Der TBC-Erreger raubt Landwirt Andreas Tschann alle seine 53 Tiere

Vorarlberg / 17.09.2019 • 19:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Andreas Tschann mit dem gerade eben geborenen Kälbchen und der Mutter. Auch diese Tiere müssen in den nächsten Tagen getötet werden. VN/SAMS

Der 49-jährige Nüziger hadert aber nicht mit seinem Schicksal und denkt bereits jetzt an einen Neuanfang.

Nüziders „Grüß euch“, sagt Andreas Tschann, stellt den Kärcher ab und geht auf die Besucher zu. Jener Mann, der als Haupterwerbslandwirt im Begriff steht, alle seine 53 Tiere zu verlieren: Mastrinder, Kühe, Kälber, Stiere. Noch befinden sich die meisten von ihnen entweder im großzügig dimensionierten Laufstall oder genießen das frische Gras und die Sonne draußen auf der Wiese. Darunter eine Kuh mit ihrem Kälbchen, das in der vorigen Nacht auf die Welt kam und auf wackligen Beinen seine ersten Schritte tut. Viel mehr werden nicht dazukommen.

Ein kurzes Kälbchenleben

Tschann schaut das Kälbchen an. „Es tut schon weh, wenn du weißt, dass es nicht mehr lange leben wird.“ Seinen Kühen hat er Namen gegeben. „Das ist Constanze, und daneben steht Barbara“, zeigt er auf zwei Prachtexemplare, die sich vermeintlich bester Gesundheit erfreuen. Die schönen schwarzen Stiere in den Koppeln vis-a-vis stecken neugierig die Köpfe heraus. Bald wird es im Stall und auch auf der Weide still sein. „Sie müssen alle getötet werden. Es wird nach und nach geschehen. Ich hoffe, dass es in einer Woche vorbei ist“, sagt Tschann mit fester Stimme.

Der Landwirt aus Nüziders pflegt einen sehr liebevollen Umgang mit seinen Tieren. Die Keulung seines Bestandes akzeptiert er mit bewundernswerter Stärke.  VN/Sams
Der Landwirt aus Nüziders pflegt einen sehr liebevollen Umgang mit seinen Tieren. Die Keulung seines Bestandes akzeptiert er mit bewundernswerter Stärke. VN/Sams

Der Landwirt, seines Zeichens auch Obmann der örtlichen Trachtengruppe, nimmt das Unvermeidliche mit bewundernswerter Stärke an. Nüchtern erzählt er den dramatischen Gang der Ereignisse, die ihn nun an einen beruflichen Scheideweg bringen. „Ich habe die Kuh mit zwei Stieren zum Metzger gebracht. Schon bald informierte mich Tierärztin Reitmayr über Auffälligkeiten an der Lunge der Kuh. Wenig später kam der fatale Befund.“ Tschann spricht positiv über die Behördenvertreter. „Reitmayr und Bezirksveterinär Oswald Kessler suchten mich gemeinsam mit Landesrat Gantner persönlich auf. Sie haben mir alles erklärt. Der Ablauf war respektvoll und sehr fair.“

Solidarität der Kunden

Dass auch die folgenden Ereignisse in eine fatale Richtung gingen, konnte freilich niemand verhindern. Der positive Schnelltest an 30 weiteren Tieren im Stall, die daraus resultierende Gewissheit, dass nun alle Tiere getötet werden müssen, die nun bald herrschende Leere und Stille in seinem Betrieb.

Auf der Weide grasen jene acht Rinder, die gerade von der Alpe gekommen sind. „Wenn deren Test positiv ausfällt, wird es für andere Betriebe, mit denen sie Kontakt hatten, unangenehm. Ich hoffe sehr, dass wenigstens das nicht passiert“, denkt Tschann in diesen Stunden nicht nur an sich.

Tschann hatte einen Paradebetrieb. Er vermarktete sein Fleisch und seine Milch ausschließlich in Vorarlberg, die Tiere kamen aus eigener Nachzucht, seine Produkte erfreuten sich bei den Kundschaften großer Beliebtheit. Die lassen ihn auch jetzt nicht im Stich. „Sie haben mir viel Solidarität bekundet.“ Das gibt ihm Mut und lässt seinen Blick bei allem Realismus nach vorne schweifen. „Man wird sehen, was jetzt wird.“