Die Schattenseite des Wohlstands

Vorarlberg / 30.09.2019 • 18:13 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Reinhard Bertsch, Primus Huber und Thomas Gamon beim Vortrag in Nenzing. EM
Reinhard Bertsch, Primus Huber und Thomas Gamon beim Vortrag in Nenzing. EM

Archivar Thomas Gamon über die Veränderung der Kulturlandschaft.

Schruns Das Klima verändert sich. Weltweit, aber auch in jeder einzelnen Region für sich. Der Nenzinger Gemeindearchivar Thomas Gamon stöberte in seinen Unterlagen und fasste sein diesbezügliches Wissen in einem Vortrag zusammen. Der Abend zum Thema „Kulturlandschaft von Nenzing früher“ lockte ein interessiertes Publikum in den Wolfhaus-Dachboden.

„Unsere Landschaft würde ganz anders aussehen, hätten nicht Menschen eingegriffen“, nannte Gamon dafür verschiedene Beispiele: vom Ackerbau bis hin zum Gipfelkreuz. Einige der wenigen verbliebenen Naturlandschaften sei hingegen ein Gebiet von Kühbruck auf dem Weg in den Nenzinger Himmel rechts und links der Straße. In seinem Vortrag blickte der Gemeindearchivar ins 19. Jahrhundert zurück. „Damals übernahm die Gemeinde die Versorgung der Bevölkerung mit jenen Lebensmitteln, die nicht zur Verfügung standen, etwa Getreide oder Obst.“  In Nenzing und Beschling wurde früher Wein angebaut, nach mehreren Missernten und Schädlingsbefall wurde vorwiegend Most anstelle von Wein in den Kellern gelagert. Während einer Warmphase im 13. und 14. Jahrhundert seien viele Burgen und Städte entstanden, Getreide wurde bis in die Hochlagen angebaut. „Das Klima hat die Landschaft immer schon entscheidend geprägt.“

Das Heuen von steilen Hängen sei hingegen ein Zeichen von Armut gewesen. Im Laufe des Abends widmete Gamon den Heubargen im Ort ein besonderes Augenmerk. Rund 200 davon sind im Gemeindegebiet noch erhalten. Das Heu wurde vorwiegend mit dem Heuschlitten ins Tal gebracht. Primus Huber drehte bereits vor zehn Jahren gemeinsam mit Reinhard Bertsch, Paul Meyer sowie dem inzwischen verstorbenen Martin Borg einen Film über diese alte Tradition – dieser wurde erstmals öffentlich präsentiert.

Der Vortrag in Nenzing fand im Rahmen der Walgau-Wiesen-Wunderwelt statt. Diese Initiative kann in den kommenden Wochen auf mehrere Veranstaltungen verweisen: Am 5. und 12. Oktober findet in Nenzing bzw. Göfis etwa der Workshop „Vom Mut zum wilden Eck“ statt. Am 12. November kommt es in Nüziders zum Vortrag „Amsel, Drossel, Fink und Star“. Detaillierte Infos dazu sind unter www.walgau-wunder.at ersichtlich. EM

„Kulturlandschaft nennt man eine von Menschen gestaltete und beeinflusste Landschaft.“