Über den Tod hinaus Gutes tun

Vorarlberg / 26.09.2019 • 19:15 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Zur Trauer um den Verstorbenen müssen sich Hinterbliebene mit den rechtlichen Seiten des Todes auseinandersetzen. Ein Testamt schafft diesbezüglich Klarheit.  
Zur Trauer um den Verstorbenen müssen sich Hinterbliebene mit den rechtlichen Seiten des Todes auseinandersetzen. Ein Testamt schafft diesbezüglich Klarheit.  

Bei Testamentsspenden hat Vorarlberg noch kräftig Aufholbedarf.

bregenz Spendenbereit sind sie ja, die Vorarlberger, aber nur zu Lebzeiten. Testamentsspenden kommen für die meisten nicht infrage. Laut aktueller Umfrage können sich lediglich vier Prozent vorstellen, ihr Geld einer gemeinnützigen Organisation zu hinterlassen. „Der niedrigste Wert im Bundesländervergleich“, wie Markus Aichelburg bei einem Pressegespräch konstatierte. Er ist Projektleiter der Initiative „Vergissmeinnicht“, die seit 2012 österreichweit über Vermächtnisse für den guten Zweck informiert. Inzwischen gehören der Initiative 86 Organisationen an, welche die gesamte Palette der Zivilgesellschaft abbilden. Aus Vorarlberg sind lediglich zwei vertreten. Aktuell hat sich die Leukämiehilfe „Geben für Leben“ von Russ-Preisträgerin Susanne Marosch eingeklinkt. Sie sprach von einem Tabuthema, dem auch sie sich anfangs nur zögerlich genähert habe. Inzwischen befindet Marosch: „Es ist eine wunderbare Sache, über den Tod hinaus etwas Gutes tun zu können.“

Zögerlich bei der Regelung

Mit der Regelung ihrer Hinterlassenschaft haben es die Vorarlberger insgesamt nicht eilig. Wie Richard Forster, Präsident der Notariatskammer für Vorarlberg und Tirol, aus der Erhebung zitierte, liegt das westlichste Bundesland bei den Testamentserstellungen mit 24 Prozent an drittletzter Stelle. Vor allem bei jungen Leuten fehle das Problembewusstsein. Bei kinderlosen Personen ist das eher gegeben. „Sie wollen nicht, dass ihr Geld an den Staat fällt“, erklärte Forster. Genau das passiert aber, wenn kein Testament vorliegt. Auf diese Weise lukrierte der Staat in den Jahren 2008 bis 2017 über 34 Millionen Euro. Oder es kommen ungeliebte Verwandte in den Genuss des Erbes. Erst bei Krankheitsfällen und im Alter wird die Testamentsfrage wieder aktuell.

Weiblich und religiös

Bei Testamentsspenden ist Vorarlberg allerdings Schlusslicht. Überhaupt wissen laut Markus Aichelburg nur 55 Prozent darüber Bescheid. „Dabei haben die Vorarlberger einen starken persönlichen Bezug zu gemeinnützigen Organisationen“, verdeutlichte er die Diskrepanz. Ungeachtet dessen wurden 2018 rund 63 Millionen Euro über Vermächtnisse gespendet. Das entspricht immerhin zehn Prozent des Spendenaufkommens. Im Durchschnitt bedenken Testamentsspender zwischen drei und sieben Organisationen. Sie sind tendenziell alleinstehend, weiblich und haben einen religiösen Hintergrund. Die Summen liegen zwischen 50.000 und 100.000 Euro. Südwind-Vertreterin Ines Zanella ist froh über jeden Testaments-Euro. „Das Geld ermöglicht uns, die Bildungs- und Kampagnenarbeit weiterzuführen, wenn Förderungen auf sich warten lassen.“ Den Spendern ist meist daran gelegen, einen Beitrag zum Erhalt der Organisation zu leisten oder der Gesellschaft etwas zurückzugeben. VN-MM

„Testamentsspenden sind ein Tabuthema. Auch ich musste mich erst annähern.“