Plan.los . . .

Vorarlberg / 20.09.2019 • 17:27 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
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Unter diesem Motto kommen am 11./12.Oktober dieses Jahres Mitarbeiter aus allen Pfarrgemeinden des Landes in Dornbirn zusammen, um in einem sogenannten „Diözesanforum“ Wege der Kirche für die Zukunft zu diskutieren und gemeinsam zu erarbeiten. Gut so! Denn das Lernen voneinander ist eine Notwendigkeit, gerade heute mehr denn je.

Plan

„und Gott sah, dass es gut war!“, heißt es auf den ersten Seiten der Bibel. Was war gut? Gut war die gesamte, noch unvollkommene Schöpfung. Unvollkommen deshalb, weil es auch innerhalb der Schöpfung Weiterentwicklungen gab und gibt (Evolution), die bis zum heutigen Tag andauern – und darüber hinaus. Wie sehr die Welt und die Schöpfung noch unvollkommen sind, erleben wir Tag für Tag, an Hand der Naturkatastrophen, zum Beispiel. Und doch: Gedacht waren Schöpfung, Natur und Mensch gut! Dann kam er, der Mensch. „Adam“ können wir übersetzen als „die Menschheit“ und „Eva“ können wir übersetzen in „Leben“. Der Mensch wurde also, bekam als Geschenk die „Freiheit“ (zwischen Gut und Böse zu unterscheiden und in seiner Freiheit das Gute zu tun). Aber, so lesen wir, der Mensch missbrauchte diese gottgegebene Freiheit. Übrigens: Freiheit ist immer dort, wo Gutes geschieht; Böses schafft Unfreiheit und macht total abhängig. In seiner Freiheit, plant, werkelt, bestimmt nun der Mensch seine Zukunft. Wie sehr der Mensch, im Unterschied zum Tier, seine Zukunft plant, geht schon daraus hervor, dass eine Kuh noch nie einen Bausparvertrag oder eine Lebensversicherung abgeschlossen hat. In diesem Wissen hat der Mensch (wiederum im Unterschied zum Tier) eine Beziehung zu seinem Schöpfergott aufgebaut, um nach seinem Plan das Leben, die Erde und die Welt zu gestalten und zu formen. Allen Menschen sollte es gut gehen. Deshalb kam auch Jesus Christus in die Welt, um etwas deutlich zu machen: Gott meint es gut mit euch. Also bitte meint es auch gut miteinander und untereinander!

Planlos

agiert der Mensch dann, wenn er sich einzig und allein auf die Stufe des Tieres begibt. Das Tier ist festgelegt durch drei Instinkte: Fressen, Revierverteidigung und Fortpflanzung. Wenn ich heute in die Welt hineinschaue, werde ich das Gefühl nicht los, dass viele mit dem Plan Gottes nichts mehr anfangen können und dass sich viele auf der Stufe des Tieres festgesetzt haben. Dort, wo der Mensch Religion und Glaube ablehnt, läuft er Gefahr, etwas Wesentliches zu vergessen bzw. zu verdrängen. Er ist planlos unterwegs. Ihm genügen die Instinkte des Tieres: Fressen, Revierverteidigung und Fortpflanzung – also planlos, kulturlos und dadurch unmenschlich. Es genügt die Gier nach dem vollen Bauch – was immer man darunter auch verstehen könnte.

Plan.los

Getaufte und gefirmte Christen (falls sie ihre Taufe und Firmung wirklich ernst nehmen), sind nicht planlos unterwegs! Sie, die sie wiederum eine Gemeinschaft des Lebens (=Kirche) bilden, werden versuchen, miteinander diesen guten Plan Gottes umzusetzen, deutlich zu machen. Das ist in Zeiten wie diesen gar nicht so leicht. Das erleben wir hautnah an der Basis, in den einzelnen Pfarrgemeinden. Doch auch hier gibt es immer wieder Menschen, die durch ihr Tun andere in Erstaunen setzen können. Deshalb: Ja, los mit dem Plan! Hört auf, um euch selbst zu kreisen. Schaut nicht darauf, wie ihr „Macht und Einfluss“ vermehren könnt, sondern nehmt zuallererst den Menschen in seiner Suche nach Gott und die – durch menschliche Gier – geschundene Schöpfung war – und handelt!

Planvoll

Es gibt bei uns in Vorarlberg den bösen Spruch: „Es git Männle, Wieble und Schwarzaberger“ (Ich hoffe, in beleidige jetzt nicht die lieben Leute aus Schwarzenberg). Was heißt das aber für uns, als Kirche? Oha, es gibt Männer und Frauen – und Kleriker? *kopfkratz* Jeder Mensch, egal ob getauft, egal welcher Rasse, Religion, Nation und Sprache er auch angehören mag, ist ein Kind Gottes! Oha! *kopfkratz* Auch der, der aus der Kirche ausgetreten ist, ist ein Kind Gottes! (Deshalb habe ich als Priester – seit 1975) – auch noch jeden kirchlich beerdigt, auch wenn er aus der Kirche ausgetreten ist). Wer sich heute auf den Zölibat versteift, Frauen in ihrer Spiritualität nicht ernst nimmt, Gemeinden um ihre sonntägliche Eucharistiefeier beraubt, handelt planlos und nicht planvoll, begeht eigentlich kirchlichen Selbstmord. Man kann unserem bevorstehenden Diözesanforum nur den nötigen Heiligen Geist wünschen! Deshalb: ja, Plan – los!!!!

Roland Trentinaglia, Pfarrer in Hohenweiler, Hörbranz und Möggers.
Roland Trentinaglia, Pfarrer in Hohenweiler, Hörbranz und Möggers.