FPÖ-Spitzenkandidat Bösch: „Abtreibungen sind ein großes Übel“

Vorarlberg / 18.09.2019 • 17:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auch per Whatsapp erreichten Bösch Leserfragaen. VN/PAULITSCH

FPÖ-Spitzenkandidat Bösch antwortet auf Leserfragen zu Abtreibungen, Pensionen, Kinderbetreuung und Militär.

Schwarzach Ein Wort prägt diesen Nationalratswahlkampf wie kein anderes: Ibiza. Das Video, das von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache in einer Villa in Ibiza aufgenommen wurde, führte am Ende zur Neuwahl. Das ärgert auch den Vorarlberger Spitzenkandidaten der FPÖ, Reinhard Bösch. Er spricht bei seinem Besuch in der VN-Redaktion vom „unseligen Ibiza-Video“. Allerdings sei der Neuwahlgrund nicht das Video selbst: „Wir haben gleich Maßnahmen ergriffen, die Koalition hätte weitergeführt werden können. Diese Neuwahl ist von Sebastian Kurz mutwillig vom Zaun gebrochen worden.“

Der ÖVP-Chef sei selber schuld. „Das hat sich Kurz sicher nicht so vorgestellt. Die ÖVP ist nun in der Hexenküche mit Spendenaffäre und der Aufdeckung ihrer Rechnungen“, fährt Bösch fort. Die meisten VN-Leserinnen und -Leser, die sich melden, stellen allerdings inhaltliche Fragen. Zum Beispiel: Wie sieht die FPÖ das Thema Wahlfreiheit bei der Kinderbetreuung? „Es ist wichtig, dass man keinen dramatischen Nachteil erleidet, wenn man sich für Familie und Kinder entscheidet“, antwortet Bösch. Deshalb habe man auf Landesebene das Familiengeld vorgeschlagen und auf Bundesebene den Familienbonus eingeführt. Nachsatz: „Natürlich muss auch für Frauen, die sich für einen Beruf entscheiden, das nötige Angebot vorhanden sein.“ Die Kinderbetreuung sei ausbaufähig. Von einem verpflichtenden Pensionssplitting hält er nichts, die Ziele der Oma-Revolte, also eine Unterstützung für Frauen, die vor 1955 geboren sind, hält er hingegen für sinnvoll. Auch für Grenzgänger brauche es eine Lösung, antwortet er einem Anrufer. Die steuerlichen Nachteile durch den Wegfall einer 13. und 14. Pensionsauszahlung seien ungerecht.

Eine Leserin möchte wissen, wie Bösch zu Abtreibungen steht. „Sie sind ein großes Übel unserer Zeit und wir müssen alles daran setzen, die Zahl möglichst gering zu halten“, schreibt er auf Whatsapp zurück. Den Frauen müsse die Entscheidung zum Kind erleichtert werden. Auf die Frage eines Lesers betont Bösch, gegen die Adoptionsrechte homosexueller Paare zu sein. „Man darf Kinder nicht mit Dingen konfrontieren, mit denen sie in diesem Alter noch nicht fertig werden.“

Der Zustand des Militärs ist derzeit in aller Munde. „Die Situation hat sich in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert“, ist Bösch überzeugt. In der Regierung habe die ÖVP die Zusagen zur Finanzierung nicht gehalten. „Eigentlich haben wir eine ausreichende Dotierung vereinbart.“ Die Cyberabwehr sieht er indes nicht ausschließlich beim Bundesheer: „Es ist Aufgabe des Gesamtstaates, sollte also beim Bundeskanzleramt angesiedelt sein. Da wird das Bundesheer sicher seinen Betrag leisten, aber es müssen alle dabei sein, die über sensible Bereiche der Republik und der Bürger verfügen.“ Wehrpflichtige würde er nach dem Grundwehrdienst zu Milizübungen verpflichten. Sobald die Milizstruktur wieder aufgebaut sei, könne man sich auch für einen achtmonatigen Dienst als Alternative entscheiden. Das sei zumutbar. „Jemand, der sich für den Wehrdienst entscheidet, möchte Soldat sein.“ Er selbst habe zwar keine ausdrücklichen Karriereziele, als Verteidigungsminister stehe er aber zur Verfügung, falls man ihn brauche.