Haftstrafen für jugendliche Räuber

Vorarlberg / 19.09.2019 • 18:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Reuevoll und einsichtig: Einer der beiden Angeklagten vor Gericht. Eckert
Reuevoll und einsichtig: Einer der beiden Angeklagten vor Gericht. Eckert

16-jähriges Opfer hatte Todesangst und leidet heute noch an den Folgen.

Christiane Eckert

Feldkirch 8. Juli 2019, Mittagszeit. In Dornbirn locken zwei junge Männer einen 16-jährigen Bekannten in einen Hinterhof. Das Motiv, warum sie das tun, ist unterschiedlich. Einer der beiden, ein 17-Jähriger, ist eifersüchtig, weil das spätere Opfer seine Freundin kontaktiert hatte. Er will dem 16-Jährigen eine Abreibung verpassen. Sein 18-jähriger Kumpel hingegen will laut seinen eigenen Angaben beweisen, dass er ein „Held“ sein kann und einem Freund zur Seite steht. Außerdem – so seine Aussage vor der Polizei – will er auch nicht ganz umsonst „helfen“. Bei der Polizei gibt er später zu Protokoll: „Ich wollte ihn auch ausrauben, von den Schlägen allein habe ich ja nichts.“

Mit Pistole und Schlagring

Die beiden jungen Männer rauben dem Jugendlichen seine Bauchtasche, etwas Bargeld, seinen Kopfhörer und noch ein paar Dinge. Der 18-Jährige hält dem Opfer dabei eine Pistole an die Brust. „Dass es eine ungeladene Schreckschusspistole war, wusste der Überfallene ja nicht“, so Opferanwalt Sascha Lumper beim Prozess am Landesgericht Feldkirch. Nach dem Raub traktiert der Angreifer das Opfer noch vier Mal mit Fäusten. Der zweite Räuber sieht zu, bleibt im Hintergrund und nimmt schlussendlich ein paar Dinge der Beute an sich. Mehrere Prellungen und Platzwunden bescheren dem Opfer Schmerzen. Dazu kommen psychische Folgen. „Ich habe Albträume und schlafe schlecht“, nennt der Zeuge vor Gericht einige Probleme, weswegen er Hilfe in Anspruch nimmt. Auch der Kiefer tut ihm heute noch weh.

Reue vor Gericht

Die Verteidigung betont, dass der Erstangeklagte seit seinem achten Lebensjahr von einem „Aufmerksamkeitsdefizit“ (ADHS) betroffen ist und es immer schwer hatte. Staatsanwältin Konstanze Manhart glaubt nicht so recht an die Präsentation der beiden im Gerichtssaal. „Die beiden scheinen heute sehr reuig und einsichtig, doch es war keine Jugenddummheit“, so die Anklägerin. Der bewaffnete Raub war geplant und es gebe auch zu denken, dass der Erstangeklagte bereits zur Mittagszeit betrunken war. Weiters, dass beide Waffen zuhause haben und diese auch mitnahmen. Kurios schien, dass Opfer und Täter sich etwa eine Stunde nach der Tat wieder trafen, dabei wurden Sachen zurückgegeben und man „redete“ angeblich über den Vorfall.

 Haft für beide

Der Schöffensenat verurteilt die beiden unter anderem wegen schweren Raubes. Die Strafe: 18 Monate, zwölf davon bedingt für den Erstangeklagten. Der Zweitangeklagte bekommt zwölf Monate, acht davon bedingt. Das erste Urteil ist rechtskräftig, das des Zweitangeklagten noch nicht.