Bei den Bezirkshauptmannschaften steckt der Software-Wurm drin

Vorarlberg / 01.10.2019 • 19:26 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Nach Software-Umstellung müssen Verwaltungsstrafen manuell nachkontrolliert werden.

Bregenz Großangelegte Umstellungen in EDV- und IT-Systemen sind bei Unternehmen und der Verwaltung zumeist gefürchtet, denn in so manchen Fällen läuft es nicht immer ganz wie geplant. Jetzt hat es die vier Bezirkshauptmannschaften (BH) erwischt.

Denn die zusammen mit einem externen Anbieter durchgeführte Umstellung auf ein neues EDV-Programm zur Verwaltung und Abwicklung sämtlicher Verwaltungsstrafen (VStV) in Vorarlberg bringt seit Mai 2019 die Köpfe in den Strafabteilungen der BH und auch in der IT-Abteilung des Landes zum Rauchen.

Datenmigration funktioniert nicht

Auslöser ist eine österreichweite Umstellung des IT-Systems, mit dem die Bezirkshauptmannschaften die Verwaltungsstrafen ausstellen und den dazugehörenden Zahlungseingang überwachen. Dafür wurde in Vorarlberg das bisher eigene IT-System parallel zum neuen genutzt. Daten sollten aus dem alten in das neue System importiert werden. „Dabei hat sich jedoch rasch gezeigt, dass diese Datenmigration einige Fehler produzierte“, so der Feldkircher Bezirkshauptmann Herbert Burtscher. Das Problem zeigte sich darin, dass erfolgte Zahlungseingänge von gestraften Personen oder Firmen nicht immer automatisiert dem richtigen Akt zugeordnet werden konnten. Es blieb also mitunter monatelang offen, von wem bestimmte Zahlungseingänge auf den Konten der BHs stammten.

Damit durch die EDV verursachte Fehler in einem Strafverfahren ausgeschlossen werden können, müssen die Mitarbeiter der Strafabteilungen seit Mai deshalb Tausende alte Verfahren (nach-)kontrollieren. Burtscher schätzt, dass diese Aufbereitungsarbeiten noch einige Monate dauern werden. Immerhin bearbeiten die vier BHs mehrere 100.000 Verwaltungsstrafen jährlich. „Wir haben auch externes Personal hinzugezogen.“

Erneuter Auftrag an Externen

Zusätzlich zu diesem Rückstau funktioniere auch die neue Software noch nicht ganz klaglos und müsse immer wieder angepasst und verbessert werden, so Burtscher. Um das neue System zum Laufen zu bringen, vergab die Vorarlberger Landesregierung Mitte September 2019 einen Folgeauftrag an den externen IT-Dienstleister. Burtscher legt Wert darauf, dass der nächste Schritt der Behörde erst erfolgt, wenn zweifelsfrei geklärt sei, dass wirklich nicht bezahlt wurde.

Aus diesem Rückstau ergibt sich ein weiteres Problem. Denn fast alle Gelder aus den Verwaltungsstrafen fließen in den Sozialbereich. „Da wir aber nur Gelder aus finanziell 100-prozentig geklärten Strafverfahren weiterleiten können, gibt es hier mitunter noch einige Verzögerungen“, so Burtscher.