Wie Verkehrssünder mit modernster Technik ins Visier genommen werden

Vorarlberg / 21.09.2019 • 09:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Mit dem Abstandssystem-Trägerfahrzeug bestens ausgestattet: Chefinspektor Werner Rauch (re.) und sein Stellvertreter Jürgen Müllneritsch von der Verkehrspolizei. VN/PAULITSCH

Verkehrspolizei in Vorarlberg ist bereit zur Jagd auf Drängler, Raser, Gurtmuffel und Handysünder auf der Vorarlberger Autobahn A 14.

Schwarzach Das Abstandssystem-Trägerfahrzeug der Verkehrspolizei hat es buchstäblich in sich: zwei Hochleistungsrechner mit Bildschirmen fix installiert im Interieur, im Laderaum vier Kameras, Stative, Kabelrollen, Warndreiecke und Anhaltekellen. Zwei Beamte des Fachbereichs Abstandsmessung machen sich bereit. Bereit zur Jagd auf Drängler, Raser, Gurtmuffel und Handysünder auf der Vorarlberger Autobahn A 14.

Tat- und Identkameras

Chefinspektor Werner Rauch und sein Stellvertreter Jürgen Müllneritsch von der Verkehrspolizei gewähren den VN Einblick in die moderne Messtechnik dieses speziellen zivilen und unauffälligen Einsatzfahrzeuges, das zudem für die Kraftfahrer auf der Autobahn nicht sichtbar ist. Denn es steht abseits der Brücken, auf denen – und zwar sehr wohl erkennbar – die Videokameras in Stellung gebracht sind. Grundsätzlich sind es drei an der Zahl. Unter ihnen die „Tatkamera“. Sie nimmt den gesamten Kontrollbereich ins Visier. Dann noch zwei „Identkameras“, die sowohl die Kennzeichen erfassen als auch die beiden Fahrspuren genau überwachen. „Im Bereich Lauterach und Wolfurt, wo drei Fahrspuren vorhanden sind, setzen wir noch eine dritte Identkamera ein“, ergänzt Jürgen Müllneritsch.

Die Tat- und Identkameras, während des Messeinsatzes auf Autobahnbrücken postiert, liefern gestochen scharfe Aufzeichnungen.
Die Tat- und Identkameras, während des Messeinsatzes auf Autobahnbrücken postiert, liefern gestochen scharfe Aufzeichnungen.

Bis die Kameras angeschlossen und „scharf“ sind, vergehen etwa 30 Minuten. Die Dinger sind durch Kabel mit den Hochleistungsrechnern im Fahrzeug verbunden, denn „hier läuft nichts über Funk“, erklärt Werner Rauch.

„Wo drei Fahrspuren vorhanden sind, setzen wir noch eine dritte Identkamera ein.“

Jürgen Müllneritsch, Verkehrspolizei

Die Aufnahmen in hoher Auflösung werden in Echtzeit an die Rechner und Bildschirme übermittelt, vor denen im Trägerfahrzeug die beiden Beamten sitzen. Die Bilder sind gestochen scharf, sie zeichnen nicht nur das Fahrzeug, sondern auch das Kennzeichen und im Idealfall auch die Person, die hinter dem Steuer sitzt, auf.

Definierter Kontrollbereich

Spezielle Markierungen am Fahrbahnrand der A 14 dienen den Beamten als Orientierungshilfe. Ein breiter weißer Strich unmittelbar vor der Brücke stellt die „Nulllinie“ dar. 150 Meter weiter befindet sich ein zweiter Strich, der den Überwachungsbereich abschließt. Mithilfe einer Kontrollliene nach 40 Metern werden fehlerfreie Messungen gewährleistet. Denn genau darum geht es. Bei Abstandsmessungen zählt jeder Meter. Und jede Hundertstelsekunde. Schließlich ist bei einem zu kurzen zeitlichen Abstand zwischen zwei Fahrzeugen, also weniger als 0,8 Sekunden, für den nachfolgenden Lenker ein Bußgeld fällig. 0,8 Sekunden – das entspricht einem Abstandswert von 32 Metern. Bei weniger als 0,2 Sekunden zeitlichem Abstand droht der Führerscheinentzug.

Risiko mangelnder Abstand

Denn jeder achte Unfall mit Verletzten auf Autobahnen ist jedes Jahr die Folge von zu geringem Sicherheitsabstand, der zu den riskantesten Fehlverhalten zählt. Und in Kombination mit anderen Ursachen, etwa Ablenkung oder zu hohes Tempo, ist mangelnder Abstand die Mitursache bei fast jedem zweiten – auch tödlichen – Unfall.

Die Aufnahmen werden in Echtzeit an zwei Hochleistungsrechner im Trägerfahrzeug übermittelt.
Die Aufnahmen werden in Echtzeit an zwei Hochleistungsrechner im Trägerfahrzeug übermittelt.

In Vorarlberg führt die Verkehrspolizei drei- bis viermal pro Woche temporär mindestens sechs Stunden lang auf sieben Autobahnbrücken Abstandsmessungen durch. „Täglich verzeichnen wir dabei zwischen 120 und 750 Verstöße, je nach Verkehrsaufkommen“, sagen Rauch und Müllneritsch. Die elektronische Auswertung der Aufzeichnungen erfolgt in der Zentrale in der Landespolizeidirektion in Bregenz und wird dann zur weiteren Überprüfung nach Wien übermittelt. Rauch: „Die gespeicherte Datenmenge wird alle drei Jahre gelöscht. Und was nicht brauchbar ist sofort.“

Tetris-Challenge: Das Equipment der Blaulichtorganisationen

  1. Am Anfang stand ein Instagram-Foto aus der Drohnen-Perspektive der Kantonspolizei Zürich im Internet, das mittlerweile unter den Blaulichtorganisationen wie Exekutive, Feuerwehr oder Rettung in aller Welt einen regelrechten Boom auslöste. In einem „Hashtag“ namens „Tetris-Challenge“ sind Einsatzfahrzeuge, Beamte und Rettungskräfte zu sehen, die ihre Gerätschaften auf den Boden legen und damit demonstrieren, was sie so alles an Equipment für den Notfall mitführen. Davon inspiriert, werden auch die VN in einer Neuauflage ihrer XXL-Serie einen etwas anderen Blick auf das Rüstzeug und die Möglichkeiten der Vorarlberger Einsatzkräfte wie etwa Polizei, Rotes Kreuz, Feuerwehr, Militär, Berg- und Wasserrettung werfen.