Pläne in Hard sorgen für Wogen am Seeufer

Vorarlberg / 18.09.2019 • 19:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Groß angelegte Neugestaltungspläne für den Hafen- und Uferbereich in Hard erhitzen in der Bodenseegemeinde die Gemüter. Gemeinde
Groß angelegte Neugestaltungspläne für den Hafen- und Uferbereich in Hard erhitzen in der Bodenseegemeinde die Gemüter. Gemeinde

Gemeindechef will Bürger befragen, Opposition Volksabstimmung.

Hard Wie viele Millionen Euro das Ganze schlussendlich verschlingen wird und wann gebaut werden soll, steht freilich noch in den Sternen. Faktum ist, dass am Harder Seeufer große Pläne gewälzt werden. Im Rathaus von Gemeindechef Harald Köhlmeier hat das Großprojekt jedenfalls nicht nur Freunde. Während die Volkspartei des Bürgermeisters hinter dem Vorhaben steht und mit 17 der 33 Stimmen in der Gemeindevertretung die Mehrheit besitzt, lehnen die drei Listen Grünes Hard sowie Sozialdemokraten und die Harder Liste massive Eingriffe in die Hafen- und Uferlandschaft strikt ab und fordern eine Volksabstimmung. Ein Antrag wurde bereits am 4. September eingebracht.

Die Harder hätten sich bereits 2017 mit überwältigender Mehrheit gegen die Pläne des Bürgermeisters ausgesprochen, große Schiffe wie die Hohentwiel ins Binnenbecken einfahren zu lassen. „Trotz dieses Signals sind Großschiffe wieder zentrales Gestaltungselement der Hafenplanung“, kritisiert Gemeinderätin Eva Hammerer (Grüne). Um die Einfahrt großer Schiffe ermöglichen zu können, müsse unter dem Titel „Durchstich“ eine rund 9000 Quadratmeter große Fläche abgegraben werden. „Hier wird der Wille der Bevölkerung nicht ernst genommen. Deshalb ist eine weitere Abstimmung unumgänglich. Es braucht eine Sanierung von Hafen und Strandbad. Die geplante Umgestaltung schießt aber weit über das Ziel hinaus und entbehrt im wahrsten Sinne des Wortes jeglicher Bodenhaftung“, wettert Hammerer und erhält dabei Zustimmung von Anton Weber (Harder Liste) und Björn Riedmann (SP). Bei der Volksabstimmung sollen die Bürger die Frage „Soll im Zuge einer Neugestaltung des Seeufers die Landfläche zwischen Zoll- und Sporthafen erhalten bleiben?“ beantworten. In der Volksbefragung zum Ausbau, die Köhlmeier quasi im Gegenzug bei der heutigen Gemeindesitzung beschließen will, sieht sie einen politischen Schachzug. Der Gemeindechef erhoffe sich so eine Debatte über die Pläne im Wahlkampf im Frühjahr 2020 ersparen zu können.

Blick auf Gesamtprojekt wichtig

„Mit der Entwicklung des Hafen­areals bietet sich uns die einmalige Chance, ein für alle Harder bedeutendes Areal für kommende Generationen zu gestalten und attraktiver zu machen“, kontert der Bürgermeister. Aus dem von Experten begleiteten Prozess, „bei dem die Bevölkerung von Beginn an mit eingebunden war“, resultierten verschiedene Ideen, die in einem Entwurf eines Leitbildes zusammengefasst und im März 2019 präsentiert wurden. Teil dieses Leitbildes sei auch die Idee der Schaffung einer neuen Wasserfläche zwischen Sport- und Zollhafen. Dies stoße bei Teilen der Opposition auf Kritik. „Eine Volksabstimmung greift zu kurz, würden die Bürger doch nur über eine einzelne Idee entscheiden. Angesichts der Komplexität der Pläne sollte aber der Blick auf das Gesamte nicht außer Acht gelassen werden.“ Eine Volksbefragung sei daher das bessere Mittel. „Denn damit können die Harder darüber entscheiden, ob das entwickelte Leitbild, das derzeit nur Ideen, aber noch keine entscheidungsreifen Projekte enthält, weiterverfolgt werden soll“, schloss Köhlmeier, der vorbehaltlich des heutigen Beschlusses „noch heuer das Volk befragen will“. VN-TW

„Eine Abstimmung greift zu kurz, das Volk würde nur über eine einzelne Idee abstimmen.“

„Diese Umgestaltung schießt weit übers Ziel hinaus und entbehrt jeglicher Bodenhaftung.“