Landesveterinär Greber zur TBC-Krise: „Haben nicht damit gerechnet“

Vorarlberg / 25.09.2019 • 07:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der TBC-Fall von Nüziders und die Folgen halten Landesveterinär Norbert Greber und seine Mitarbeiter in Atem.  VN/HARTINGER

Greber will nicht darüber spekulieren, welche Kreise der aktuelle Fall noch ziehen wird.

Bregenz Landesveterinär Norbert Greber und seine Mitarbeiter sind mit der Bearbeitung des aktuellen TBC-Falls im Walgau voll beschäftigt. Die Untersuchungen von Kontaktbetrieben der positiv getesteten Alprinder laufen. Es wird an den betroffenen Höfen noch zwei Nachuntersuchungen im Abstand von je zwei Monaten geben.

Wie gehen Sie mit dem TBC-Ereignis von Nüziders um?

Die veterinärrechtlichen Bestimmungen sehen im Falle des Auftretens von TBC in einem Landwirtschaftsbetrieb eine klare Vorgangsweise vor. Nach dieser wird mit Augenmaß und Sorgfalt vorgegangen. Im Besonderen geht es dabei auch darum, in dieser schwierigen Situation vor allem auch die betroffenen Bauernfamilien zu unterstützen und ihnen beizustehen.

Waren Sie überrascht, dass so etwas hat passieren können?

TBC hat es in Landwirtschaftsbetrieben immer schon gegeben und kann auch immer wieder auftreten. Durch die regelmäßigen TBC-Untersuchungen im Land wird ein wichtiger Beitrag geleistet, um die Tiergesundheit auf hohem Niveau und Überraschungseffekte möglichst hintan zu halten. Wir waren vom aktuellen Fall nicht überrascht, haben aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht damit gerechnet.

Im Rekord-TBC-Jahr 2016 wurden 81 Stück Vieh getötet, und es waren 13 Betriebe betroffen. Ist zu befürchten, dass 2019 ein neues Rekordjahr wird?

Wir verzeichnen neben dem jetzt betroffenen Betrieb mit 52 getöteten Tieren im bisherigen Jahr drei weitere diagnostische Tötungen und eine Schlachtung. Ob weitere dazu kommen, hängt von den laufenden Untersuchungen ab.

Wird eigentlich alles Fleisch, das in den Handel kommt, tiermedizinisch untersucht?

Für sämtliches in Verkehr gebrachtes Fleisch gilt: Vor jeder Schlachtung findet eine Schlachttieruntersuchung als sogenannte ‚Lebendtieruntersuchung‘ statt, wo der Gesundheitszustand des Tieres und allfällige äußerliche Veränderungen beurteilt werden. Weiters findet bei jeder Schlachtung ebenfalls durch einen amtlichen Tierarzt eine Fleischuntersuchung statt, um Lebensmittelsicherheit und Qualitätsstandards zu gewährleisten.

Um welchen Stamm handelt es sich bei der festgestellten Rinder-TBC und dem Erreger?

Die Untersuchungen zur Feststellung des Stammes sind derzeit noch im Gange. In zwei Monaten sollte ein Ergebnis vorliegen. Bei allen TBC-Fällen in Vorarlberg hatten wir es bisher immer mit dem Mycobacterium capere zu tun.

In welchen Regionen liegen die 30 Betriebe, die nun untersucht werden müssen?

Laut den derzeit vorliegenden Informationen befinden sich die 30 Betriebe mit Kontakttieren überwiegend im Vorarlberger Oberland und auch im TBC-Kerngebiet.

Gibt es bereits Erkenntnisse über die Kontaktbetriebe der geschlachteten Kuh?

Mit Bezugnahme auf die geschlachtete Kuh gibt es derzeit nur den bekannten betroffenen Betrieb im Walgau. Jungtiere des betroffenen Betriebes, welche heuer gealpt wurden, machen die betreffende Alpe zu einem Kontaktbetrieb. Derzeit gibt es keine anderen Kontaktbetriebe. Die auf besagter Alpe anwesenden Tiere werden dadurch zu Kontakttieren, welche einer Viehverkehrssperre unterliegen.

Wird dieser Fall mit dieser Dimension auf die veterinärmedizinische Begleitung und Kontrolle irgend einen Einfluss haben?

Nein, wir gehen, wie erwähnt, nach den geltenden veterinärrechtlichen Bestimmungen vor. Es werden aus Sicht der Veterinärbehörden derzeit keine zusätzlichen Maßnahmen für notwendig erachtet.

Wäre eine lückenlose Kontrolle aller Alptiere jetzt nicht sinnvoll?

Es werden jährlich bereits rund 8000 Tiere, die im TBC-Beobachtungsgebiet den Alpsommer verbringen, vorsorglich untersucht. Bei der betroffenen Alpe handelt sich um einen Betrieb im TBC-Beobachtungsgebiet. Dies beweist die Richtigkeit der aktuellen Praxis. Eine Ausweitung der Untersuchungen würde daher keine neuen Aufschlüsse erbringen und wird deshalb auch nicht für notwendig angesehen.

Wird es personelle Verstärkung für die Kontrollaufgaben brauchen?

Wir bekommen keine zusätzlichen Amtstierärzte. Wir müssen mit dem bestehenden Personal das Auslangen finden. Man muss wissen, dass ja nicht nur Amtstierärzte die Untersuchungen durchführen, sondern auch gewöhnliche Tierärzte in unserem Auftrag. Insgesamt sind 15 Tierärzte mit den Untersuchungen beschäftigt.