Ein Pionier der Lebenshilfe

Vorarlberg / 22.09.2019 • 17:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Walter Tschegg legte sein Augenmerk auf Menschen am Rand der Gesellschaft.
Walter Tschegg legte sein Augenmerk auf Menschen am Rand der Gesellschaft.

Ehrenpräsident Walter Tschegg (82) verhalf vielen zu einem würdigen Leben.

Ernest Enzelsberger

GÖTZIS Am 10. September 2019 verstarb Direktor i. R. Walter Tschegg (82). Mehr als 40 Jahre war er ausschließlich ehrenamtlich in verschiedenen Funktionen für die Lebenshilfe Vorarlberg in der Gemeinde Götzis, der Region Kummenberg und in ganz Vorarlberg tätig. Seit 1970 hat der Götzner auf verschiedenen Organisationsebenen die Lebenshilfe mitinitiiert, aufgebaut und zuletzt auch als Präsident geführt. Dafür wurde er mehrfach hoch ausgezeichnet – zuletzt mit dem Leopold Bischof Ring.

Walter Tschegg wurde am 27. November 1937 im Sanatorium Mehrerau als ältester Sohn von fünf Kindern geboren. Er absolvierte die Pflichtschule in Götzis und anschließend die Handelsschule in Feldkirch. Erste berufliche Erfahrungen sammelte er im Büro der Firma Johann Peter Mayer Götzis. Anschließend wechselte er zur Raiffeisenbank in Götzis, wo er bis zum Bankdirektor aufstieg und bis zu seiner Pensionierung 1998 blieb.

Dort lernte er auch seine spätere Gattin Hedwig kennen, mit der er in Götzis ein Eigenheim errichtete.

Zur Lebenshilfe Vorarlberg kam Walter Tschegg durch einen Unglücksfall in der Familie. Der tödliche Verkehrsunfall seines Sohnes 1970 veranlasste den Familienvater zu einer Spende für die „Beschützende Werkstätte“ in Götzis. Ein Besuch dort veränderte das Leben des damals 33-Jährigen. „Die Situation der 14 Kinder in der Werkstätte ließ mich nicht mehr los“, erzählte Tschegg. Also krempelte er die Ärmel hoch und wurde 1971 Mitglied der Organisation, die er in vielen Funktionen mitgestaltete. In diese Zeit fällt die Eröffnung zahlreicher Werkstätten, Wohnanlagen und die Umstrukturierung der Lebenshilfe. „Gemeinsam mit meinen Kollegen habe ich viel erreicht“, freute sich Tschegg. „Dabei motivierte mich mein Leben lang der Leitspruch meines Vaters: ‚Man muss etwas tun und nicht fragen, was bekomme ich dafür‘“.

1997 gründete er den Verein Wohnheim Mittleres Rheintal, dessen Obmann er bis zu seinem Tod war.

Im Jahre 1998 musste Walter Tschegg einen weiteren tiefen Einschnitt in seinem Leben akzeptieren, als seine Gattin nur wenige Tage vor seiner Pensionierung verstarb.

1980 wurde ihm das Ehrenzeichen des Landes Vorarlberg verliehen, 2001 bekam er das Große Verdienstzeichen des Landes Vorarlberg.

2014 wurde er mit dem Leopold Bischof Ring ausgezeichnet. Dieser wird seit 2012 jährlich an eine Person vergeben, die sich im Gesundheits- und Sozialbereich des Landes besondere Verdienste erworben hat. „In einer materiell orientierten Welt hat Walter Tschegg schon sehr früh sein Augenmerk auf die Menschen am Rand der Gesellschaft gelegt und diesen zu einem würdigen Leben verholfen“, betonte dabei aks-Präsident Thomas Bischof, Sohn des aks-Gründers Obermedizinalrat Dr. Leopold Bischof. „Menschen wie Walter Tschegg tragen in einem hohen Maß zu unserem gesellschaftlichen Wohlstand bei. Sie machen unsere Welt lebenswerter und lebensfähiger.“

Walter Tschegg war auch Ehrenobmann des Obst- und Gartenbauvereins Götzis. Er liebte seinen wunderschönen Garten, in dem er so viel Zeit wie möglich verbrachte, und führte seinen Haushalt bis zum Tod komplett selbstständig. EE

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