Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Sprach-Wahl

Vorarlberg / 18.09.2019 • 10:59 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

. . . und dann hat all das Wahlkämpfen doch noch sein Gutes: Just in der modernen Zeit, die all diesen Firlefanz wie Zeichensetzung und Groß- und Kleinschreibung zu Grabe trägt, in der die Abkürzung zur Norm erhoben und das ausgeschriebene Wort geächtet wird, gerade jetzt buhlen die Parteien mit Sprache um die Wählergunst.

All den Freibeutern von „cool“ und „geil“ treten die Politiker als Menschen entgegen, denen Wörter noch etwas wert sind. Weil sie nämlich „unsere Sprache sprechen“. Gerade im volkstümelnden Segment müsste das doch eine Rückbesinnung auf verlorenes Wissen bedeuten: Einer, der „das“ mit weichem und scharfem „s“ noch unterscheiden kann. Eine, die den Strichpunkt nicht nur kennt, sondern auch zu setzen weiß. Kurz – lauter Liebhaber des wirkmächtigsten Instruments, das der Mensch zu Diensten hat, der Sprache.

Also werden sich in den Wahlprogrammen wohl noch rechtzeitig Ziele einschleichen wie etwa die Erweiterung des täglichen Wortschatzes von 150 auf 300, ach was, auf 500 Wörter! Was wäre das ein Vergnügen und jede Bildungsreform obsolet. Wie jetzt? Alles falsch verstanden? Na, man wird doch noch träumen dürfen!