Erst neun Jahre in der Politik, wird Nina Tomaselli Nationalratsabgeordnete

Vorarlberg / 30.09.2019 • 06:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Politiker-Generation Instagram: Tomaselli warb im Wahlkampf mit vielen Videos. VN/STEURER

Nina Tomaselli zieht für die Grünen in den Nationalrat ein.

Bregenz Nina Tomaselli muss 16 oder 17 Jahre alt gewesen sein, als sie mit ihren Freundinnen bei ein paar Getränken heiteres Beruferaten spielte. Sie würde mal Berufspolitikerin werden, orakelte die Mädelsrunde. Tomasellis Antwort: ein empörtes „Neeeiiiin“. So jedenfalls erzählt sie es im VN-Gespräch. 17 Jahre später ist alles anders. Die 34-Jährige holt bei der Nationalratswahl am Sonntag das Grundmandat der Vorarlberger Grünen und zieht in den Nationalrat ein.

Nina Tomaselli (links) präsentierte mit ihrer Schulfreundin  Eva Hämmerle im Jahr 2002 ein Projekt für  HIV-infizierte Mütter in Afrika. VN/HB
Nina Tomaselli (links) präsentierte mit ihrer Schulfreundin Eva Hämmerle im Jahr 2002 ein Projekt für HIV-infizierte Mütter in Afrika. VN/HB

Wäre Nina Tomaselli eine Fußballerin, sie wäre wohl Mannschaftskapitänin. „Sei es die Maturareise oder ein Halbzeitfest: Wenn ich etwas cool finde, dann organisiere ich es gerne“, erzählt sie. „Es muss nicht immer politisch sein.“ Kann es aber, zum Beispiel im Jahr 2002, als sie, damals 17 Jahre alt, eine Fernsehreportage über eine Aids-kranke afrikanische Frau mit Baby sieht. Sie kontaktiert Experten, um gemeinsam mit einer Schulfreundin ein Hilfsprojekt für HIV-infizierte Mütter in Afrika auf die Beine zu stellen.

Mit dem alten VW-Bus tuckern die Jungen Grünen Landtagswahlkandidaten Nina Tomaselli und Daniel Zadra vor der Landtagswahl 2014 durchs Land.  
Mit dem alten VW-Bus tuckern die Jungen Grünen Landtagswahlkandidaten Nina Tomaselli und Daniel Zadra vor der Landtagswahl 2014 durchs Land.  

Nach der Matura zog es die Frastanzerin nach Innsbruck. Zunächst für Wirtschaftspädagogik und Geschichte eingeschrieben, schloss sie in Volkswirtschaftslehre ihr Studium ab. Das Thema ihrer Diplomarbeit lautet: Der Zusammenhang zwischen Tanktourismus und den Strafzahlungen laut Kyotoprotokoll. „Das ist noch immer ein aktuelles Thema“, betont sie. Im Gegensatz zu vielen Politikerinnen und Politikern bliebt Tomaselli in der Hochschulzeit der Parteipolitik fern, wie sie fortfährt: „Ich war ein hochpolitischer Mensch, aber mit den Grünen bin ich erst nach meiner Rückkehr nach Frastanz in Verbindung gekommen.“ Ihr ehemaliger Banknachbar in der Schule habe sie angerufen, ob sie nicht Lust habe, mit ihm eine Grüne Liste für die Gemeindewahl zu gründen. „Eigentlich habe ich nur eine Solidaritätskandidatur im hinteren Feld zugesagt. Nach der ersten internen Sitzung hat es mich aber gepackt.“ Die Grünen holten 11,7 Prozent und Tomaselli ein Politikfieber, das sie bis heute behalten hat. Sie schwärmt: „Es ist eine sinnstiftende Arbeit. Man kann Spuren hinterlassen und etwas bewegen.“

Zadra und Tomaselli schafften den Einzug in den Landtag. VN/Hartinger
Zadra und Tomaselli schafften den Einzug in den Landtag. VN/Hartinger

Im Nationalratswahlkampf 2013 kämpft sie an der Seite von Harald Walser für dessen Mandat, danach entschließt sie sich, für den Landtag zu kandidieren. Nachdem Tomaselli 2014 dort ein Mandat erobert, zügelt sie von Frastanz nach Feldkirch, wo sie seit 2015 in der Gemeindevertretung sitzt. Im Frühjahr 2019 übernimmt sie interimistisch den Klubvorsitz der Grünen im Landtag, außerdem wählen sie die Grünen zu einer Stellvertreterin von Parteichef Werner Kogler.

Bei der Europwahl im Mai 2019 kandidierte sie auf der österreichischen Liste als vorderste Vorarlbergerin.

Bei der Europwahl im Mai 2019 kandidierte sie auf der österreichischen Liste als vorderste Vorarlbergerin.

Im Nationalratswahlkampf plakatiert Tomaselli: „Wen würde leistbares Wohnen wählen?“ Schon zu Beginn ihrer politischen Zeit in Frastanz ist sie mit der neuen Vergaberichtlinie für Sozialwohnungen beschäftigt. Im Landtag engagiert sie sich vor allem im Bereich Wohnen und Raumplanung, dem möchte sie im Nationalrat treu bleiben. In der Landtagsarbeit fällt sie öfters durch Kritik am Regierungspartner auf. Vor allem im Wohnbaubereich taten sich die etablierten männlichen Wohnbausprecher von ÖVP und FPÖ mit Tomasellis angriffiger und direkter Art schwer, auch nicht immer zur Freude der eigenen Partei. Bei ihrer Kritik an den ÖVP-Vorschlägen zum Gemeindegesetz wusste sie aber alle Grünen hinter sich. Als Klubobfrau erweiterte sich ihre Themenpalette.

Tomaselli und die ÖVP lieferten sich im Landtag regelmäßig Wortgefechte. VN/Stiplovsek
Tomaselli und die ÖVP lieferten sich im Landtag regelmäßig Wortgefechte. VN/Stiplovsek

Nun wechselt sie also in die Bundespolitik. Ihr Lebensmittelpunkt soll aber Feldkirch bleiben. „Von allen Gebietskörperschaften ist die Kommunalpolitik die spannendste. Ich bin Kommunalpolitikerin und bleibe es auch.“ Anfang 2020 wird sie wieder in Feldkirch antreten.

Bei der Nationalratswahl kämpften Vorarlbergs Grüne um das Grundmandat - und holten es.
Bei der Nationalratswahl kämpften Vorarlbergs Grüne um das Grundmandat – und holten es.

Zur Person

Nina Tomaselli, neue Nationalratsabgeordnete der Grünen

Geboren am 16. April 1985

VWL-Studium in Innsbruck. Diplomarbeit über den Zusammenhang zwischen Tanktourismus und Strafzahlungen laut Kyotoprotokoll

Wohnt in Feldkirch

Politische Laufbahn 2010 Gründungsmitglied Frastanzer Grüne, 2014 Einzug in den Landtag. 2019 interemistische Klubobfrau, Stellvertretende Bundesvorsitzende, 2019 Einzug in den Nationalrat