4000 demonstrierten für den Klimaschutz

Vorarlberg / 27.09.2019 • 20:57 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Es war die größte Klimakundgebung in der Geschichte des Landes, die zwei Tage vor der Nationalratswahl über die Bühne ging. VN/Steurer
Es war die größte Klimakundgebung in der Geschichte des Landes, die zwei Tage vor der Nationalratswahl über die Bühne ging. VN/Steurer

Rekordbeteiligung beim Earth Strike am Freitag in Bregenz.

Bregenz Es ist ein ungewöhnlicher Anblick, der sich Passanten und Anrainern in der Bregenzer Innenstadt bietet. 4000 Menschen, überwiegend Jugendliche, ziehen vom Bregenzer Bahnhof der Seestraße entlang. Gekommen sind sie, um für eine Kehrtwende in der Klimapolitik zu demonstrieren. Die Transparente der Teilnehme sprechen eine eindeutige Sprache: „System change, not climate change“, „Die Dinosaurier dachten auch, sie hätten Zeit“ oder „You want us to study for a future that we won’t even have“ ist auf den bunten Plakaten zu lesen. „Die Schüler haben bereits in den vergangenen Tagen gefragt, ob sie im Unterricht Plakate für den Streik gestalten dürfen“, sagt ein Lehrer der HLW Rankweil, der mit einer Klasse an der Demonstration teilnimmt.

Bisher rechtswidrig

Bereits im Vorfeld war mit einem großen Ansturm gerechnet worden, denn während die Teilnahme an einem solchen Streik bisher rechtswidrig war, hat Bildungsministerin Iris Rauskala vergangene Woche einen Erlass für alle Schulen in Österreich herausgegeben. Dieser ermöglichte es, dass Schüler an dem Streik im Rahmen einer schulbezogenen Veranstaltung oder einer Schulveranstaltung unter Beaufsichtigung von Lehrpersonen teilnehmen können (die VN berichteten).

Dass es laut Polizeiangaben 4000 Teilnehmer alleine in Bregenz sind, überrascht selbst Streik-Mitorganisator Aaron Wölfling. Weil der Andrang so groß ist, verzögert sich der Start um einige Minuten. Auf dem Weg über die Seestraße werden mit dem Megaphon Sprüche von den Jugendlichen skandiert: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut!“

Mitten unter ihnen Heidi Haas. Die Lehrerin von der Montessori-Schule Altach ist mit 14 Schülern bei dem Streik dabei. Ob sie es befürwortet, dass die Jugendlichen für das Klima auf die Straße gehen? „Ja, ich finde es wichtig, dass sich die Schülerinnen und Schüler für Nachhaltigkeit und Klimaschutz einsetzen.“ Auch im Schulalltag werden Aspekte des Umweltschutzes thematisiert, betont die Lehrerin: „Wenn zum Beispiel Kinder mit Jause, die in Alufolie eingewickelt ist, in die Schule kommen, dann besprechen wir mit ihnen, warum das im Sinne des Umweltschutzes vermieden werden sollte.“

Friedliche Proteste

Nach kurzem Marsch über die Seestraße, vorbei an Kunsthaus und Landestheater, kommen die zahlreichen Demonstranten am Vorplatz des Vorarlberger Landhauses an, wo eine junge Frau John Lennons „Imagine“ anstimmt. In den Ansprachen wird eine sofortige Kehrtwende in der Klimapolitik gefordert. Den Abschluss des Streiks bildet eine Podiumsdiskussion mit den Vorarlberger Kandidaten für den Nationalrat.

Auch abseits des Demozuges stehen Passanten, machen Videos und Fotos der vorbeiziehenden Menschenmasse. „Das Schöne ist, dass die Jugendlichen den Wert der Erde erkannt haben und gemeinsam in eine Richtung laufen. Es ist ein völlig friedlicher Protest“, sagt eine Beobachterin. Auch die Polizei zeigt sich zufrieden, die Kundgebung sei ohne Zwischenfälle verlaufen.

Subgruppen

Mit dabei bei dem Großstreik am Freitag sind auch die Vorarlberger Vertreter der Parents for Future. „Ich war vergangene Woche in Berlin bei der Großdemo mit 120.000 Menschen. Es ist eine einzigartige, weltweite Bewegung, die schon viel erreicht hat und noch viel bewegen wird“, ist Markus Hämmerle, Mitinitiator der Vorarlberger Parents for Future, überzeugt. Mittlerweile gibt es eigene Subgruppen aus verschiedenen Berufssparten der „Fridays for Future“-Bewegung, etwa die Scientists for Future, Teachers for Future oder die Creatives for Future, die sich allesamt ebenfalls für den Klimaschutz einsetzen. Der Earth Strike war der Abschluss der Week for Future. Auch die „Fridays for Future“-Initiative in Vorarlberg hatte diese Woche mehrere Aktionen organisiert.

So demonstrierten Jugendliche etwa vergangenes Wochenende 24 Stunden vor dem Landhaus, am Mittwoch trugen einige Aktivisten schwarz gekleidet einen großen Sarg mit der Aufschrift „Future“ durch Bregenz und pflanzten gemeinsam Bäume.

Nele Tschaikner (17) ist bei wöchentlichen Treffen der Bewegung dabei.

Nele Tschaikner (17) ist bei wöchentlichen Treffen der Bewegung dabei. „Die wissenschaftlichen Berichte zum Klimawandel machen mir Angst. Es ist schade, wenn Leute behaupten, wir würden nur streiken, um Schule zu schwänzen“, sagt sie.

Anna Klinger (17) aus Bizau engagiert sich seit den Sommerferien für Fridays for Future:

Anna Klinger (17) aus Bizau engagiert sich seit den Sommerferien für Fridays for Future: „Jeder kann selbst etwas für den Klimaschutz machen. Aber es müssen endlich politische Maßnahmen gesetzt werden, die den wirklichen Umschwung bringen.“

Der 18-jährige Aaron Wölfling hat die „Fridays for Future“-Bewegung in Vorarlberg mit aufgebaut. Beim Klimagipfel in Lausanne arbeitete er mit Greta Thunberg in einer Gruppe. „In Vorarlberg fordern wir unter anderem den Stopp von fossilen Großprojekten.“

Der 18-jährige Aaron Wölfling hat die „Fridays for Future“-Bewegung in Vorarlberg mit aufgebaut. Beim Klimagipfel in Lausanne arbeitete er mit Greta Thunberg in einer Gruppe. „In Vorarlberg fordern wir unter anderem den Stopp von fossilen Großprojekten.“