Kiesprojekt soll ungelöstes Verkehrsproblem beseitigen

Vorarlberg / 19.09.2019 • 22:44 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Vor vollbesetztem Saal im Veranstaltungszentrum Kom in Altach gingen zum Teil emotional geführte Debatten über Kiesabbau über die Bühne. Befürworter und Gegner des Abbaus blieben sich nichts schuldig.
Vor vollbesetztem Saal im Veranstaltungszentrum Kom in Altach gingen zum Teil emotional geführte Debatten über Kiesabbau über die Bühne. Befürworter und Gegner des Abbaus blieben sich nichts schuldig.

VN-Stammtisch zum Thema Kiesabbau in Altach mit knapp 400 Besuchern.

altach Am 1. Dezember 2019 stimmen die Altacher über ein Kiesabbauprojekt ab. Am Donnerstagabend beschäftigte sich damit ein von Marlies Mohr moderierter VN-Stammtisch im Altacher KOM vor knapp 400 Zuschauern.

Viele Fakten sind klar. Ab dem kommenden Jahr sollen auf einem Grundstück im Besitz der Gemeinde Götzis, das im Altacher Gemeindegebiet liegt, 1,5 Millionen Kubikmeter Kies abgebaut werden. Der Abbau soll in drei Etappen über 25 Jahre verteilt erfolgen. Sobald der erste Abschnitt nach etwa zehn Jahren ausgebaggert ist, wird dort Bodenaushub eingelagert. Auch dieser Prozeß dauert 25 Jahre. 35 Jahre lang werden also Lkw fahren und vom nahe an der Abbaustelle gelegenen Kieswerk den verarbeiteten Kies weg – beziehungsweise Bodenaushub zubringen. Der Naturschutz spricht sich nicht gegen das Projekt aus, eine Bewilligung scheint realistisch. Kieswerkbetreiber Franz Kopf verfügt über eine Betriebsgenehmigung für sein Werk. Er wird bei einem Nichtverfolgen des Abbauprojektes Rohkies zuführen müssen.

Was das für Altach bedeuten würde, machte Kopf klar: Es wären 5000 bis 6000 zusätzliche Lkw-Fahrten im Jahr. Und da das bestehende Abbaufeld, das mit Jahresende erschöpft ist, wieder aufgefüllt werden müsste, würden diese Fahrten in den nächsten zehn Jahren eine zusätzliche Belastung bedeuten. Es sei aber fraglich, ob das auf Dauer wirtschaftlich rentabel sei. Sein Betrieb sei gefährdet. Dass die Verkehrsbelastung mit einem Nein nicht besser würde, führt auch Bürgermeister Gottfried Brändle an, der darauf setzt, dass man mit dem Projekt einen Hebel hat, der helfen kann, eine Lösung für eine Anbindung an die Autobahnraststätte Hohenems zu erzielen. Eine  Lösung, die Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser für denkbar hält, in Tirol gebe es derartige Anbindungen. Vorarlberg sei in Gefahr ein massives Problem mit der Kiesversorgung zu bekommen. Deshalb setze man sich für eine Lösung ein, momentan fehle aber der Ansprechpartner im Verkehrsministerium.

Für Bernhard Weber, der die Volksabstimmung initiert hat, gibt es ein Glaubwürdigkeitsproblem. Bürgermeister Brändle verspreche seit Jahren eine Lösung, es sei aber nichts passiert. Auch Andreas Mayer, Anrainer an der stark betroffenen Unterhub-Straße, kritisiert die Gemeindepolitik. Die Straße sei maximal 3,7 Meter breit und damit für den Schwerverkehr ungeeignet. Der Verkehr emotionalisierte auch die Debatten. Brändle gibt zu, dass bisher keine Lösung gefunden wurde, wirft aber Weber vor, selbst keine Alternative anzubieten. Der Vorschlag des Bürgermeisters: Wenn bis 2024 keine genehmigungsfähige Lösung auf dem Tisch liegt, wird der Abbau gestoppt. Das könne in einem Gemeindevertretungsbeschluss bindend gemacht werden.

Weitere Problemfelder

Die Verkehrsproblematik überlagerte in der Diskussion andere Themenbereiche. So etwa die Rekultivierung, die, wie Weber kritisierte, bei einem alten Projekt nicht sachgemäß stattgefunden habe. Auch hier sieht er ein Glaubwürdigkeitsproblem. Von Naturschutzseite gibt es keine Einwände, erklärte Naturschutzanwältin Katharina Lins, die Wiese sei ökologisch nicht wertvoll.

Was Weber ebenfalls sauer aufstößt, ist, dass das Geschäft mit der Marktgemeinde Götzis noch nicht in trockenen Tüchern ist. In Wahrheit wisse man nicht, wie viel Geld von den genannten 35 Millionen Euro die Altacher bekommen würden: Sie müssten bei der Abstimmung ohne Verkehrslösung und ohne vorliegendes Geschäft abstimmen, kritisiert er. Dass der Götzner Bürgermeister Christian Loacker betont, dass es „genug Kies für zwei Gemeinden gibt“, reicht ihm nicht. Viele Fakten liegen auf dem Tisch, aber es bleiben Fragen offen. Keine leichte Aufgabe für die Altacher. Das Ergebnis, das verspricht Brändle, werde jedenfalls akzeptiert.

Besucher des Stammtisches stellten an die Podiumsmitglieder Fragen und brachten sich so aktiv in die Diskussion um das Für und Wider des Kiesabbaus ein.
Besucher des Stammtisches stellten an die Podiumsmitglieder Fragen und brachten sich so aktiv in die Diskussion um das Für und Wider des Kiesabbaus ein.