„Man wird sehen, was jetzt wird“

Vorarlberg / 17.09.2019 • 19:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Landwirt Andreas Tschann raubt der Rinder TBC-Erreger alle seine 53 Tiere.

NÜZIDERS „Grüß euch“, sagt Andreas Tschann, stellt den Kärcher ab und geht auf die Besucher zu. Jener Mann, der als Haupterwerbslandwirt im Begriff steht, alle seine 53 Tiere zu verlieren: Mastrinder, Kühe, Kälber, Stiere. Noch befinden sich die meisten von ihnen entweder im großzügig dimensionierten Laufstall oder genießen das frische Gras und die Sonne draußen auf der Wiese. Darunter eine Kuh mit ihrem Kälbchen, das in der vorigen Nacht auf die Welt kam und auf wackligen Beinen seine ersten Schritte tut. Viel mehr werden nicht dazukommen.

Ein kurzes Kälbchenleben

Tschann schaut das Kälbchen an. „Es tut schon weh, wenn du weißt, dass es nicht mehr lange leben wird.“ Seinen Kühen hat er Namen gegeben. „Das ist Constanze, und daneben steht Barbara“, zeigt er auf zwei Prachtexemplare, die sich vermeintlich bester Gesundheit erfreuen. Die schönen schwarzen Stiere in den Koppeln vis-a-vis stecken neugierig die Köpfe heraus. Bald wird es im Stall und auch auf der Weide still sein. „Alle müssen sie getötet werden. Es wird nach und nach geschehen. Ich hoffe, dass es in einer Woche vorbei ist“, sagt Tschann mit fester Stimme.

Der Landwirt, seines Zeichens auch Obmann der örtlichen Trachtengruppe, nimmt das Unvermeidliche mit bewundernswerter Stärke an. Nüchtern erzählt er den dramatischen Gang der Ereignisse, die ihn nun an einen beruflichen Scheideweg bringen. „Ich habe die Kuh mit zwei Stieren zum Metzger gebracht. Schon bald informierte mich Tierärztin Reitmayr über Auffälligkeiten an der Lunge der Kuh. Wenig später kam der fatale Befund.“ Tschann spricht positiv über die Behördenvertreter. „Reitmayr und Bezirksveterinär Oswald Kessler suchten mich gemeinsam mit Landerat Gantner persönlich auf. Sie haben mir alles erklärt. Der Ablauf war respektvoll und sehr fair.“

Solidarität von den Kunden

Dass auch die folgenden Ereignisse in eine fatale Richtung gingen, konnte freilich niemand verhindern. Der positive Schnelltest an 30 weiteren Tieren im Stall, die daraus resultierende Gewissheit, dass nun alle Tiere getötet werden müssen, die nun bald vorherrschende Leere und Stille in seinem Betrieb.

Auf der Weide grasen jene acht Rinder, die gerade von der Alpe gekommen sind. „Wenn deren Test positiv auffällt, wird es für andere Betriebe, mit denen sie Kontakt hatten, unangenehm. Ich hoffe sehr, dass wenigstens das nicht passiert“, denkt Tschann in diesen Stunden nicht nur an sich.

Der Nüziger Bauer, der den Hof von seinem Vater Mitt der 90er Jahre übernahm, hatte einen Paradebetrieb. Er vermarktete sein Fleisch und seine Milch ausschließlich in Vorarlberg, die Tiere stammen aus eigener Nachzucht, seine Produkte erfreuten sich bei den Kundschaften großer Beliebtheit. Die lassen ihn auch in Zeiten der Krise nicht im Stich. „Sie haben mir viel Solidarität bekundet.“ Das gibt ihm Mut und lässt seinen Blick bei allem Realismus nach vorne schweifen. „Man wird sehen, was jetzt wird.“

Andreas Tschann pflegt einen liebevollen Umgang mit seinen Tieren. Bald sind alle tot. VN/Sams
Andreas Tschann pflegt einen liebevollen Umgang mit seinen Tieren. Bald sind alle tot. VN/Sams