VN-Podcast mit Eva Grabherr: „In Österreich ist es hysterischer geworden, in Vorarlberg ruhiger“

Vorarlberg / 20.09.2019 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Integrationsexpertin Eva Grabherr sprach mit der VN-Woche über die Integration in Vorarlberg. VN/Steurer

Die Integrationsexperten spricht in der VN-Woche über den islamischen Friedhof, die Bemühungen der Politik und das Zusammenleben in Vorarlberg.

Bregenz Gerade in Wahlkampfzeiten ist Integration ein viel diskutiertes Thema, und das schon seit vielen Jahren. Zum Beispiel: Wie funktioniert das Zusammenleben der verschiedenen Gruppen in Vorarlberg? Wie sieht die Situation innerhalb der verschiedenen Zuwanderergruppen aus? Welche Fehler hat man früher gemacht? Und sind Deutschkenntnisse wirklich wichtig? Niemand könnte diese Fragen besser beantworten als Eva Grabherr. Die Russpreis-Trägerin leitet seit 2001 die Projektstelle okay.Zusammenleben, die sich der Integration im Land widmet. Eva Grabherr sitzt in ihrer Funktion zum Beispiel in einer Arbeitsgruppe zur Extremismusprävention, unter ihrer Federführung entstand die Vorarlberger Integrationsvereinbarung, sie schloss kürzlich eine Studie zu den Moscheevereinen im Land ab und steht in regelmäßigem Kontakt mit den Zuwanderergruppen selbst. Mit dem Podcast „VN-Woche, der Vorarlberg Podcast“ sprach sie ausführlich über das Thema und die Situation im Land.

Zur aktuellen Folge der VN-Woche mit Eva Grabherr.

Wer seit 2001 in diesem Bereich tätig ist, hat die Entwicklung in Vorarlberg miterlebt. Laut Grabherr hat sich viel verändert. „Es war damals etwas sehr Neues in Österreich, dass die Politik Stellen einrichtet für diese Frage“, erzählt sie im Podcast. „Es war eine Pioniersituation im ganzen deutschsprachigen Raum.“ Heute sei es keine Frage mehr, dass man Integration steuern müsse. Mittlerweile habe selbst der Bund ein Integrationsministerium. „Das war die letzte Ebene, die reagiert hat.“

Auch der islamische Friedhof geht auf die Initiative von okay.Zusammenleben zurück. Bisher wird er bekanntlich noch nicht gut angenommen. Für Grabherr ist das keine Überraschung. Schon damals sei diskutiert worden, ob man zunächst einen kleinen Friedhof bauen möchte. „Heute gibt es in vielen Familien Diskussionen darüber, wo die Eltern, also die erste Zuwanderungsgruppe, begraben werden soll.“ Die Jungen würden ihre Eltern gerne in Vorarlberg am Grab besuchen, die Eltern hingegen bei ihren Eltern in der Türkei begraben werden.

Eva Grabherr spricht mit der VN-Woche zudem über die Stimmung gegenüber islamischen Zuwanderern und wie sie sich seit den Terroranschlägen auf das World Trade Center im September 2001 verändert hat. Die Anschläge hätten auch die Arbeit im Integrationsbereich gewandelt. Insgesamt sei die Stimmung aber weniger hysterisch als in den Jahren 2006 bis 2010. „Gerade in der Phase der letzten Regierung wurde das Thema jedoch hoch hysterisch diskutiert und debattiert“, fährt sie fort. Natürlich brauche es eine Debatte über den politisch Islam. „Es geht aber darum, wie darüber diskutiert wird.“ Hier ortet sie einen Unterschied zwischen Österreich und Vorarlberg. „Es ist österreichweit hysterischer geworden, in Vorarlberg hat es sich aber ein bisschen beruhigt.“

Was Eva Grabherr ansonsten über die Vorschläge der Politik, das Zusammenleben der Nationen in Vorarlberg und fehlgeschlagene Integrationsbemühungen erzählt, hören Sie in der aktuellen Ausgabe der VN-Woche.