Hinrichtung am Hochhäderich

Vorarlberg / 28.09.2019 • 13:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Mai 2010 liquidierte ein Türke den unliebsamen Freund seiner Tochter mit einem Kopfschuss. MOHR

VN-Serie Teil 12: Norbert Schwendinger, Morddezernatsleiter in Pension, erzählt.

Langenegg Der 56-jährige Türke war Vater von fünf Kindern und hatte in seinem Heimatland einst die Polizeischule besucht. In Vorarlberg hingegen ging er keiner Beschäftigung nach. Vielmehr nutzte er die Zeit, das Leben seiner 29-jährigen Tochter zu kontrollieren. Und das auf äußerst dominante Weise. Auf eine Art, die schlussendlich in einem mörderischen Schlussakt eskalieren sollte.

Verhängnisvoller Zufall

Die Liebschaft seiner Tochter mit dem 26-jährigen Österreicher Bekir C. war ihm ein Dorn im Auge. Am Abend des 27. Mai 2010 hatte der junge Mann ein Treffen mit der Frau in deren Wohnung in Langenegg vereinbart. „Der Zufall wollte es, dass der Vater in jener Nacht bei der Unterkunft seiner Tochter vorbeifuhr. Als er sah, dass sie Besuch hatte, parkte er auf dem Vorplatz und stellte den 26-Jährigen zur Rede“, erinnert sich der damalige Chefermittler Norbert Schwendinger. Doch es blieb nicht bei einem Gespräch. Schwendinger: „Schließlich schlug der 56-Jährige dem jungen Mann mit der Faust gegen den Kopf, packte ihn an der Kleidung und zerrte ihn ins Auto.“

Und dann wollte es das Schicksal, dass auch der 17-jährige Sohn des Tobenden vor Ort erschien. „Der wutentbrannte Vater hat seinen Jungen dann praktisch beauftragt, ihm bei seinem Vorhaben beizustehen“, sagt der ehemalige Morddezernatsleiter. Mit dem entführten Bekir C. ging die Fahrt in Richtung Hochhäderich.  „Um dort ein Exempel zu statuieren. Um zu zeigen, wer hier der Herrschende ist“, so Schwendinger zum Motiv des Familienvaters.

Es war ein tödliches Exempel. Auch wenn es damals keine unmittelbaren Zeugen der Tat gab, so stand am Schluss der Ermittlungen doch eines fest: „Der 56-Jährige ging mit Bekir C. am Waldrand zu einer Baumgruppe und hat ihm dort mit dem Revolver in den Kopf geschossen. Sein Sohn hat das zwar nicht gesehen, uns später aber erzählt, dass er einen Schuss gehört habe“, erinnert sich Schwendinger. Anschließend fuhr der Täter zum Sportplatz in Krumbach, um dort die Waffe zu verstecken. „Tatsächlich haben wir den Revolver später dort aufgefunden, eingewickelt in Zeitungspapier“, so der damalige Chefermittler.

Wegen der von der Tochter inzwischen angezeigten Entführung von Bekir C. war die Polizei bereits aktiv geworden. Noch ahnungslos über das brutale Geschehen am Hochhäderich, konzentrierte sich die Fahndung auf den türkischen Vater, der dann tatsächlich auch in Langenegg angetroffen wurde.

Lebenslängliche Haftstrafe

Seit der Tat waren 40 Stunden vergangen. Doch jetzt fand ein Passant die Leiche von Bekir C., und der Kreis begann sich zu schließen. Der 56-Jährige geriet sofort unter Verdacht, doch er schwieg. Trotz erdrückender Beweise war er nie geständig. Auch nicht bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch. Doch die Geschwornen waren sich einig. Der Angeklagte hatte einen „Ehrenmord“ begangen und wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Sein Sohn musste für ein Jahr ins Gefängis – wegen Unterlassung der Verhinderung einer Straftat und Freiheitsentziehung.