Wallner baut sein Team um

Vorarlberg / 27.09.2019 • 22:06 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Kommunikationsberaterin Martina Rüscher wird Christian Bernhard in der Landes­regierung nachfolgen.
Kommunikationsberaterin Martina Rüscher wird Christian Bernhard in der Landes­regierung nachfolgen.

Marco Tittler wird Wirtschaftslandesrat und Martina Rüscher rückt in Regierung auf.

Bregenz Es ist ein heikles Thema für Landeshauptmann Markus Wallner: die Nachbesetzung des Schlüsselresorts Wirtschaft in der künftigen Landesregierung. Heikel vor allem deshalb, weil Wallner noch vor der Landtagswahl Klarheit schaffen will, wer dem 64-jährigen Karlheinz Rüdisser nachfolgt. Und heikel auch, weil es sich vor einer geschlagenen Wahl ja nicht gehört, Posten zu verteilen. Nach VN-Informationen ist die lange Suche nach dem neuen Wirtschaftslandesrat beendet: Marco Tittler (43), seit Anfang 2018 stellvertretender Direktor der Wirtschaftskammer in Feldkirch und Leiter der Wirtschaftsabteilung, wird in die großen Fußstapfen von Rüdisser treten. Hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen für Tittlers Präsentation am kommenden Mittwoch. Einige Personen waren im Gespräch gewesen: darunter Jimmy Heinzle (WISTO), Industrie-Geschäftsführer Matthias Burtscher oder WKV-Vizepräsidentin Petra Kreuzer. Andere wie der Egger Bürgermeister Paul Sutterlüty oder Bundesrat Magnus Brunner hatten offenbar rasch abgewunken.

Gegen „Verhinderungslobby“

Seine Nominierung fällt in eine Zeit, in der das Verhältnis zwischen Umwelt und Wirtschaft in Vorarlberg nicht geklärt ist. In der Wirtschaftskammer-Zeitung „Thema Vorarlberg“ bemängelte er 2018 die Vorgänge rund um die gescheiterte Ölz-Ansiedlung in Weiler und den Kiesabbau an der Kanisfluh: „Die Politik hätte eigentlich die Aufgabe, sich klarer und früher zu positionieren.“ Das Zögern, Abwarten gebe Gegnern von Projekten Aufwind. „Vielmehr braucht es einen Plan, wohin sich das Land entwickeln soll, auch über das Format Bürgerbeteiligung. Die Politik muss dann aber in weiterer Folge Entscheidungen treffen. Stattdessen sieht sie sich ohnmächtig einer zunehmenden Verhinderungslobby gegenüber“, so Tittler damals.

In den letzten Monaten klang das versöhnlicher, zum Beispiel bei der Ausrufung des Klimanotstands in Vorarlberg: „Ich bin überzeugt davon, dass wir in Vorarlberg eine Modellregion ,bauen‘ können, in der sich eine intakte Umwelt, höchste Lebensqualität und eine erfolgreiche Wirtschaft mit Arbeitsplätzen und Einkommen für (fast) alle nicht gegenseitig ausschließen, sondern perfekt miteinander harmonieren.“ Tittler wurde zuletzt auch in das Verhandlungsteam zur Uni-Kooperation mit St. Gallen berufen (die VN berichteten). Er soll als vergleichsweise junger Kandidat auch Digitalisierungsthemen aktiver vorantreiben, als das geschehen ist.

Rüscher statt Bernhard

Auch für den scheidenden Gesundheitslandesrat Christian Bernhard lief in der Ländle-ÖVP das Casting: die Landtagsvizepräsidentin und Bregenzerwälder Kommunikationsberaterin Martina Rüscher (46) – schon bisher Gesundheitssprecherin der ÖVP – wird den Arzt Bernhard beerben, wie nun aus Regierungskreisen zu vernehmen ist. Dass Rüscher gute Karten hat, darüber haben die VN bereits mehrfach berichtet. Wobei auch Landtagspräsident Harald Sonderegger über längere Zeit als Favorit für das Erbe von Bernhard galt. Sich selbst ins Spiel gebracht hatte VGKK-Obmann Manfred Brunner. Weil Brunner sich im Vorfeld der Pläne einer Zusammenlegung der Kassen überaus kritisch geäußert hatte, soll sich Wallner von ihm abgewandt haben. „Brunner hat sich aber zu weit aus dem Fenster gelehnt. Deshalb fiel er durch“, heißt es in der ÖVP. Rüscher hat jetzt ein ordentliches Arbeitspaket: die stärkere Integration des Dornbirner Stadtspitals in die Struktur der Landeskrankenhäuser ist eines der Themen für die kommende Regierung. Die Umbauten im Team wurden notwendig, weil der beliebte und vor allem in der Wirtschaft des Landes geschätzte Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser wie auch Christian Bernhard seinen Polit-Rückzug nach der Legislaturperiode angekündigt hatte. Erst kurz zuvor hatte Wallner mit Erich Schwärzler eine Allzweckwaffe verloren.

Betriebswirt Marco Tittler gilt als definitiver Nachfolger von Langzeit-Regierungsmitglied Karlheinz Rüdisser.
Betriebswirt Marco Tittler gilt als definitiver Nachfolger von Langzeit-Regierungsmitglied Karlheinz Rüdisser.

Zur Person

Mag. Marco Tittler

Geboren 1976 in Innsbruck, ­aufgewachsen in Bregenz

Ausbildung Matura an der HAK Bregenz, BWL-Studium an der ­Wirtschaftsuniversität in Wien, Magister

Beruflicher Werdegang April 2005 Eintritt in die Wirtschaftskammer Vorarlberg, im Gründerservice für den Bereich Betriebsnachfolge und den Sektor Forschung sowie Entwicklung und Technologie hauptverantwortlich, derzeit als Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung in der Wirtschaftskammer in Feldkirch

Martina Rüscher

Geschäftsführerin von VIA3 Communications

Geboren 1972 in Innsbruck

Ausbildung HBLA in Innsbruck, Matura, Fachakademie in Salzburg zum Thema Wirtschaft und Fremdsprachen

Beruflicher Werdegang zwei Jahre bei Handl-Speck als Verkaufsleiterin im Innendienst; Einkäuferin bei einem Werbemittelunternehmen; Zumtobel-Staff im Bereich Marketing, Kommunikation, Selbstständigkeit

Familie verheiratet, drei Kinder

Hobbys Reisen, Lesen, Sport.