Messerattacke geschah unter Psychose

Vorarlberg / 25.09.2019 • 18:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Tatort in der Bregenzer Mariahilfstraße. VN/SOHM

Gewalteskalation mit vier Verletzten in Bregenz: Täter und zwei Opfer waren sich bekannt.

Bregenz Um ihrem Junior im Gastronomiegeschäft auszuhelfen, fuhr Adelheid Gutensohn (79) am Mittwoch um 8 Uhr wie jeden Tag zu ihrem Sohn Harald (39), dem Betreiber von „Harry`s Café“, in die Mariahilfstraße in Bregenz. Doch dieser Morgen war anders als gewöhnlich: „Da waren Polizeiautos und viele Beamte vor Ort“ schilderte sie den VN, „und ich sah, wie sie einen jungen Mann am Arm hielten und in einen Einsatzwagen verfrachteten.“

Bei dem Festgenommenen handelte es sich um keinen Unbekannten. Er war schon öfters wegen psychischer Probleme aufgefallen. Und auch der Grund für einen Polizei- und Rettungseinsatz in der Nacht zuvor. Am Dienstagabend hatte sich der 24-Jährige in einer der Wohnungen über dem Café mit zwei Frauen im Alter von 45 und 66 Jahren unterhalten. Bis die Diskussion gegen 23.15 Uhr in einem Angriff eskalierte. Der junge Mann griff plötzlich zu einem Jausenmesser und verletzte die beiden Frauen durch Stiche in Arme und den Rücken. Laut Information der Polizei waren sich der Täter und seine beiden Opfer schon seit Längerem bekannt.

„Zigaretten geschnorrt“

Der junge Mann hatte seine Unterkunft im selben Wohnblock, obwohl: „Ich glaube nicht, dass er hier schon lange wohnt“, erzählt Harald Gutensohn, „mir jedenfalls ist er vor wenigen Wochen das erste Mal aufgefallen. Er hat damals ein paar Zigaretten bei mir geschnorrt.“ Auch eines der Opfer ist dem Lokalinhaber und seiner Mutter bekannt. „Sie sprach immer wieder Leute an. Mir hat sie schon kirchliche Briefe geschickt“, so der 39-Jährige zu den VN. Dem Vernehmen nach könnte auch ein religiöser Hintergrund die Ursache der plötzlichen Auseinandersetzung gewesen sein, die sich auf unheilvolle Art fortsetzte.

Adelheid Gutensohn wurde zur Augenzeugin der Festnahme des 24-jährigen Tatverdächtigen, der auch ihrem Sohn Harald kein Unbekannter war.
Adelheid Gutensohn wurde zur Augenzeugin der Festnahme des 24-jährigen Tatverdächtigen, der auch ihrem Sohn Harald kein Unbekannter war.

Denn kurz nach dem Angriff flohen die verletzten Frauen in die Wohnung einer 62-jährigen Nachbarin, die – noch an ihrer Eingangstüre stehend – zum nächsten Opfer des Tobenden wurde. Auch ihr versetzte der 24-Jährige einen Stich in den Arm.

Opfer durch Zufall

Danach verließ der Täter den Wohnblock und traf auf einen 48-jährigen Passanten. Nach einer kurzen verbalen Auseinandersetzung stach der Flüchtige gleich mehrmals mit dem Messer auf den Mann ein und fügte ihm lebensbedrohliche Verletzungen im Bauchbereich zu. „Der 48-Jährige war genauso wie die 62-jährige Nachbarin rein zufällig zum Opfer des Täters geworden“, sagte Polizeisprecher Horst Spitzhofer. Der verletzte Passant befindet sich mittlerweile außer Lebensgefahr, die drei weiteren Opfer konnten das Landeskrankenhaus Bregenz nach ambulanter Behandlung verlassen. Die Fahndung nach dem 24-jährigen Tatverdächtigen verlief während der Nacht negativ, der offensichtlich psychisch schwer beeinträchtigte Mann konnte allerdings am Morgen in seiner Wohnung angetroffen und festgenommen werden. Die weitere Bearbeitung des Falls obliegt der Polizeiinspektion Bregenz, das Landeskriminalamt wird aufgrund der geklärten Sachlage nicht mit eingebunden.