Anne-Julie Harrer ist auch für Tiere eine Mama

Vorarlberg / 01.10.2019 • 10:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
„Tiermama“ Anne-Julie Harrer mit ihrem dreibeinigen Hund Buddy. KUM

Anne-Julie Harrer setzt sich seit Kindheitstagen für Tiere ein.

Hörbranz Als Kind brachte Anne-Julie Harrer (35) verwundete Tiere heim.  „Ich habe alles mitgenommen, was ich auf der Straße fand: halbtote Vögel, Mäuse, Fledermäuse.“ Dem Mädchen taten die Tiere leid. Es erbarmte sich ihrer und tat alles nur Erdenkliche, um sie zu retten. „Im Urlaub habe ich einmal mit meiner Schwester stundenlang Marienkäfer aus dem Hotelpool vor dem Ertrinken gerettet“, erinnert sich die 35-Jährige schmunzelnd.

Den Eltern entging die Tierliebe der Töchter nicht. Deshalb schafften sie eine Katze, Fische und ein Meerschweinchen an. Anne-Julie hing sehr an den Haustieren. Der grausame Tod des Nagers erschütterte das Mädchen nachhaltig. „Ein Marder hat Ludmilla van Waslala  totgebissen. Ich war so traurig, dass ich zwei Tage von der Schule wegblieb.“

„Ein Marder biss mein Meerschweinchen tot. Ich war so traurig, dass ich zwei Tage von der Schule wegblieb.“

Anne-Julie Harrer, Tierfreundin

So klein das Mädchen war, so groß war sein Traum. Bereits als Fünfjährige träumte Anne-Julie von einem eigenem Pferd. Sie erzählt, wie sie die Liebe zu Pferden entdeckte: „Meine Cousine besaß einen Wallach und hat mich oft in den Stall und auf Springturniere mitgenommen. Es machte mich stolz, wenn ich King trockenreiten und versorgen durfte.“ Als Erwachsene erfüllte sich die Wahl-Hörbranzerin ihren Kindheitstraum. Ihre Stute Louisiana ist im Reitstall Erlenhof in Hörbranz untergebracht. „Ich fahre in den Stall und schon habe ich ein Grinsen im Gesicht“, will sie verständlich machen, dass das Reiten und die vertrauensvolle Verbindung zum Pferd sie glücklich machen.

Baby-Katzen aufpäppeln

Vierbeiner streifen auch bei ihr zu Hause herum. Cat Moss gehört seit acht Jahren zur Familie. „Ein Mitarbeiter des Tierheims brachte mir die Katze. Sie wurde mit ihren drei Jungen in einem Karton bei einer Tankstelle ausgesetzt und war in einem lebensbedrohlichen Zustand. Zwei Tage lang lag sie mit einer Infusion auf meiner Couch.“

Seit damals päppelt die 35-Jährige auch Baby-Katzen für das Tierheim auf. Damit sie durchkommen, muss Anne-Julie sie auch nachts füttern. Dann heißt es für sie aufstehen und Milch eingeben. „Es ist mit viel Arbeit verbunden. Aber ich tue es gerne, weil mir die Katzenjungen leid tun.“

Tiere geschmuggelt

Mitleid war es auch, warum die Montessori-Lehrerin Buddy vor ein paar Wochen aus dem Tierheim holte und in ihre Familie aufnahm. Der kleine Hund hat eine Odyssee hinter sich. Er kam mit zwei Serben ins Land, die in ihren Fahrzeugen elf Hunde und elf Katzen illegal mitführten. Die Tiere waren für Käufer in der Schweiz bestimmt. Die Stadtpolizei Dornbirn beschlagnahmte die Vierbeiner im Mai auf einem Parkplatz beim Messepark. Im Dornbirner Tierschutzheim bekamen die geschmuggelten Tiere eine neue Bleibe.

Im August bekam die „Tiermama“ einen Anruf aus dem Tierschutzheim. „Man sagte mir, dass sie einen Hund für uns hätten, allerdings habe dieser nur drei Beine.“ Anne-Julie war zunächst skeptisch. Aber als sie Buddy zum ersten Mal sah, stand für sie fest. „Den nehmen wir.“ Sein süßer Blick und seine ruhige Art taten es den Harrers an. Inzwischen haben sie den behinderten Hund bereits so ins Herz geschlossen, dass sie ihn nicht mehr hergeben würden. Laut Anne-Julie haben sich die Buben durch Buddy positiv verändert. Sie seien ruhiger geworden. „Wenn Louis und Leo von der Schule heimkommen, macht Buddy vor Freude Luftsprünge. Und wenn sie abends zu Bett gehen, trottet er mit ihnen in ihr Zimmer und schläft bei ihnen“, macht die zweifache Mutter deutlich, dass ein Hund Freude ins Leben bringt.