Ein Kraftwerk und seine politischen Folgen

Vorarlberg / 18.09.2019 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Diese Pläne haben die Initiative „Rettet die Ach“ mobilisiert. VKW

Wie eine Initiative gegen das Kraftwerk Alberschwende die politische Landschaft veränderte.

Alberschwende Es war eine kleine Gruppe, die sich da formierte. „Rettet die Ach“ hatten sich die Initiatoren der Initiative auf ihre Fahnen geschrieben und sich rasch zu einer Bewegung entwickelt. Eine Protestbewegung, die später für eine veränderte politische Landschaft sorgen sollte.

Im Juni 1983 haben die Vorarlberger Kraftwerke (VKW) Pläne zum Bau eines neuen Flusskraftwerks in Alberschwende präsentiert und damit die Gegner auf den Plan gerufen. „VKW und politische Entscheidungsträger im Land waren darauf nicht vorbereitet und unterschätzten das Aufbäumen der Initiative“, erklärt der Bregenzerwälder Historiker Georg Sutterlüty. Innerhalb weniger Tage haben 4000 Personen eine Petition unterzeichnet, eine kritische Masse war erreicht.

Symbol von Bürgerbeteiligung

„Rettet die Ach“ wollte den Baustart verhindern, eine Begutachtung des Projekts war ihr Ziel. In Vorarlberg war vor allem unter jüngeren Menschen ein neues Denken angekommen, sagt Sutterlüty. Die uneingeschränkte Wachstumspolitik und unhinterfragte Konsummentalität standen am Pranger. Heute steht die Ach-Initiative für mehr als nur das Verhindern eines Kraftwerks. Sie ist so etwas wie Symbol für mehr Mitbestimmung und Bürgerbeteiligung. Und sie steht für die politische Verankerung einer neuen Bewegung: jene der Grünen, so der Historiker. Bereits im Folgejahr gelang der Einzug in den Vorarlberger Landtag. „Erdrutschwahl“ und „Watschen für die Funktionärsparteien“ hieß es am Wahlabend, der dem Wahlbündnis Alternative Liste Österreichs (ALÖ) und Vereinigte Grüne Österreichs (VGÖ) 13 Prozent Stimmenanteil bescherte. Die politische Landschaft war eine andere, mit Kaspanaze Simma hatte die Grünbewegung eine neue Galionsfigur. Verhindern konnte aber auch er den Bau des Kraftwerks in Alberschwende nicht.

Diese Aufnahme zeigt den Ort in Andelsbuch, wo heute das Ausgleichsbecken steht. VKW
Diese Aufnahme zeigt den Ort in Andelsbuch, wo heute das Ausgleichsbecken steht. VKW

Im Februar 1989 kam grünes Licht zum Bau. Der Bescheid sah zwar umfangreiche Auflagen vor, sorgte trotzdem für weitere Proteste. Im Sommer vor 30 Jahren versammelten sich Künstler in den Achauen in Andelsbuch. Einer von ihnen, Tone Fink, soll bei heißen Wortgefechten übel als „roter Suhund“ beschimpft worden sein, beschreibt Sutterlüty, der als Obmann des Kulturvereins Bahnhof Andelsbuch für Freitag, 20. September, einen Vortrag mit Diskussion zu den Ereignissen von damals organisiert hat. 1989 war auch das Jahr des Endes der Initiative, die sich im Herbst auflöste. Der Umsetzung des Projekts stand dann nichts mehr im Weg. Das Kraftwerk selbst ist bis 2039 bewilligt.

30 Jahre Rettet die Ach

Vortrag Harald Walser (Historiker)

Diskussion Ulrich Troy und Gottfried Winkel (Rettet die Ach), Leo Wagner (VKW), Harald Walser

Ort Bahnhof Andelsbuch

Termin 20. September, 20 Uhr (10 Euro bzw. 8 Euro für Mitglieder)

Luftaufnahme des Kraftwerks 1992. Volare/Klapper
Luftaufnahme des Kraftwerks 1992. Volare/Klapper