Hüttenwirt Thomas Beck wagt mit 54 einen Neuanfang

Vorarlberg / 18.09.2019 • 10:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Hüttenwirt Thomas Beck mit seiner Frau Andrea und seinen Töchtern Annalena und Valentina. BECK

19 Jahre bewirtschaftete Thomas Beck mit seiner Familie erfolgreich die Lindauer Hütte. Jetzt geht er und wagt mit 54 Jahren einen Neuanfang.

Tschagguns Am 13. Oktober geht eine Ära zu Ende. An diesem Tag verlässt Thomas Beck (54) die Lindauer Hütte. 19 Jahre schmiss der Hüttenwirt mit seiner Frau Andrea den Laden. Unter seiner Ägide stieg die Besucher-Frequenz massiv. Als die Becks die Lindauer Hütte im Jahr 2000 übernahmen, verzeichnete man rund 8000 Nächtigungen pro Jahr. Heute sind es 17.000. Beck kommentiert das so: „Wir haben die Hütte sehr erfolgreich weiterentwickelt.“

Ein Menschenfreund

Der „Hausherr der Drei Türme“ geht mit vielen schönen Erinnerungen. In seinem Gedächtnis haften geblieben sind vor allem die vielen herzlichen Begegnungen mit Menschen. Genau das hat ihm auch an seiner Arbeit am besten gefallen. „Das Schönste war der Umgang mit Menschen.“ Deshalb erfüllte ihn seine berufliche Tätigkeit auch sehr. „Ich mag Menschen. Sonst wäre ich als Hüttenwirt fehl am Platz gewesen. Aber manchmal wurde es mir dann trotzdem zu viel.“

Die ersten zwölf Jahre genehmigte sich der Hüttenwirt keinen freien Tag. Erst seit sieben Jahren nimmt er sich einen Tag in der Woche frei. „Dann lese ich ein Buch und trinke ein Glas Wein.“ Sein Job sei sehr fordernd und 16-Stunden-Arbeitstage mehr die Regel als die Ausnahme. „Ich stehe um 6 Uhr auf und bin der Letzte, der ins Bett geht.“ Beck ist sich für keine Arbeit zu schade. „Ich helfe auch beim Abwasch mit und bei der Frühstücksausgabe.“ Täglich fährt er ins Tal, um frische Lebensmittel zu holen. Zur Ruhe legt er sich erst, nachdem er geschaut hat, ob alle unter Dach sind und alles ausgeschaltet ist.“

Ohne die Unterstützung meiner Familie und meiner 16 Mitarbeiter wäre ich sang- und klanglos untergegangen.“

Thomas Beck, Hüttenwirt

Beck hat immer geschaut, dass der Laden läuft. Aber er weiß, dass er – in all den Jahren – ohne seine Familie und seine 16 Mitarbeiter nichts ausrichten hätte können. „Ohne sie wäre ich sang- und klanglos untergegangen.“

Wie große Sportler, die am Zenit ihrer Karriere abtreten, verlässt Beck die Lindauer Hütte zu einem Zeitpunkt, an dem er glaubt, am Höhepunkt seines Erfolgs angekommen zu sein. „Ich gehe nicht mit Wehmut. Wenn ich mich einmal entschieden habe, dann habe ich mich entschieden. Ich schaue nicht zurück, sondern nach vorne.“

Künftig Restaurantbetreiber

Der Vater zweier Töchter geht nicht ohne Plan. „Meine Familie und ich eröffnen in unserer Heimatgemeinde Brand am 1. Mai das Restaurant ,Gufer 55′“. Nachsatz: „Wir hoffen, dass uns viele Stammgäste von der Hütte beehren.“ Hinter dem Neuanfang steckt ein Kalkül: „Ich bin mit 54 Jahren nicht mehr der Jüngste und hoffe, dass meine letzten zehn Arbeitsjahre etwas gemächlicher werden als die vorangegangenen.“

Beck kann auf ein bewegtes Arbeitsleben zurückblicken. Der Brandner, der sich schon als Bub gerne in der Natur aufhielt und am liebsten wanderte und kletterte, erlernte den Beruf des Installateurs und arbeitete zehn Jahre lang in diesem Handwerk. Nach der Installateur-Lehre ließ er sich außerdem noch zum Berg- und Skilehrer ausbilden. Neun Jahre leitete Beck die Skischule in Brand. „Ich hatte bis zu 50 Skilehrer unter mir. Da lernte ich mit Menschen umzugehen.“

Die Idee, Hüttenwirt zu werden, kam ihm bei der Suche nach einer Sommerbeschäftigung. Im Jahre 1991 übernahm er mit seiner Frau die Mannheimer Hütte. „Aber sie hatte keine starke Besucher-Frequenz. Wir konnten nicht überleben.“ Also sahen sich die Becks nach einer anderen Hütte um. Ab 1996 bewirtschafteten die beiden die Totalphütte, ehe sie im Jahr 2000 die Lindauer Hütte übernahmen und sie zu einem Aushängeschild machten.

Thomas Beck

geboren 1. August 1965

Wohnort Brand

Familie verheiratet, zwei Töchter

Hobbies Skifahren, Berge, Lesen