Von Flurnamen und alten Häusern

Vorarlberg / 15.09.2019 • 17:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Museumsdirektor Michael Kasper, Buchautor Guntram Plangg, Bgm. Josef Lechthaler, Heimatforscher Friedrich Juen und Grafikerin Sabrina Fleisch (v. l.). meznar
Museumsdirektor Michael Kasper, Buchautor Guntram Plangg, Bgm. Josef Lechthaler, Heimatforscher Friedrich Juen und Grafikerin Sabrina Fleisch (v. l.). meznar

Kultureller Erntemonat „septimo“ kredenzt tägliche eine Dosis Kultur im und für das Montafon.

Montafon Noch bis 30. September widmet sich die siebte Auflage des kulturellen Montafoner Erntemonats „septimo“ („September im Montafon“) der Entwicklung und Geschichte des Tourismus in der südlichsten Talschaft Vorarlbergs. Hintergrund dafür sind einerseits das 70. Jubiläum der talweiten Organisation „Montafon Tourismus“, andererseits zugleich die immer dringender werdenden Fragen nach den Grenzen der touristischen Nutzung in einer alpinen Region.

Unverständliche Namen

Direktor Michael Kasper und sein Team von den Montafoner Museen bieten beim „septimo“ in Zusammenarbeit mit Montafon Tourismus einen ganzen Monat lang täglich einen kulturellen Leckerbissen. Neben dem Montaggespräch mit Heike Ladurner-Strolz stand dieser Tage die Präsentation des zweiten Flurnamen-Buches der Talschaft im Mittelpunkt. Auf der Grundlage des Vorarlberger Flurnamenbuches und verschiedenster historischer Quellen deutet und erklärt Guntram Plangg im zweiten Band der Montafoner Flurnamen die einzelnen alten Orts-, Berg- und Flurnamen der Gemeindegebiete von Gaschurn und St. Gallenkirch samt den Ortschaften Gargellen, Gortipohl und Partenen. Er liefert damit wertvolle Informationen zur Vor- und Frühgeschichte dieser Region. „Im Fokus stehen insbesondere jene Namen, die einen vordeutschen Hintergrund haben und daher für uns heute nicht mehr verständlich sind“, so Michael Kasper bei der Buchpräsentation in Gortipohl. Mit dem Theaterstück „Das letzte Haus“ von Tobias Fend im ehemaligen Bezirksgericht Montafon stand vergangene Woche bereits ein weiteres septimo-Highlight auf dem Programm.

Postkartenidylle und Wasserkraft

Die Montafoner Landschaft in der Werbung, auf Postkarten oder Plakaten, also jene des Grafikdesigns, ist heute Abend ab 19 Uhr Thema im Kunstforum Montafon in Schruns. Referentin Doris Hallama wird einen Blick auf die überregionalen Entwicklungen der Landschaftsdarstellung in der Werbung werfen und zeigen, wie diese auch im Montafon wirksam werden. Ganz klar gehen diese parallel mit dem Aufkommen des Tourismus und stehen also für das Dilemma der Werbung, die Landschaft zwar im Dienste des Tourismus – mit all seiner notwendigen Infrastruktur – zeigen zu wollen, während aber die unberührte Natur bis heute das am besten zu verkaufende Bild bleibt.

Übermorgen, Mittwoch, kommt es im Schrunser Heimatmuseum ab 20 Uhr zur Filmvorführung „Solange der Herrgott will…“. Drei Zeitzeugen aus unterschiedlichen Orten führen mitten hinein in ihr Alltagsleben und lassen Tradition und Erlebtes lebendig werden. „Der Dokumentarfilm soll auch Wertschätzung für eine Generation erbringen, die Wertvolles geleistet hat“, so Michael Kasper. Denn noch gibt es sie, die Menschen, die von einer vergangenen Zeit erzählen können, in der harte Arbeit, Armut und ein bescheidener Alltag den Rhythmus vorgaben. Diese Lebenseinstellung haben sich viele unserer älteren Generationen bis heute erhalten.

Am Donnerstag wird jeweils ab 15 Uhr zur Handarbeitsrunde im Museum Gaschurn sowie zur Spielrunde am Montafonertisch im Frühmesshaus in Bartholomäberg geladen. Während in der gemütlichen Stube des Alpin- und Tourismusmuseums in Gaschurn gestrickt, gehäkelt, geklöppelt und geflickt wird, werden am Bartholomäberg fast vergessene Brett-, Karten-, Geschicklichkeits- oder lustige Unterhaltungsspiele neu belebt.

Alle Infos zum kulturellen Erntemonat septimo im Montafon auf der Homepage unter www.montafon.at/septimo.

„Im Fokus stehen jene Namen, die für uns heute nicht mehr verständlich sind.“