationen und eine Notoperation hinter sich. Eine weitere steht gerade an. Doch die pädiatrische Kardiologie befindet sich in Wien, was für die Vorarlberger Familie eine große Belastung darstellt. „Es ist immer ein Hoffen und Bangen, was uns auch psychisch sehr belastet“, sagt Vater Thomas. „Lange Intensivaufenthalte und das ständige Auf und Ab prägte unser Familienleben sehr.“

Trotz ihrer schweren Erkrankung ist Amelie ein aufgewecktes Mädchen, das zwar nicht spricht und in der Entwicklung deutlich hinter gleichaltrigen Kindern liegt, aber trotzdem ihren Eltern viel Freude macht. Denn die Schatzmanns sind vor allem eines: froh, dass ihre kleine Tochter noch lebt.

Wichtel Hardy

Weil sich die Probleme im Lebensalltag der Schatzmanns nicht wegzaubern lassen, gibt es jetzt die kleine Türe. Entdeckt hat die 37-Jährige den Deko-Artikel im Internet. Das war letztes Jahr im November, kurz vor dem ersten Adventwochenende. Doch wo sollte sie die Türe anbringen? Plötzlich hatte sie eine weitere Idee. „Ich überlegte, ob die Wichteltür nicht den üblichen Adventskalender ersetzen könnte.“ Ninette Schatzmann organisierte eine Bank, einen Tisch, einen Rodelschlitten, und schrieb ein Briefchen dazu. Das war der Tag, an dem Wichtel Hardy bei den Schatzmanns in Feldkirch-Nofels einzog. Am Morgen des ersten Advents überraschte die Dreifach-Mama die Kinder und erzählte ihnen von Wichtel Hardy, der hinter der Tür wohnt. „Alle drei saßen mit leuchtenden Augen und einem strahlenden Lächeln auf dem Boden und staunten.“ Sie haben die Fantasiewelt von der ersten Sekunde an voll und ganz mitgelebt. So wie es nur Kinder können, so lange sich Imagination und reale Wahrnehmung vermischen. „Diesen Zauber möchte ich so lange es geht erhalten“, sagt sie.

Urlaubspost

Inzwischen ist Hardy ein richtiges Familienmitglied geworden. Und weil ein Weihnachtswichtel fast das ganze Jahr über arbeitslos ist, hat Ninette Hardy auf Weltreise geschickt. Und weil die Kinder immer wissen wollten, in welchem Land sich der Wichtel gerade aufhält, startete die fantasievolle Mama auf Facebook einen Aufruf: Hat jemand vielleicht Lust, uns aus dem Urlaub in Hardys Namen eine Postkarte zu schreiben?

Viele hatten Lust und so trudelte Post aus Schweden, Sri Lanka, Italien, Kroatien, vom Europapark und aus Südtirol ein. Insgesamt sind es weit über 20 Karten und ein Brief. Der Gang zum Briefkasten gehört vor allem für die beiden Buben längst zur täglichen Routine. Deshalb würden sie sich freuen, wenn noch mehr Ansichtskarten eintrudeln würden. Die Adresse lautet: Jerome, Amelie und Louis Schatzmann,  Sebastian-Kneipp-Straße 39c, 6800 Feldkirch-Nofels. CRO

ZUR PERSON

Ninette und Thomas Schatzmann

Alter 36 Jahre, 37 Jahre

Kinder Jerome, Amelie und Louis

Beruf Altenpflegerin und Glasbauer

Adresse Sebastian-Kneipp-Straße 39c, 6800 Feldkirch-Nofels