Rinder-TBC übertragbar auf Menschen

Vorarlberg / 25.09.2019 • 20:12 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Tuberkulose: In Österreich trifft das circa 500 Menschen jährlich. dpa
Tuberkulose: In Österreich trifft das circa 500 Menschen jährlich. dpa

Ein großes Gefahrenpotenzial sieht Landessanitätsdirektor Dr. Wolfgang Grabher aber nicht.

BREGENZ Die unlängst entdeckten Fälle von Rinder-TBC in einem Walgauer Betrieb führen unweigerlich zur Frage: „Wie gefährlich kann Rinder-TBC bzw. die Existenz des Erregers für Menschen sein? Antworten darauf weiß Landessanitätsdirektor Dr. Wolfgang Grabher (55).

Suche nach dem Stamm

„Im Zusammenhang mit dem Rinder-TBC-Fall von Nüziders wissen wir derzeit noch nicht, um welchen Stamm es sich handelt“, schickt Grabher voraus. Grundsätzlich gebe es drei Typen von TBC-Erregern: das Mycobacterium tuberculosis humanus, das Mycobacterium tuberculosis bovis und das Mycobacterium tuberculosis caprae. „Alle drei Typen können sowohl für Mensch als auch für Tier Auslöser für Tuberkulose sein“, erklärt Grabher.

Zumeist erfolge die Ansteckung über den Atem als sogenannte Tröpfcheninfektion. Die Übertragung des Erregers ist auf alle Arten möglich. Das heißt: Tiere übertragen auf Tiere und Menschen, Menschen auf andere Menschen, aber auch auf Tiere. Dabei können alle Erregertypen übertragen werden. „Bei den Menschen erfolgt die Infizierung aber zumeist durch das Mycobacterium humanus“, betont Grabher. Auf 100.000 Einwohner kamen österreichweit in den vergangenen Jahren durchschnittlich fünf bis sechs Tuberkulose-Fälle. „479 neue Fälle von Tuberkulose bei Menschen verzeichneten wir österreichweit 2018. In Vorarlberg waren es zwischen 15 und 20. Nur zwei der menschlichen Ansteckungen erfolgten 2018 durch das Mycrobacterium caprae“, präzisiert Grabner. 2017 lag den 517 Fällen von Tuberkulose je einmal das Mycobacterium bovis und das Mycobacterium caprae zugrunde.

Menschen untersucht

Sicherheitshalber werden alle Menschen, die mit TBC-Rindern in Verbindung treten, zu einer Untersuchung eingeladen. „Das ist kein Zwang, aber diese Einladung nehmen in der Regel immer alle an. Viele haben Angst, dass sie sich angesteckt haben könnten, und wollen eine Abklärung“, berichtet der Landessanitätsdirektor. Auch im aktuellen Fall sind jene Personen, die mit den TBC-Tieren Kontakt hatten, zu einer Untersuchung eingeladen.

Es ist freilich nicht nur die Rinder-TBC, die als potenzielle Krankheitsgefahr durch Tiere für den Menschen existiert. „Da gibt es Salmonellen, Fuchsbandwurm, Toxoplasmose, Schweinegrippe, Vogelgrippe und Campylobacter“, listet Grabher auf. Vor allem letztere Infektion sei mittlerweile häufig vertreten. Symptom: Durchfall.

Keine Seuche ante portas

Todesgefahr, so Grabher, gehe für den Menschen bei genannten Erregern in der Regel nicht aus. Die zwingend tödlich endende Creutzfeld-Jakob-Erkrankung, ausgelöst durch den Konsum von verseuchtem Rindfleisch, ist da die Ausnahme. Allerdings: „Die kommt praktisch kaum vor“, beruhigt Grabher.

Aktuell sehe er keine Tierseuche auf uns zukommen. „Nur kann sich das halt schnell ändern, wie die Vergangenheit schon gezeigt hat“, betont der Landessanitätsdirektor.

„Bei den Menschen gab es 2018 österreichweit 479 Fälle von Tuber­kulose.“