Sonntagsdemos zum Nachlesen

Vorarlberg / 20.09.2019 • 19:26 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Am 11. November 2018 fand die erste Sonntagsdemonstration statt. Seither gab es 24 weitere in ganz Vorarlberg.  VN/Lerch
Am 11. November 2018 fand die erste Sonntagsdemonstration statt. Seither gab es 24 weitere in ganz Vorarlberg.  VN/Lerch

92 gesammelte Reden der Sonntagsdemonstrationen sind erstmals als Buch erhältlich.

Hohenems Das vergangene Jahr kann mitunter gewiss als Demojahr bezeichnet werden. Nicht nur die mittlerweile weltumspannenden Friday-for-Future-Protestbewegung startete damals, auch in Vorarlberg begannen die Sonntagsdemonstrationen. Am 11. November 2018 fand die erste der von Klaus Begle initiierten Demos für eine „menschlichere Asylpolitik“ und ein „demokratisches Miteinander“ in Hohenems statt. Ausgangspunkt der zivilgesellschaftlichen Protestbewegung „uns reicht’s“ waren zwei Abschiebefälle im Vorjahr, die in Vorarlberg die Wogen hochgehen ließen.

Über 100 Redner

Seither fanden insgesamt 25 Sonntagsdemonstrationen statt, die von Teams in Hohenems, Rankweil, Bludenz, Dornbirn, Feldkirch, Hard und Götzis organisiert wurden, an denen laut Initiator Klaus Begle 20.000 Menschen teilgenommen haben. Über 100 Redner aus unterschiedlichen Bereichen, unter anderem Johannes Collini, Albert Lingg, Stephanie Gräve, Michael Köhlmeier, Thomas Schmidinger oder Walter Schmolly haben vor den Demonstranten gesprochen. Nun sind die insgesamt 92 Reden gesammelt als Buch vorgestellt worden, das ab diesem Wochenende in Vorarlbergs Buchhandlungen gekauft werden kann. „Es ist ein zeitgeschichtliches Dokument über den gesellschaftlichen Wandel in Vorarlberg“, erklären die Herausgeber Bernadette Vogt und Klaus Begle, die die Sonntagsdemonstration als einzigartig bezeichnen. Die Demonstrationen seien zwar ein wichtiges politisches Zeichen, die Reden seien aber nur den anwesenden Demonstranten zugänglich gewesen: „Gesprochenes Wort ist flüchtig. Mit dem Buch können wir hoffentlich auch Menschen erreichen, die aus verschiedenen Gründen nicht an den Demonstrationen teilnehmen konnten“, betont Bernadette Vogt.

Den Demonstranten ist mit der Ibiza-Affäre und dem daraus resultierenden Regierungswechsel der Protestgegenstand im Übrigen nicht abhandengekommen. Daran erinnert Begle bei der Buchpräsentation am Freitag: „Die Ziele sind noch nicht erreicht, immerhin werden weiterhin gut integrierte Lehrlinge und Asylwerber abgeschoben.“

 Begle verweist diesbezüglich auf das „3 plus 2“-Ausbildungsmodell nach deutschem Vorbild und fordert unter anderem verstärkte Integration und soziale Fürsorge, mehr Beratung und Prävention anstelle von Gewaltschutzpaketen sowie politisch unbefangene Beamte in BFA-Verfahren. Der Hohenemser Psychiater kritisiert dabei auch die vergangene und „vermutlich kommende“ Regierung, die den Weg der Verblendung gehe: „Kurz meinte, dass der Begriff christlich-sozial ohne Deutungshoheit sei.“ Außerdem habe die schwarz-blaue Regierung Stillstand gebracht: „Der Dialog zwischen Links und Rechts findet nicht mehr statt, so wie es zuletzt in den 1930er-Jahren passiert ist“, prangert Begle an.

Am kommenden Sonntag, 22. September, ab 10.30 Uhr findet die 26. Sonntagsdemonstration in Hohenems (Salomon-Sulzer-Platz) statt, wo der im Bucher-Verlag erschienene Band „Uns reicht’s. Reden der Vorarlberger Sonntagsdemonstrationen“ zum Verkauf (9,90 Euro) angeboten wird. VN-MIH

„Das Buch ist ein zeitgeschichtliches Dokument über den gesellschaftlichen Wandel.“